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Venezuela: Retter finden immer neue Überlebende

Kaum zu glauben: Tage nach dem Horror-Beben in Venezuela ziehen Retter noch immer Überlebende lebend aus den Trümmern.

30.06.2026, 10:28 Uhr

Knapp eine Woche nach den schweren Erdbeben in Venezuela wächst unter Angehörigen von Vermissten die Verzweiflung. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf mindestens 1.943 gestiegen, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Zudem wurden demnach mehr als 10.500 Menschen verletzt. Vor allem in der schwer betroffenen Region La Guaira fehlt von rund 10.000 Menschen weiter jede Spur.

Nach Angaben der Behörden hielten sich allein in den beiden Städten Catia La Mar und Caraballeda zum Zeitpunkt der Beben der Stärken 7,2 und 7,5 am Mittwochabend Ortszeit etwa 30.000 Menschen auf. Rund 13.500 hätten sich selbst in Sicherheit bringen können, weitere 6.400 seien in den Tagen danach von Rettungskräften geborgen worden, sagte Rodríguez. Zu den rund 10.000 Vermissten machte er keine näheren Angaben.

Kaum noch Hoffnung auf weitere Überlebende

Gleichzeitig schwindet die Hoffnung, noch viele Menschen lebend in den Trümmern zu finden. Rund 855 Gebäude wurden nach offiziellen Angaben vollständig zerstört oder schwer beschädigt. Einsatzkräfte aus Venezuela und zahlreichen anderen Ländern suchen weiter unter eingestürzten Häusern und Gebäuden nach Verschütteten. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS geht davon aus, dass die Zahl der Todesopfer im schlimmsten Fall noch in die Zehntausende steigen könnte.

Dennoch gibt es weiter einzelne Hoffnungsschimmer. Laut einem Beitrag der jordanischen Polizei auf X wurde in der Hauptstadt Caracas nach sechs Tagen ein dreijähriges Kind von einem Team aus Jordanien lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes gezogen.

Auch in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) gelang eine weitere Rettung: Ein Team aus El Salvador erreichte in den Trümmern eines Einkaufszentrums in der Küstenstadt Maiquetía einen 44-jährigen Mann. Nach Angaben von Präsident Nayib Bukele war der Verschüttete während der Bergung über einen Schlauch mit Wasser versorgt worden.

Bereits zuvor hatte die Feuerwehr aus Quito eine weitere Rettung aus dem Katastrophengebiet gemeldet: Ein 12-jähriger Junge wurde lebend gefunden. Die Einsatzkräfte betonten auf der Plattform X, selbst Tage nach dem Beben seien Lebenszeichen der wichtigste Antrieb für die Helfer. Solange Hoffnung bestehe, werde weitergesucht.

Hund „Giselle“ ebenfalls aus Trümmern gerettet

Zu den Geretteten zählt laut Bukele auch der Hund „Giselle“. Das Tier wurde demnach in Caraballeda nach einem rund fünfstündigen Einsatz aus den Trümmern befreit. In einem veröffentlichten Video ist zu sehen, wie der Hund im Arm seines Retters liegt und ihm aufgeregt das Gesicht leckt. Eine unabhängige Bestätigung der Rettungsberichte lag zunächst nicht vor.

Verzweiflung und Wut wachsen

Videos aus den betroffenen Gebieten zeigen wütende Menschen, die von den Behörden ein entschlosseneres Vorgehen fordern. Viele fürchten zudem Plünderungen in beschädigten Wohnhäusern, wie die Zeitung El Nacional berichtet.

In besonders schwer getroffenen Orten wie Tanaguarena im Bundesstaat La Guaira entlädt sich die Wut vieler Familien öffentlich. In einem von der venezolanischen Journalistin Maryorin Méndez verbreiteten Video ruft ein Mann verzweifelt, er wolle seine Kinder zurückhaben – lebend oder tot –, aber nicht, dass sie in einem Massengrab landeten.

Ein weiteres Video zeigt laut der Journalistin, wie ein Mann bewaffnete Soldaten, die in dem Gebiet patrouillierten, aufforderte, selbst mit Spitzhacken und Schaufeln bei der Räumung der Trümmer zu helfen. Demnach hätten die Soldaten anschließend damit begonnen, Schutt zu beseitigen.

Kritik an Delcy Rodríguez

Auch die Kritik an der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez nimmt zu. Bereits am Freitag war sie bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden. Am Sonntag sorgte dann ein in sozialen Netzwerken kritisiertes, aus Sicht vieler Menschen zu protokollarisches Treffen mit internationalen Rettungsteams mitten in der akuten Krisenphase für neuen Unmut.

Schon vor der Katastrophe in tiefer Krise

Venezuela befand sich bereits vor den Erdbeben in einer äußerst schwierigen Lage. Das Land leidet seit Jahren unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen weltweit. Im Januar hatten die USA einen Militäreinsatz in Venezuela durchgeführt, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Rodríguez war zuvor Vizepräsidentin in seiner Regierung.

Rettungskräfte aus Venezuela und mehreren anderen Ländern setzen die Suche nach Verschütteten in eingestürzten Gebäuden fort.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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