Nach Cyberangriff in Eichstätt: Stadt rechnet mit abgeflossenen Personendaten
Nach dem Hackerangriff auf die Stadtverwaltung Eichstätt geht das Rathaus inzwischen davon aus, dass Unbekannte auch an persönliche Informationen gelangt sein könnten. Nach der jüngsten Auswertung sollen die Täter mehr als ein Viertel des gesamten städtischen Datenbestands kopiert haben. Betroffen sein könnten unter anderem Telefonnummern, Anschriften sowie möglicherweise Melde-, Steuer- und Bankdaten.
Ins Visier geraten sein könnten demnach etwa Menschen, die sich früher auf Stellen bei der Stadt beworben, Fördermittel oder Baugenehmigungen beantragt oder sich für städtische Wohnungen und Grundstücke interessiert haben. Auch Finanzdaten aktueller und ehemaliger Beschäftigter könnten abgegriffen worden sein. Zudem könnten Steuerinformationen von Bürgerinnen und Bürgern betroffen sein, die in Eichstätt Grundsteuer, Hundesteuer oder Zweitwohnsitzsteuer zahlen oder gezahlt haben.
Auch VHS-Daten womöglich betroffen
Nach Angaben der Stadt könnten ebenso Daten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Volkshochschule betroffen sein. Das gilt möglicherweise auch für Rentenunterlagen sowie Informationen zur Schülerbeförderung. Keine Hinweise gibt es laut Stadt dagegen auf einen Abfluss von Daten aus der Schul- und Kita-Verwaltung oder aus dem Standesamt.
Insgesamt wurden nach bisherigem Stand 1,4 Terabyte Daten entwendet. Darunter könnten sich auch besonders sensible personenbezogene Informationen befinden. Bei etwas mehr als einem Terabyte handelt es sich laut Stadt mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Kopie eines unstrukturierten Arbeitsverzeichnisses. Das spreche dafür, dass keine vollständigen oder systematisch aufgebauten Melderegister- oder Finanzdatenbanken kopiert wurden. Einzelne personenbezogene Daten könnten darin aber dennoch enthalten sein.
Bei weiteren rund 400 Gigabyte sei bislang unklar, um welche Inhalte es sich handelt. Nach Darstellung der Stadt haben die Angreifer ihre Spuren so gründlich verwischt, dass eine genaue Zuordnung derzeit nicht möglich ist. Deshalb müsse damit gerechnet werden, dass sich darunter ebenfalls personenbezogene Daten befinden könnten – womöglich sogar aus Datenbanken.
Stadt ruft zur Vorsicht auf
Die Stadtverwaltung hat für den 11. November eine digitale Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger angekündigt. Gleichzeitig empfiehlt sie dringend, bei E-Mails, Briefen oder Anrufen mit Bezug zur Stadt besondere Vorsicht walten zu lassen. Auch Kontoauszüge und Abbuchungen sollten aufmerksam kontrolliert werden.
Nach dem Cyberangriff vor etwa einem Monat waren zunächst sämtliche Server im Rathaus abgeschaltet worden. In der Folge war die Verwaltung nur eingeschränkt erreichbar. Nach Angaben der Stadt haben die Datensicherungen jedoch funktioniert – Sicherungskopien seien vorhanden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber