Neuer Streit um den Ausbau der A8 Richtung Salzburg
Zwischen dem Chiemsee und Salzburg ist erneut eine Debatte über den künftigen Ausbau der Autobahn 8 entbrannt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Abschnitt von vier auf sechs Fahrstreifen erweitert wird oder ob es bei vier Spuren bleibt, ergänzt um einen befahrbaren Seitenstreifen.
Auslöser der Diskussion ist ein Bericht der bundeseigenen Autobahn GmbH, wonach die bisherigen Planungen angepasst werden sollen. Demnach werde geprüft, statt eines vollständigen sechsstreifigen Ausbaus künftig auf vier Fahrstreifen plus Standstreifen zu setzen. Zuvor hatte bereits der "Münchner Merkur" über entsprechende Überlegungen berichtet.
Der betroffene Streckenabschnitt beginnt in Grabenstätt südöstlich des Chiemsees und reicht bis nach Salzburg. Aktuell verfügt die Strecke über jeweils zwei Fahrstreifen pro Richtung. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist jedoch ein Ausbau auf insgesamt sechs Spuren vorgesehen. Der Bereich bis Traunstein hat dabei höchste Priorität, der Abschnitt bis Salzburg die zweithöchste.
Alte Brücken als zentrales Argument
Nach Angaben eines Sprechers der Autobahn GmbH spielen vor allem die sanierungsbedürftigen Brücken entlang der Strecke eine wichtige Rolle bei den Überlegungen. Würde man die Autobahn als vierspurige Strecke mit zusätzlichem Standstreifen erneuern, könnte die bestehende Trasse weitgehend erhalten bleiben. Dadurch ließen sich neue Brücken direkt an ihrem endgültigen Standort errichten.
Bei einem Ausbau auf sechs Fahrstreifen plus Standstreifen würde sich die Linienführung dagegen verschieben. In diesem Fall wären bei den Brücken offenbar provisorische Lösungen nötig.

Bayerns Verkehrsminister widerspricht deutlich
Aus dem bayerischen Verkehrsministerium kommt allerdings scharfe Kritik an diesen Überlegungen. Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) macht klar, dass aus Sicht der Staatsregierung am sechsstreifigen Ausbau nicht gerüttelt werden dürfe. Der Bundesverkehrswegeplan sei verbindlich, deshalb werde Bayern mit Nachdruck auf die Umsetzung drängen. Jede Möglichkeit, das Projekt schneller voranzubringen, müsse genutzt werden, so Bernreiter.
Zugleich verweist der Minister darauf, dass er auch Unterstützung aus Berlin erhalten habe.
Auch aus dem Bund Rückendeckung
Der Bundesverkehrsminister Steffen Bilger betonte auf Anfrage in Kiel ebenfalls, dass der sechsstreifige Ausbau der A8 in diesem Bereich weiter verfolgt werde. Es gebe keinen Rückzug von den bisherigen Ausbauzielen. Vielmehr gehe es um Fragen der konkreten Umsetzung einzelner Schritte.
Bernreiter setzt darüber hinaus Hoffnungen auf das geplante Infrastrukturzukunftsgesetz. Dieses solle Autobahnvorhaben als Projekte von überragendem öffentlichem Interesse einstufen. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch neue Möglichkeiten entstehen, das Vorhaben schneller umzusetzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber