Bayreuther Festspiele feiern 150 Jahre mit Beethoven
Die Bayreuther Festspiele begehen ihr 150-jähriges Bestehen mit einem feierlichen Auftakt und Musik von Ludwig van Beethoven. Vor eineinhalb Jahrhunderten hatte Richard Wagner das Opernfestival gegründet, das heute weltweit bekannt ist. Deshalb stand zum Start ausnahmsweise keine Oper auf dem Programm. Stattdessen spielte das Orchester unter der Leitung von Christian Thielemann Beethovens 9. Symphonie – ein Dirigat, das großen Beifall erhielt.
Das Werk hat für Bayreuth eine besondere historische Bedeutung: Schon bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses am 22. Mai 1872 erklang die 9. Symphonie. Damals dirigierte Wagner selbst im Markgräflichen Opernhaus.
Katharina Wagner setzt Zeichen gegen Rechtsruck
Zum Jubiläum positionierten sich die Festspiele deutlich gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Es gehe darum, „hier Nein zu sagen“ gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte Festspielchefin Katharina Wagner beim Festakt. Gerade wegen der „sehr persönlichen Verknüpfung“ ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler sei das besonders wichtig.
Die Urenkelin Richard Wagners betonte, die Bayreuther Festspiele seien nie losgelöst von ihrer Zeit gewesen. Das Jubiläum sei deshalb weit mehr als ein Anlass zum Feiern. Es gehe darum, „die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären“, damit die Zukunft nicht erneut in der „Finsternis der Vergangenheit“ ende.
Merz mahnt zur kritischen Auseinandersetzung
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erinnerte in seinem Grußwort an die dunklen Seiten der Festspielgeschichte und an Richard Wagners Antisemitismus. Unter Verweis auf Thomas Mann empfahl er, Wagners Musik zu „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“. Ein „Canceln“ sei auch hier keine Lösung, sagte Merz. Entscheidend sei die kritische Auseinandersetzung, wie sie in Bayreuth inzwischen stattfinde: „Spät, aber es ist geschehen.“
Merz dankte den Festspielen zudem dafür, dass die „zwischenzeitlichen Irritationen“ um eine zeitweise abgesagte Gedenkveranstaltung für verfolgte jüdische Musiker inzwischen ausgeräumt worden seien.
Wagner entschuldigt sich erneut bei Friedman
Nach den Turbulenzen um diese Gedenkveranstaltung zeigten sich Festspielchefin Katharina Wagner und der jüdische Publizist Michel Friedman zum Auftakt des Festivals gemeinsam. Am Eingang des Festspielhauses begrüßten sie die Gäste, unterhielten sich immer wieder und wirkten dabei vertraut und entspannt.
Wagner entschuldigte sich in ihrer Begrüßung erneut ausdrücklich bei Friedman. Sie sprach von „Unstimmigkeiten und Fehlern im Vorfeld, die wir zu verantworten haben“. Friedman hatte die Absage und seine zwischenzeitliche Ausladung öffentlich gemacht. Die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“, bei der Friedman sprechen soll, war für den zweiten Festspieltag geplant.
Nike Wagner stellt die Zukunftsfrage
Die Festrede hielt Nike Wagner, Urenkelin des Komponisten, Cousine der Festspielchefin und einstige Konkurrentin um den Leitungsposten. Sie richtete den Blick vor allem auf die Zukunft der Festspiele. Nach ihrer Einschätzung entwickelt sich Bayreuth immer stärker von einem Familien- zu einem Staatsbetrieb.
Sie sprach von einer Art Erdrutsch und vom „endgültigen Übergang vom Familientheater zum Staatstheater“. Bund und Land als Geldgeber hätten inzwischen so viel Mitspracherecht, dass sie die Festspielleitung ernennen. Für Nike Wagner sind sie damit die „Totengräber des familiären Elements der Festspielgeschichte“. Nur das Künstlerische liege heute „noch“ in Familienhänden.
Katharina Wagner zeigt sich auf dem roten Teppich
Neben ihrer politischen Rede sorgte Katharina Wagner noch für eine weitere Überraschung: Jahrelang hatte sie sich nicht offiziell auf dem roten Teppich gezeigt. In diesem Jahr begrüßte sie dort die Gäste und ließ sich an der Seite von Bayreuths Oberbürgermeister Andreas Zippel fotografieren.
Trotz einer kurz vor Festspielbeginn im Krankenhaus behandelten Blinddarmentzündung zeigte sie sich sichtlich in Jubiläumsstimmung.
Merz mit Ehefrau auf dem roten Teppich, großer Applaus für Merkel
Vor dem Festakt blieb vieles zunächst ganz im Stil des Grünen Hügels: Der rote Teppich bot der Politik- und Prominenz erneut die Bühne zum Schaulaufen. Bundeskanzler Merz erschien mit seiner Frau Charlotte und konnte die jüngsten Turbulenzen um den Umbau seines Kabinetts zumindest für kurze Zeit hinter sich lassen.
Beim Staatsempfang im Anschluss an die Eröffnung war Merz allerdings schon nicht mehr zu sehen. Anders war es bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Altkanzlerin Angela Merkel, die gemeinsam ins Neue Schloss von Bayreuth kamen.
Den größten Applaus der Zaungäste erhielt Merkel. Auch im Festspielhaus gab es starken Beifall, als ihr Name genannt wurde. Die Altkanzlerin und ihr Mann Joachim Sauer zählen seit Jahren zu den Stammgästen auf dem Grünen Hügel.
Viel Politik auf dem Grünen Hügel
Die Politik dominierte den roten Teppich. Neben Söder wurden auch Thüringens Regierungschef Mario Voigt und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir in Bayreuth gesehen.
Merz traf dort außerdem auf weitere Akteure seiner jüngst beschlossenen Personalveränderungen in Berlin: die bisherige Bundesgesundheitsministerin und neue Kanzleramtschefin Nina Warken sowie Philipp Amthor, den neuen Bund-Länder-Koordinator im Kanzleramt.
Auch TV-Prominenz angereist
Auch aus Film und Fernsehen reisten bekannte Gesichter an, darunter Moderator Florian Silbereisen, der frühere „Tatort“-Schauspieler Udo Wachtveitl und TV-Koch Alexander Herrmann. Für Herrmann war der Weg vergleichsweise kurz: Er betreibt im nahen Wirsberg sein Stammhaus.
„Rienzi“ folgt als erste Neuinszenierung
Die erste neue Operninszenierung der Saison folgt am Sonntag: Mit „Rienzi“ wird ein frühes Werk Wagners erstmals überhaupt im Bayreuther Festspielhaus auf die Bühne gebracht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber