Baden-Württemberg

Studie enthüllt Gift-Alarm im Grundwasser am Oberrhein

Alarm am Oberrhein: Unsichtbare Chemikalien belasten das Grundwasser. Was Experten jetzt fordern, betrifft Millionen.

07.05.2026, 12:47 Uhr

Das Grundwasser im Einzugsgebiet des Oberrheins ist nach einer aktuellen Untersuchung deutlich mit Pestiziden, Arzneimittelrückständen und sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) belastet. Zu diesem Ergebnis kommt das Projekt „ERMES-ii Rhein“, für das Proben an 1.497 Messstellen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Elsass und bis an die Schweizer Grenze ausgewertet wurden.

Praktisch überall stießen die Forschenden auf belastende Stoffe im Grundwasser. An 59 Prozent der Messstellen wurde demnach mindestens ein Grenzwert überschritten, der für Trinkwasser gilt. Bei der Vorstellung der Studie in Straßburg wurde erneut betont, dass sich die Ergebnisse auf Grundwasser und nicht auf das aufbereitete Trinkwasser beziehen. Trinkwasser werde vor der Nutzung behandelt und nach strengen Vorgaben kontrolliert. Als Quellen der Verunreinigungen nennen die Fachleute Industrie, Landwirtschaft, Privathaushalte und das Gesundheitswesen.

Untersuchung soll Wasserqualität für kommende Generationen sichern

Die vor drei Jahren gestartete Studie soll klären, warum sich die Qualität des Grundwassers verschlechtert und auf welchen Wegen Schadstoffe ins Wasser gelangen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, eine gute Wasserqualität langfristig und für künftige Generationen zu sichern. Zudem gibt es am Oberrhein bereits seit 1991 eine regelmäßige grenzüberschreitende Bestandsaufnahme der Grundwasserqualität.

Der Oberrheingraben zählt zu den wichtigsten Grundwasserreservoirs in Westeuropa. Er reicht von Basel bis Mainz über rund 300 Kilometer und versorgt etwa fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser. Gleichzeitig gehört die Region wegen ihrer dichten Besiedlung und der intensiven Nutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Ballungsräume zu den am stärksten beanspruchten Gebieten Westeuropas.

Bei Pflanzenschutzmitteln gibt es seit 2016 leichte Fortschritte

Nach Angaben der Studie belasten Pflanzenschutzmittel das Grundwasser am Oberrhein weiterhin erheblich und teils in hoher Konzentration. Seit 2016 sei jedoch eine leichte Verbesserung erkennbar. Regional unterscheiden sich die Werte deutlich: Bestimmte Wirkstoffe wurden in deutschen Bundesländern teils früher verboten als im Elsass und in den Basler Kantonen. Dort komme es weiterhin häufiger zu Grenzwertüberschreitungen, während einzelne Pestizide in Deutschland inzwischen kaum noch nachweisbar seien.

PFAS an vielen Messstellen nachgewiesen

Die schwer abbaubaren PFAS-Chemikalien, die in vielen industriellen Anwendungen eingesetzt werden, wurden laut Untersuchung an 69 Prozent der Messstellen nachgewiesen. An neun Prozent der Stellen wurden Schwellenwerte überschritten. Besonders betroffen sind demnach die Räume Basel/Saint-Louis, Thann/Cernay, Rastatt/Baden-Baden sowie Mainz und Frankfurt. Dabei handelt es sich laut Studie um bekannte Belastungsschwerpunkte, etwa Industriegebiete oder Orte, an denen Feuerlöschschäume eingesetzt oder Klärschlämme ausgebracht wurden.

Medikamentenrückstände über Kläranlagen im Wasserkreislauf

Wie die Untersuchung weiter zeigt, gelangen über Kläranlagen Schadstoffe in Gewässer, die später auch im Grundwasser wiederzufinden sind. Dazu zählen vor allem Stoffe aus dem häuslichen Bereich wie Arzneimittel, Lebensmittelzusatzstoffe, Reinigungsmittel, Weichmacher, bestimmte Pflanzenschutzmittel und PFAS. Besonders Medikamentenrückstände würden in den meisten Anlagen nicht vollständig entfernt und könnten so nahezu ungehindert in den Wasserkreislauf gelangen.

Fachleute drängen auf weniger Schadstoffeinträge und bessere Technik

Nach Einschätzung der Studienautoren müssen problematische Stoffe möglichst schon an ihrem Ursprung reduziert werden. Dafür sei es nötig, ihren Einsatz in Landwirtschaft, Industrie und Haushalten deutlich zu verringern. Außerdem empfehlen die Fachleute, auch Ersatzstoffe stärker zu überwachen, weil diese häufig unter anderem Namen ähnliche Probleme verursachen.

Zudem sollten Kläranlagen technisch so erweitert werden, dass sie auch Schadstoffe entfernen können, die bislang nicht herausgefiltert werden. In der Schweiz wird dafür bereits seit 2016 eine vierte Reinigungsstufe eingesetzt. Für Deutschland und Frankreich schreibt eine europäische Richtlinie diese Technik schrittweise bis 2045 vor. Darüber hinaus raten die Experten, die Überwachung von Fließgewässern und Grundwasser weiter auszubauen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit bleibt zentral

Vertreter der Umweltbehörden in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sehen in den Ergebnissen eine wichtige Grundlage für konkrete Schutzmaßnahmen. Zugleich machten sie deutlich, dass Schadstoffe nicht an Landesgrenzen haltmachen. Deshalb sei eine konsequente grenzüberschreitende Zusammenarbeit entlang des Oberrheins entscheidend, um das Grundwasser wirksam zu schützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen