Bayern

Labor prüft Bärenspur – Dann die ernüchternde Entdeckung

Bärenalarm im Allgäu? Eine verdächtige Spur wird im Labor geprüft – jetzt könnte sich ein brisanter Verdacht bestätigen.

22.07.2026, 11:59 Uhr

Im Allgäu ist nach dem Fund einer möglichen Bärenspur bislang kein weiterer eindeutiger Hinweis auf einen Braunbären aufgetaucht. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurde im südlichen Oberallgäu Kot entdeckt, der auf einen Bären hindeuten könnte. Ob die Hinterlassenschaft tatsächlich von einem Braunbären stammt, soll nun eine Laboranalyse klären. Der letzte gesicherte Nachweis eines Braunbären in der Gegend datiert aus dem Frühjahr 2023.

Wie die Behörde mitteilte, wurde das Umfeld des Fundorts nach weiteren Spuren abgesucht. Bisher habe man dabei jedoch keine zusätzlichen klaren Hinweise gefunden, erklärte ein Sprecher.

Die Probe soll nun so schnell wie möglich am Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik in Gelnhausen untersucht werden. Mit einem schnellen Ergebnis rechnet das Landesamt allerdings nicht. Sobald ein Befund vorliegt, soll er veröffentlicht werden. Das Senckenberg-Labor gilt auch als nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Wölfen und Luchsen.

Bären wandern immer wieder nach Bayern ein

Auch in Österreich werden regelmäßig Braunbären festgestellt. Erst kürzlich meldeten Bauern in Thiersee in Tirol, nahe der Grenze zu Bayern, eine Sichtung. Fachleute gehen davon aus, dass viele dieser Tiere ursprünglich aus Norditalien stammen, wo Braunbären im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts gefördert wurden.

Sollte sich der Verdacht im Allgäu bestätigen, wollen die Behörden versuchen, die Herkunft des Tieres nachzuvollziehen. Nach Angaben des Landesamts steht man dazu in engem Kontakt mit den angrenzenden österreichischen Bundesländern. Bislang gebe es aber weder ein Foto noch genetische Daten, sodass sich die Spur keinem bekannten Bären zuordnen lasse.

Braunbär Bruno
Der ausgestopfte Braunbär Bruno ist ein Symbol für die schwierige Rückkehr von wilden Tieren nach Deutschland. (Archivbild) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Verhaltensempfehlungen für Bevölkerung und Landwirtschaft

Das Landesamt empfiehlt Landwirten in der Region, Weidetiere nachts in den Stall zu bringen und Herdenschutzmaßnahmen zu verstärken. Auch Anwohner, Wanderer und Ausflügler sollten aufmerksam sein.

Wer einem Braunbären begegnet, sollte Abstand halten und nicht davonlaufen. Stattdessen rät die Behörde, sich durch ruhiges Sprechen und langsame Armbewegungen bemerkbar zu machen und sich kontrolliert zurückzuziehen. Wichtig sei außerdem, dem Tier stets einen Fluchtweg offen zu lassen. In der Natur sollten zudem keine Essensreste oder Abfälle zurückgelassen werden, um Bären nicht anzulocken.

Bereits vor drei Jahren waren in mehreren Landkreisen Südbayerns Bärenspuren entdeckt worden. Ein Braunbär, der sich zuvor im Freistaat aufgehalten hatte, wurde im Mai 2023 im Salzburger Land von einem Zug erfasst und getötet. Auch davor gab es in Bayern immer wieder Hinweise auf einzelne Tiere.

Bruno bleibt Symbolfigur der Bärendebatte

Die gelegentliche Rückkehr von Braunbären beschäftigt Bayern seit rund 20 Jahren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist der Fall von Braunbär Bruno: Das Tier war 2006 nach Bayern eingewandert, später zum Abschuss freigegeben und im Rotwandgebiet getötet worden. Seitdem gilt Bruno als Symbol für die schwierige Rückkehr großer Wildtiere und die Konflikte zwischen Artenschutz und Sicherheitsbedenken. Der ausgestopfte Bär ist heute im Münchner Museum Mensch und Natur zu sehen.

Im italienischen Trentino leben inzwischen schätzungsweise mehr als 100 Bären. In der beliebten Ferienregion kam es seit etwa 2014 auch mehrfach zu Zwischenfällen mit Menschen. Trauriger Höhepunkt war der tödliche Angriff auf einen Jogger im Frühjahr 2023. Entlang von Wanderwegen warnen dort mittlerweile Schilder vor den Tieren. Vor allem junge Bärenmännchen legen auf ihren Wanderungen oft weite Strecken zurück.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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