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Zugdrama in Spanien: Keine Deutsche unter den Todesopfern?

Nach Spaniens Zugkatastrophe fehlt 13 Familien noch jede Gewissheit – und ausgerechnet die letzten Opfer geben Rätsel auf.

01.11.2026, 13:50 Uhr

Vier Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien sind noch immer 13 der insgesamt 69 Todesopfer nicht identifiziert. Nach Angaben der Behörden in Kastilien-La Mancha konnte die Identität in den übrigen 56 Fällen inzwischen zweifelsfrei festgestellt werden. Unter den bereits identifizierten Opfern befinden sich demnach 54 spanische Staatsangehörige sowie je eine Person aus Frankreich und Portugal.

Die Behörden gehen davon aus, dass auch die noch offenen Identifizierungen in den kommenden Stunden abgeschlossen werden können. Nach aktuellem Stand dürfte es sich dabei ausschließlich um ausländische Opfer handeln. Grundlage dieser Annahme sind die noch vorliegenden Vermisstenmeldungen. Diese betreffen vier Menschen aus den USA, jeweils zwei aus Japan und Australien sowie je eine Person aus Kanada, Mexiko, Argentinien, Tschechien und Tunesien.

Vermutlich keine Deutschen unter den Toten

Daraus ergibt sich, dass sich wahrscheinlich keine deutschen Staatsangehörigen unter den Todesopfern befinden. Für die noch ausstehenden Identifizierungen seien laut Behörden allerdings weitere Schritte im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit nötig.

51 der 56 bereits identifizierten Opfer seien zudem schon den Angehörigen gemeldet worden. Dabei handelt es sich um 33 Männer und 18 Frauen. In 52 Fällen erfolgte die Identifizierung über Fingerabdrücke, in vier weiteren durch DNA-Analysen. Die noch offenen Benachrichtigungen sollen so rasch wie möglich nachgeholt werden.

Strecke weiter gesperrt

Das Unglück ereignete sich am Mittwoch nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Dort waren zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf. Die Bahnverbindung zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beiden Richtungen gesperrt. Iberia hat deshalb zusätzliche Flüge zu begrenzten Preisen eingerichtet.

Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Der spanische Regierungschef Pedro Sanchez (M.) war am Unfallort. Die Regierung in Madrid steht vor den Wahlen unter Druck. (Archivbild) Quelle: Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa

Ermittlungen zur Ursache laufen

40 Verletzte werden weiterhin in Krankenhäusern behandelt, 17 von ihnen auf Intensivstationen. Regierungssprecherin Esther Padilla aus Kastilien-La Mancha sagte dem Sender RTVE, es sei sehr wahrscheinlich, dass alle Überlebenden durchkommen werden.

Die Ermittler prüfen unter anderem einen Ausfall des Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle in Madrid. Nach Funkaufzeichnungen könnte ein Lokführer angewiesen worden sein, den regulären Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das Sicherungssystem noch nicht funktionierte und sich der andere Zug weiterhin auf der Strecke befand. Die genaue Unglücksursache ist jedoch noch offen.

Am Sonntag waren nach Medienberichten noch etwa 50 Einsatzkräfte der Guardia Civil an der Unfallstelle, um weitere Hinweise zu sichern. Mehrere Waggons wurden inzwischen von den Gleisen entfernt, befinden sich aber noch in direkter Nähe des Unfallorts.

Regierung vor Wahltermin unter Druck

Verkehrsminister Óscar Puente wies Vorwürfe zur mangelnden Sicherheit des spanischen Bahnsystems zurück. Einen Rücktritt, wie ihn mehrere Oppositionsparteien fordern, schloss er aus. Am Dienstag soll er sich im zuständigen Parlamentsausschuss zu dem Unglück äußern.

Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte nach der Katastrophe zusätzliche Investitionen an, um die Sicherheit im Bahnnetz weiter zu verbessern. Das Vertrauen in das Hochgeschwindigkeitssystem des Landes habe Schaden genommen, sagte er. Aufgabe der Regierung sei es nun, nicht nur die Ursachen aufzuklären, sondern auch Maßnahmen vorzulegen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederhole.

Für Spanien ist es bereits das zweite schwere Zugunglück innerhalb von nur neun Monaten. Schon im Januar waren bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen. Die erneute Katastrophe setzt die linke Regierung in Madrid zusätzlich unter Druck, da am 29. November vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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