Neu freigegebene Aufzeichnungen aus dem Cockpit zeichnen ein genaueres Bild der letzten Augenblicke vor dem tödlichen Unfall in Miami, bei dem ein Amazon-Frachtflugzeug über das Ende der Landebahn hinausrutschte. Aus einem vorläufigen Bericht der US-Unfallermittlungsbehörde NTSB geht hervor, dass einer der beiden Piloten im Landeanflug davor warnte, die Maschine sei "zu schnell".
Dem Bericht zufolge sprach der Pilot die aus seiner Sicht zu hohe Geschwindigkeit mehrfach an. Eine eindeutige Reaktion darauf sei jedoch nicht festgehalten worden, teilte die Behörde mit, ohne weitere Details zu nennen. Nach Einschätzung von CBS News könnte die Cockpit-Zusammenfassung auf Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Crewmitgliedern hindeuten.
Die NTSB betont, dass es sich bislang nur um erste Erkenntnisse handelt. Grundlage des Zwischenberichts waren die Auswertungen der sogenannten Blackboxes, also des Cockpit-Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers. Eine vollständige Transkription der Gespräche veröffentlichte die Behörde nicht, sondern lediglich eine zusammenfassende Darstellung. Die Ermittlungen laufen weiter, die genaue Ursache des Unglücks ist bislang offen.
Was geschah in Miami?
Am Sonntagnachmittag Ortszeit schoss das Flugzeug am Flughafen von Miami im US-Bundesstaat Florida über die Landebahn hinaus und prallte anschließend mit zwei Fahrzeugen zusammen. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, weitere fünf wurden verletzt. Bei den Todesopfern handelte es sich um Insassen eines Kleinbusses einer Reinigungsfirma für Fluggesellschaften. Die Betroffenen waren zwischen 47 und 75 Jahre alt. Das Frachtflugzeug war zuvor in Puerto Rico gestartet.
Nach dem Unfall wurde der Betrieb am Flughafen Miami vorübergehend ausgesetzt. Da Florida ein stark frequentiertes Reiseziel ist und wegen eines Feiertags am Montag besonders viele Menschen unterwegs waren, hatte der Vorfall zusätzliche Auswirkungen auf den Reiseverkehr. Miami zählt zu den bedeutenden Flughäfen der USA.
Gab es einen Versuch, die Landung abzubrechen?
Kurz vor dem Aufsetzen seien im Cockpit mehrfach automatische Warnmeldungen zu hören gewesen. Nach Angaben von CNN könnten diese darauf hingedeutet haben, dass das Flugzeug zu niedrig flog. Laut NTSB verlangte einer der Piloten offenbar nach dem Aufsetzen ein "Go-around" – also ein Durchstartmanöver mit anschließendem neuem Anflug. Nur wenige Sekunden später verließ die Maschine dem Bericht zufolge das Ende der Landebahn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber