Bayern

Gerlach warnt vor Aus der Telefon-Krankschreibung

Schärfere Krankschreibungs-Regeln sollen helfen – doch ausgerechnet Söders eigene Ministerin warnt jetzt vor dem Plan.

03.07.2026, 17:07 Uhr

Bayerns Gesundheitsministerin kritisiert Ende der telefonischen Krankschreibung

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hat sich gegen die Pläne der schwarz-roten Koalition ausgesprochen, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen. Im Gespräch mit dem Radiosender Antenne Bayern sagte sie, ein solcher Schritt würde vor allem neue Bürokratie schaffen. Da nur etwa ein Prozent aller Krankschreibungen telefonisch erfolge, sei der praktische Nutzen der Änderung aus ihrer Sicht gering.

Schwarz-rote Koalition setzt auf strengere Vorgaben

Die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD in Berlin hatten sich in dieser Woche auf strengere Regeln bei Krankmeldungen verständigt. Hintergrund sind die hohen Fehlzeiten. Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeit nicht mehr ohne Praxisbesuch telefonisch festgestellt werden können. Zudem soll eine ärztliche Bescheinigung grundsätzlich bereits ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden müssen. Bislang ist dies in der Regel erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben. Unternehmen sollen allerdings weiterhin die Möglichkeit haben, andere Vereinbarungen zu treffen.

Union und SPD versprechen sich von weniger Krankheitstagen positive Effekte für die angeschlagene Wirtschaft. Auch CSU-Chef Markus Söder hatte die Entscheidung mitgetragen.

Sorge vor zusätzlicher Belastung in den Praxen

Gerlach äußerte auch Kritik an der geplanten Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag. Nötig sei aus ihrer Sicht ein Konzept mit Augenmaß, das Arztpraxen nicht zusätzlich an ihre Grenzen bringe. Gerade Hausarztpraxen müssten sich ohnehin auf mehr Patientinnen und Patienten einstellen. Ihnen nun noch weitere Aufgaben aufzubürden, hält sie für den falschen Weg.

Auch aus der Ärzteschaft kam deutlicher Widerspruch. Dort wird befürchtet, dass Praxen durch die neuen Regeln noch stärker überlastet werden könnten. Außerdem bestehe die Gefahr, dass erkrankte Beschäftigte trotz Beschwerden zur Arbeit gehen, weil sie keinen rechtzeitigen Termin für eine Untersuchung bekommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen