Der folgenschwere Kurzschluss an einer Oberleitung im Münchner S-Bahn-Netz am Dienstag ist nach Angaben der Bahn auf einen ungewöhnlichen Auslöser zurückzuführen: Eine S-Bahn stoppte an einer dafür ungünstigen Stelle. Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage erklärte, sei ein Zug der Linie S8 ungeplant genau in einem Übergangsbereich zwischen zwei Abschnitten der Oberleitung zum Stehen gekommen. In diesem elektrisch sensiblen Bereich habe sich daraufhin ein Kurzschluss ereignet, der die Oberleitungsanlage beschädigte.
Seltene Konstellation
Nach Darstellung der Bahn kommt es nur äußerst selten vor, dass ein Zug ausgerechnet in einem solchen Trennbereich hält. Diese Abschnitte existieren an mehreren Stellen im Netz und werden im Regelbetrieb normalerweise ohne Halt durchfahren. Erst das Zusammenwirken mehrerer unglücklicher Umstände habe den Defekt ausgelöst.
Die Bahntochter DB InfraGO will den Vorfall vom Dienstagmorgen nun gemeinsam mit der S-Bahn München gründlich untersuchen. Ziel sei es, zu klären, wie sich ähnliche Störungen an besonders kritischen Punkten künftig besser vermeiden lassen.
Der Schaden an der Oberleitung sorgte ausgerechnet zum Schulbeginn in Bayern für massive Einschränkungen. Auf der stark frequentierten Münchner Stammstrecke fuhr im morgendlichen Berufsverkehr zeitweise überhaupt keine S-Bahn. Auch am Nachmittag lief der Verkehr während der Hauptverkehrszeit nur eingeschränkt; planmäßig unterwegs waren lediglich einige wenige Linien.
Scharfe Kritik aus der Politik
Durch den Kurzschluss blieben mehrere S-Bahnen in einem stromlosen Abschnitt stehen. Die Fahrgäste mussten die Züge verlassen, anschließend wurden die betroffenen Fahrzeuge abgeschleppt.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter reagierte mit deutlichen Worten auf die erneuten Probleme. Der CSU-Politiker sagte, die Bahn liefere ein "erbärmliches Bild" ab. Der Zustand der Münchner S-Bahn sei in dieser Form nicht länger hinnehmbar.
Die Stammstrecke in München zählt zu den am stärksten befahrenen Bahnverbindungen Europas und gilt zugleich als besonders störanfällig. Kommt es dort zu Ausfällen, hat das meist weitreichende Folgen für große Teile des gesamten S-Bahn-Netzes in und um die Pendlerregion München.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber