Nach mehr als zwei Monaten Haft in der Türkei ist der aus Ulm stammende Ferdi Soylu nach Angaben seiner Familie wieder freigekommen. Sein Bruder Sebahattin Soylu sagte, der 46-Jährige sei am Montagabend entlassen worden. Ein Ausreiseverbot gelte jedoch weiterhin. "Ihm geht es gut", erklärte der Bruder. Zunächst hatte der SWR berichtet.
Vorwürfe gegen Soylu
Ferdi Soylu war Mitte August in Ankara festgenommen worden. Nach Angaben seines Anwalts wird ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt. Die Familie vermutet, dass der Hintergrund ein früherer Kontakt zu einem Ulmer Bildungsverein sein könnte. Eine Tochter Soylus hatte dort vor etwa 14 Jahren Nachhilfe erhalten.
Die türkischen Behörden sehen den Verein FEZA in Verbindung mit der sogenannten Gülen-Bewegung, die in der Türkei als terroristische Organisation gilt. Ankara macht diese Bewegung für den gescheiterten Putschversuch von 2016 verantwortlich.
Soylu lebt seit rund 25 Jahren in Deutschland und besitzt seit mehr als zehn Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit. Er war gemeinsam mit seiner Ehefrau und den vier Töchtern zu einem Familienbesuch in die Türkei gereist. Das Auswärtige Amt hatte den Fall bestätigt und konsularische Unterstützung geleistet.
So könnte es weitergehen
Nach Angaben seines Bruders will die Familie nun rechtlich gegen das Ausreiseverbot vorgehen. Sie hofft, dass Ferdi Soylu bald nach Deutschland zurückkehren kann. Bis zu einer möglichen Gerichtsverhandlung soll er zunächst bei seinen Eltern in Bursa im Nordwesten der Türkei wohnen.
Wann es zu einem Prozess kommt, ist derzeit unklar. Eine Anklageschrift liegt nach Angaben der Familie bisher nicht vor, ebenso wenig ein Termin für eine Verhandlung. Die Angehörigen hoffen nun auf einen schnellen Fortgang des Verfahrens und auf eine baldige Rückkehr Soylus nach Ulm.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber