Der bevorstehende Abschied von Sportvorstand Joti Chatzialexiou ist für den 1. FC Nürnberg ein harter Einschnitt. Dennoch sieht sich der fränkische Traditionsclub, der nach Jahren sportlicher Ernüchterung wieder mit Zuversicht nach vorn blickt, gut aufgestellt für die Suche nach einem Nachfolger – und setzte im ersten Spiel nach der Bekanntgabe gleich ein Zeichen.
Nach dem wichtigen 3:1 (1:0) beim FC St. Pauli lief Chatzialexiou mit einem breiten Grinsen über den Rasen am Millerntor. Der Sieg gibt dem Club zusätzlichen Rückenwind: Nürnberg nutzte die Fehler der Gastgeber konsequent aus, verteidigte leidenschaftlich und behauptete damit Rang zwei in der 2. Bundesliga.
Aufsichtsratschef Peter Meier erklärte nach der Bekanntgabe des Wechsels, man befinde sich bereits in vielversprechenden Gesprächen. In den kommenden Tagen könne möglicherweise ein Kandidat präsentiert werden. Zugleich betonte er, der Verein wolle sich nicht unter Druck setzen lassen, sondern die festgelegten internen Abläufe konsequent einhalten und allen Beteiligten ausreichend Zeit geben.
Interne und externe Optionen
Meier versicherte, dass der Club auf solche Fälle vorbereitet sei. Im Aufsichtsrat gebe es Listen mit möglichen Besetzungen für verschiedene Schlüsselpositionen. Sobald ein Wechsel konkreter werde, würden diese Namen geprüft und im zuständigen Gremium – in diesem Fall im Sportausschuss – intensiv besprochen.
Auf der Kandidatenliste sollen sowohl interne als auch externe Bewerber stehen. Als denkbare interne Lösung gilt unter anderem Dieter Frey (53), der das Nachwuchsleistungszentrum leitet.
Unabhängig von der Personalie will sich der FCN von seinem eingeschlagenen Weg nicht abbringen lassen. Vor dem Auswärtsspiel in Hamburg hatte Chatzialexiou betont, dass man in den kommenden Wochen alles für sportlichen Erfolg tun werde. Sinngemäß stellte er klar, dass die Nürnberger Vereinslegende auch ohne ihn weiterleben werde.
Erfolgskurs trotz angekündigtem Wechsel
Chatzialexiou hat in Nürnberg seit seinem Amtsantritt im Sommer 2024 deutliche Spuren hinterlassen. Der frühere DFB-Funktionär modernisierte das Scouting und etablierte eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jamestown Analytics. Durch gezielte Transfers – etwa die Verpflichtung von Torjäger Mohamed Ali Zoma, der nach einer Schulter-OP allerdings noch bis zur Winterpause ausfällt – mischt der FCN in dieser Saison wieder ganz oben mit und spielt um den Aufstieg.
Wechsel nach Frankfurt per Ausstiegsklausel
Das Angebot von Eintracht Frankfurt wollte Chatzialexiou nicht ablehnen. In seinem bis Sommer 2028 laufenden Vertrag in Nürnberg war eine Klausel verankert, die ihm den Wechsel zu seinem Heimatverein ermöglicht. Dort soll er ab 1. Februar 2027 die Nachfolge von Markus Krösche antreten und mindestens bis zum 30. Juni 2030 arbeiten.
Chatzialexiou machte deutlich, dass die Anfrage für ihn eine besondere Bedeutung habe, weil es sich um seinen Heimatclub handelt. Ohne diesen persönlichen Bezug, so seine Aussage, hätte er einen Abschied aus Nürnberg nicht in Betracht gezogen. Der 50-Jährige wuchs in Sachsenhausen als Sohn griechischer Gastarbeiter auf und war früher bereits als Jugendtrainer im Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald tätig.
Zugleich betonte er, nicht abrupt gehen zu wollen. Vielmehr wolle er gemeinsam mit seinem Nachfolger weitere Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Vereins stellen. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau soll die Ablösesumme unter einer Million Euro liegen. Demnach ließ sich Chatzialexiou diese Regelung bei seiner Vertragsverlängerung Anfang August festschreiben.
Klose zeigt Verständnis
Auch Trainer Miroslav Klose ist vom Abgang betroffen. Nach eigenen Angaben erfuhr er erst am Morgen vor dem Auswärtsspiel in Hamburg von der Entscheidung. Klose sprach von einer engen Zusammenarbeit und bezeichnete Chatzialexiou als wichtigen Vertrauten.
Gleichzeitig wollte der Weltmeister von 2014 dem Vorgang keine übermäßige Bedeutung beimessen. Wechsel seien in diesem Geschäft völlig normal, sagte Klose, und er vertraue darauf, dass der Verein einen geeigneten Nachfolger finden werde.
Beim 1. FC Nürnberg will man nun verhindern, dass Unruhe aufkommt – weder sportlich noch organisatorisch. Meier hob hervor, dass den Club derzeit eine Geschlossenheit auszeichne, wie man sie lange nicht erlebt habe. Genau daran wolle man festhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber