Bayern

Bayern krempelt Lehrerausbildung um – mehr Praxis an Schulen

Bayerns Lehrer-Reform soll alles ändern: mehr Schulalltag im Studium, Fokus auf Resilienz – kommt jetzt die bessere Ausbildung?

21.09.2026, 13:00 Uhr

Bayern plant praxisnähere Ausbildung für Lehrkräfte

Die Lehramtsausbildung in Bayern soll umfassend modernisiert und stärker auf den Schulalltag ausgerichtet werden. Nach dem neuen Masterplan der Ministerien für Kultus und Wissenschaft sollen Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung künftig enger miteinander verbunden werden. Ziel ist es, angehende Lehrkräfte besser auf die tatsächlichen Anforderungen des Berufs vorzubereiten. Auch Themen wie psychische Gesundheit im Lehrberuf und der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in Klassen sollen künftig mehr Gewicht erhalten. Erste Maßnahmen sollen bereits kurzfristig starten, die vollständig überarbeiteten Studiengänge sind zum Wintersemester 2029/2030 vorgesehen.

Praxisjahr als zentrales Element

Kernstück der Reform ist ein neues, besonders intensives Praxisjahr. Während eines ganzen Schuljahres sollen Studierende unmittelbare Erfahrungen an Schulen sammeln. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) betonte, dass dies mehr eigene Unterrichtsversuche, eine engere fachliche und pädagogische Begleitung sowie mehr Möglichkeiten zur Reflexion mit sich bringe.

Zusätzlich ist ein weiteres Praxis- und Prüfungssemester geplant. Damit soll auch berücksichtigt werden, dass viele Studierende die reguläre Studiendauer bisher ohnehin überschreiten.

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) erklärte, mehr Praxis bedeute nicht bloß, Studierende früher vor Klassen zu stellen. Vielmehr gehe es darum, selbst zu unterrichten, Rückmeldungen zu erhalten, das eigene Handeln zu überdenken und so Schritt für Schritt mehr Sicherheit zu gewinnen. Lehrkräfte hätten schließlich eine Aufgabe, die weit über reine Wissensvermittlung hinausgehe: Sie sollen Interesse fördern, Begabungen erkennen und Orientierung geben.

Kultusministerin Anna Stolz
Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hat den Plan mit Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) vorgestellt. (Archivbild) Quelle: Christoph Soeder/dpa

Zehn zentrale Handlungsfelder

Der Masterplan stützt sich auf die Leitideen Praxisnähe, Qualitätsentwicklung und Willkommenskultur. Insgesamt umfasst er zehn Handlungsfelder. Dazu gehört auch, die Widerstandskraft angehender Lehrkräfte gezielt zu stärken, damit sie den späteren Belastungen des Berufs besser begegnen können.

Außerdem sollen Prüfungen künftig stärker danach ausgerichtet werden, wie sich Studierende in der konkreten Unterrichtspraxis bewähren. Für die Umsetzung des Konzepts rechnen das Wissenschaftsministerium und das Kultusministerium jeweils mit einem zusätzlichen Personalbedarf von etwas mehr als 50 Stellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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