Zehn Gramm weniger Brot führten zu teurer Umstellung
Weil eine Brothälfte in einer Bäckerei im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm zehn Gramm zu leicht war, musste Bäckermeister Matthias Breitner am Ende rund 15.000 Euro investieren. Nicht wegen eines Bußgelds, sondern für neue Präzisionstechnik.
Auslöser war ein Kunde, der ein halbes Brot für 2,40 Euro gekauft hatte – also zum halben Preis eines ganzen Laibs. Dieses Vorgehen sei in dem Familienbetrieb seit mehr als 60 Jahren üblich gewesen, berichtet Breitner.
Zu Hause kontrollierte der Kunde das Gewicht und reklamierte anschließend im Laden. Laut Breitner habe er darauf bestanden, für sein Geld auch die korrekte Menge zu bekommen. Als der Chef hinzukam, nahm er die Sache nach eigener Einschätzung nicht ernst genug und reagierte zu locker. Sinngemäß sagte er, manchmal gewinne man, manchmal verliere man. Heute räumt Breitner ein, dass das ein Fehler gewesen sei. Rückblickend hätte er dem Kunden lieber einfach ein Brot schenken sollen.
Kunde kündigte Konsequenzen an
Der Kunde verließ das Geschäft verärgert und kündigte Konsequenzen an. Zusätzlich sei später noch eine anonyme Beschwerde per E-Mail eingegangen. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben Breitners im September des vergangenen Jahres.
Einige Wochen danach erschien das Eichamt. Die Behörde untersagte der Bäckerei, weiterhin halbe Brote ohne genaue Verwiegung zu verkaufen. Solche Teilstücke dürfen nur mit geeichter Präzisionswaage verkauft werden, der Preis muss exakt nach dem angegebenen Kilopreis berechnet werden. Grundlage dafür ist die Fertigpackungsverordnung. Breitner sagte, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass diese Regelung bereits seit einigen Jahren gilt.
Sechs Filialen mit neuer Technik ausgestattet
Inzwischen hat der Bäcker seine sechs Standorte in Pfaffenhofen und Umgebung umgerüstet. Neun Kassen wurden mit Präzisionswaagen und neuer Technik ausgestattet. Dazu kamen Software für die Verbindung der Waagen mit den Kassensystemen, Arbeitszeit für die Umstellung und Schulungen für die Beschäftigten. Nach Angaben Breitners summieren sich die Kosten auf etwa 15.000 Euro.
Kunden ärgern sich nun über krumme Preise
Seit der Umstellung wird jedes Brot gewogen – auch ganze Laibe. Dadurch kostet ein Brot nicht mehr immer denselben festen Betrag, sondern zum Beispiel einmal 4,78 Euro und ein anderes Mal 4,83 Euro. Laut Breitner sorgt das vor allem beim Barverkauf für viele Ein- und Zwei-Cent-Münzen in der Kasse.
Einige Kundinnen und Kunden hätten bereits gefragt, ob sie nicht weiter den früheren Pauschalpreis zahlen könnten. Nach den Erfahrungen mit der Beschwerde komme das für ihn jedoch nicht mehr infrage.
Ob der Kunde, der alles ins Rollen brachte, mit dem Ergebnis zufrieden ist, weiß Breitner nicht. Nach seiner Reklamation sei er jedenfalls nicht mehr in der Bäckerei erschienen.
Auch eine andere Bäckerei im Ort reagierte zunächst mit einem Verkaufsstopp für halbe Brote und verkaufte zeitweise nur noch ganze Laibe. Inzwischen wurden dort ebenfalls neue Waagen eingeführt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber