Angeklagter schweigt auch zum Neustart im Fall der verschwundenen Prostituierten
Vor dem Landgericht Bamberg hat die Neuauflage des Prozesses um eine verschwundene 33-jährige Prostituierte aus Oberfranken begonnen. Auch am ersten Verhandlungstag machte der heute 75 Jahre alte Angeklagte keine Angaben. Bereits im ersten Verfahren hatte er geschwiegen.
Der Mann war im vergangenen Jahr wegen Totschlags verurteilt worden. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof jedoch wieder auf. Nun beschäftigt sich eine andere Strafkammer des Landgerichts mit dem Fall. Zahlreiche Verhandlungstage sind zunächst bis zum 15. Januar angesetzt, das Verfahren dürfte sich aber bis ins kommende Jahr ziehen.
Eine Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Dennoch ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass der Angeklagte die damals 33-Jährige im Sommer 2024 auf seinem Grundstück bei Eggolsheim im Landkreis Forchheim getötet und den Leichnam anschließend an einen unbekannten Ort gebracht hat.
Nach Darstellung der Anklage hatten sich die Frau und der Mann in einem Saunaclub kennengelernt und später eine Beziehung begonnen. Der 75-Jährige soll an eine gemeinsame Zukunft in Bulgarien geglaubt und deshalb große Teile seines Grundbesitzes im Landkreis Forchheim verkauft haben. Demnach soll auch bereits Geld an die Frau geflossen sein.
Als die 33-Jährige ihm laut Staatsanwaltschaft eröffnet habe, dass sie alleine nach Bulgarien gehen wolle, sollen die gemeinsamen Zukunftspläne des Mannes geplatzt sein. Aus Wut darüber und weil er diese Zurückweisung nicht habe hinnehmen wollen, soll er den Entschluss gefasst haben, die Frau zu töten.
Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aufgehoben, weil aus seiner Sicht andere mögliche Erklärungen für das Verschwinden der Frau nicht ausreichend geprüft worden waren. Außerdem müsse auch ernsthaft in Betracht gezogen werden, dass ein anderer Täter verantwortlich sein könnte.
Auch nach dem Auftakt des neuen Prozesses bleibt der Fall damit rätselhaft. Der Angeklagte erschien aus der Untersuchungshaft im Gerichtssaal und wirkte zu Beginn des Verfahrens nach Beobachtung vor Ort ruhig und gelassen, äußerte sich zur Sache aber erneut nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber