Bayern

Fernpass-Chaos! Demo stoppt Route: Das droht Reisenden

Jetzt trifft es den Fernpass: Am 27. Juni ist die Ferienroute dicht. Warum selbst 2 Stunden Sperre Urlauber teuer zu stehen kommen.

21.06.2026, 04:30 Uhr

Nach der Blockade am Brenner Ende Mai steht auf einer weiteren wichtigen Alpenverbindung die nächste Einschränkung bevor: Wegen einer Protestaktion wird die Fernpassstraße in Tirol an mindestens einem, womöglich sogar an zwei Samstagen in den Sommerferien am Vormittag jeweils für zwei Stunden gesperrt.

Warum wird der Fernpass dichtgemacht?

Auslöser ist eine Demonstration von Anwohnern am 27. Juni, die sich gegen das hohe Verkehrsaufkommen und geplante Tunnelvorhaben richtet. Die Aktion orientiert sich an der Brenner-Demo vom 30. Mai, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Damals war erstmals eine Kundgebung direkt auf der Autobahn genehmigt worden. Trotz großer Stauwarnungen blieb das Verkehrschaos weitgehend aus, weil viele Reisende ihre Fahrt offenbar verschoben hatten.

Wann gilt die Sperre?

Am Samstag, 27. Juni, wird die B179 zwischen Reutte und Nassereith von 10 bis 12 Uhr vollständig für den Verkehr gesperrt. Für den 1. August wurde bereits eine weitere zweistündige Demonstration angemeldet. Ob auch dann tatsächlich gesperrt wird, will Tirol erst nach den Erfahrungen mit der ersten Aktion entscheiden.

Wie hoch ist die Staugefahr?

Der Termin fällt auf den Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Gerade am Samstagvormittag ist daher mit starkem Reiseverkehr zu rechnen. Zwar dauert die Unterbrechung am Fernpass deutlich kürzer als die ganztägige Sperrung am Brenner, dennoch warnt der ADAC vor Rückstaus schon vor Beginn der Sperre. Auch nach der Wiederfreigabe könne es noch längere Verzögerungen geben.

Brennerautobahn 13
Die Brenner-Autobahn ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. (Archivbild) Quelle: Sven Hoppe/dpa

Was empfehlen Polizei und ADAC?

Die Polizei rät von unnötigen Fahrten in Richtung Tirol an diesem Tag ab. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass auch Ausweichstrecken voraussichtlich stark belastet sein werden. Der ADAC empfiehlt deshalb vor allem, die Reise zeitlich zu verlagern. Wer sehr früh startet oder auf einen anderen Zeitpunkt ausweicht, hat die besten Chancen auf eine störungsfreie Fahrt.

Wer dennoch genau während der Sperrzeit unterwegs sein muss, sollte weiträumig umfahren. Außerdem gilt derselbe Rat wie schon bei der Brenner-Blockade: ausreichend Getränke und Verpflegung mitnehmen und den Tank rechtzeitig füllen.

Für den 27. Juni will der ADAC Südbayern voraussichtlich keine zusätzlichen Stauberater einsetzen. Falls es am 1. August erneut zu einer Sperre kommt, sollen jedoch die dann ohnehin wegen des Ferienbeginns in Bayern eingesetzten Verkehrsberater die Lage beobachten. Dann haben alle deutschen Bundesländer Sommerferien.

Welche Maßnahmen plant die Autobahn GmbH?

Die Autobahn GmbH will die Polizei unterstützen und Autofahrer frühzeitig informieren. Geplant sind unter anderem Hinweise auf Anzeigetafeln am Autobahnkreuz Memmingen und am Autobahndreieck Allgäu. Sollte Tirol den Verkehr hinter dem Grenztunnel bei Füssen stark dosieren und es dadurch auf deutscher Seite zu Staus kommen, könnte die Polizei den Verkehr notfalls ableiten und zurückschicken.

Ist die Situation mit der Brenner-Demo vergleichbar?

Nach Einschätzung der Verantwortlichen ist die Lage deutlich weniger kritisch als Ende Mai am Brenner. Der Fernpass sei nicht die einzige Verbindung ins Tiroler Inntal. Außerdem verteile sich der Verkehr in den Sommerferien stärker als in den Pfingstferien, als die Brennerroute dicht war. Hinzu kommt, dass die Sperre am Fernpass nur zwei Stunden dauern soll.

Gibt es Fahrverbote auf Schleichwegen?

Ja. Der Ausweichverkehr soll nicht über Nebenstraßen laufen. In Tirol gelten am 27. Juni von 7 bis 19 Uhr Sommerfahrverbote für den Transitverkehr auf Ausweichrouten. Ausgenommen sind lediglich Anwohner sowie Reisende mit einem konkreten Ziel in der Region. Entsprechende Regelungen gelten auch in Bayern entlang der A7. Die Polizei hat angekündigt, diese Verbote konsequent zu kontrollieren.

Welche Umfahrungen kommen infrage?

Je nach Start- und Zielort bieten sich vor allem zwei großräumige Alternativen an:

  • Über Vorarlberg und den Arlberg: von Deutschland über die A96 Richtung Lindau, weiter auf der österreichischen A14 in Richtung Tirol und Westösterreich.
  • Über München und das Inntal: über die A8 bis zum Inntaldreieck, dann auf die A93 bei Kiefersfelden und weiter auf die A12 Inntalautobahn. Wer nach Italien weiterfährt, kann anschließend die Brennerautobahn Richtung Südtirol nutzen.

Damit ist die Brennerroute diesmal grundsätzlich eine mögliche Ausweichstrecke. Allerdings müssen Urlauber auch dort mit dichtem Verkehr rechnen, denn an Ferien-Samstagen sind Staus auf diesen Verbindungen nichts Ungewöhnliches.

Was unternimmt Tirol vor Ort?

Nach Angaben des Landes Tirol wird die Polizei an der Grenze bei Vils/Füssen kontrollieren und Reisende über die Sperre informieren. Einsatzfahrzeuge dürfen passieren, Sonderregelungen für Anwohner soll es jedoch nicht geben.

Drohen künftig öfter solche Sperren?

Es gibt die Sorge, dass weitere Gruppen diesem Beispiel folgen könnten. Der ADAC Südbayern hofft deshalb, dass die Kundgebungen keine Signalwirkung entfalten. Genehmigungen für Demonstrationen seien immer Einzelfallentscheidungen und dürften nicht automatisch als Vorlage für weitere Sperrungen auf bedeutenden Alpenrouten dienen. Gerade die Folgen für Reisende, Lieferketten und die Wirtschaft müssten mitbedacht werden.

Zugleich betont der ADAC, dass solche Protestaktionen zwar kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen, die grundlegenden Probleme des Transitverkehrs im Alpenraum aber nicht lösen. Dafür brauche es langfristige, gemeinsame und europaweit abgestimmte Konzepte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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