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Weltreise geplatzt: 200 Passagiere plötzlich ohne Zuhause

Traum von 7 Kontinenten platzt: Wegen explodierender Spritkosten sitzen über 200 «Odyssey»-Bewohner in Asien fest.

28.10.2026, 10:29 Uhr

Kreuzfahrt-Wohnprojekt „Odyssey“ endet vorzeitig in Kambodscha

Für viele Menschen an Bord war die „Odyssey“ in den vergangenen zwei Jahren weit mehr als nur ein Kreuzfahrtschiff – sie war ihr Zuhause. Nun ist die Reise jedoch unerwartet in Kambodscha gestoppt worden. Der US-Anbieter Villa Vie Residences hat den Betrieb wegen massiv gestiegener Treibstoffpreise ausgesetzt. Mehr als 200 Passagiere aus etwa einem Dutzend Ländern müssen das Schiff verlassen und verlieren damit vorerst ihren Wohnsitz auf See.

Wie das Unternehmen mitteilte, werde gemeinsam mit den Bewohnern an der Organisation der Ausschiffung sowie an Übergangslösungen für die Unterbringung gearbeitet. Das Geschäftsmodell von Villa Vie Residences sieht vor, langfristiges Reisen über die Weltmeere mit dem Komfort eines festen Wohnsitzes zu verbinden. Neben den Gästen waren auch mehr als 150 Crewmitglieder an Bord.

Hohe Zusatzkosten durch Krieg im Iran

Geplant war ursprünglich eine dreijährige Weltreise über alle sieben Kontinente bis Ende 2027. Nach Angaben des Unternehmens haben jedoch die Folgen des Kriegs im Iran die Treibstoffpreise in Teilen Asiens stark ansteigen lassen. Während die monatlichen Kraftstoffkosten pro Kabine früher im Schnitt bei rund 1.800 US-Dollar lagen, sollen sie zuletzt auf etwa 6.000 bis 8.000 US-Dollar gestiegen sein.

Nach Unternehmensangaben wurden bereits Maßnahmen versucht, um gegenzusteuern. So sollte die „Odyssey“ langsamer fahren und längere Aufenthalte in Häfen einlegen, um den Verbrauch zu senken. Diese Schritte reichten jedoch nicht aus, um die gestiegenen Ausgaben aufzufangen. Die daraus resultierenden Verluste seien auf Dauer nicht tragbar. Auch eine vollständige Weitergabe der Mehrkosten an die Bewohner sei laut Firma keine realistische Option gewesen.

US-Kreuzfahrtschiff in Kambodscha
Wie es für die Passagiere und Crew weitergeht, ist völlig unklar. Quelle: Heng Sinith/AP/dpa

Der autonome Hafen von Sihanoukville hatte bereits vor rund einem Monat gemeldet, dass die „Odyssey“ am 25. September erstmals dort angekommen war. Wenige Tage später verließ das Schiff den Hafen wieder und kehrte am vergangenen Freitag aus Thailand zurück. Laut Fahrplan hätte es in dieser Woche eigentlich weiter nach Vietnam gehen sollen. Berichten zufolge kamen die meisten Passagiere aus den USA, Australien und Kanada.

Teures Leben auf dem Meer

Wie aus einer Firmenbroschüre hervorgeht, kosten die Wohnkabinen und Suiten, die als dauerhafter Wohnsitz gedacht sind, umgerechnet zwischen 108.000 und 395.000 Euro. Hinzu kommen monatliche Gebühren bei Doppelbelegung von 4.500 bis 9.900 Euro.

Das Unternehmen erklärte weiter, der Schwerpunkt liege nun darauf, Bewohner, Crew und Mitarbeitende zu unterstützen. In den kommenden 60 Tagen solle an einer Umstrukturierung und Rekapitalisierung gearbeitet werden. Ob und wie es danach weitergeht, ist derzeit offen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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