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Traditionelle Rollenbilder zwischen den Geschlechtern beeinflussen den Arbeitsmarkt in Bayern

Die Tochter entscheidet sich für den Beruf der medizinischen Fachangestellten, der Sohn wird Metallbauer – was wie ein überholtes Rollenbild wirkt, ist in Bayern weiterhin häufig Realität. Auch in Spitzenpositionen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

22.04.2026, 11:59 Uhr

Klassische Muster bleiben auf dem bayerischen Arbeitsmarkt sichtbar

Auf dem Arbeitsmarkt in Bayern sind traditionelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern weiterhin deutlich erkennbar. Das geht aus den Ergebnissen des Mikrozensus 2025 hervor, wie das Statistische Landesamt in Fürth mitteilte. Frauen arbeiten demnach nach wie vor vor allem in Sozial- und Gesundheitsberufen, Männer dagegen deutlich häufiger in fertigungstechnischen Tätigkeiten.

Auch in leitenden Funktionen bleibt das Ungleichgewicht bestehen: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen lag im vergangenen Jahr bei 29 Prozent und damit klar unter einem Drittel. Innerhalb von zehn Jahren stieg dieser Wert lediglich um zwei Prozentpunkte.

Frauen vor allem in Gesundheits-, Sozial- und Organisationsberufen

Frauen sind in Bayern besonders häufig in Gesundheitsberufen, in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen sowie in Berufen der Unternehmensführung und -organisation tätig. In all diesen Bereichen liegt ihr Anteil bei mehr als 60 Prozent. Im Gesundheitswesen sind sogar 78 Prozent der Beschäftigten weiblich.

Männer arbeiten dagegen besonders oft in fertigungstechnischen Berufen, im Verkehr und in der Logistik sowie im Bau- und Ausbaugewerbe. In diesen Berufsfeldern stellen sie jeweils mehr als drei Viertel der Beschäftigten. In fertigungstechnischen Berufen liegt ihr Anteil bei 84 Prozent, im Bau- und Ausbaugewerbe sogar bei 90 Prozent.

In der Führung dominieren Männer weiter

Auch bei den Führungspositionen zeigt sich ein klares Gefälle. Von den rund 775.000 Menschen in Bayern, die Verantwortung für Personal, Budget oder strategische Entscheidungen tragen, sind 71 Prozent Männer und 29 Prozent Frauen.

Mehr Frauen als Männer an der Spitze gibt es lediglich in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen sowie in Gesundheitsberufen. In vielen anderen Bereichen, in denen Frauen den Großteil der Belegschaft stellen, sind die Chefetagen dennoch mehrheitlich männlich. So sind in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen, im Handel sowie in der Unternehmensführung und -organisation jeweils mehr als 60 Prozent der Führungskräfte Männer. Teilweise ist der Frauenanteil in diesen Bereichen im Vergleich zu vor zehn Jahren sogar gesunken.

In fertigungstechnischen Berufen, klassischen Fertigungsberufen sowie im Bau- und Ausbaugewerbe, in denen ohnehin überwiegend Männer arbeiten, liegt auch der Männeranteil in Führungsfunktionen bei 90 Prozent oder mehr.

Warum die Frauenquote an der Spitze kaum steigt

Nach Einschätzung der Arbeitsmarktforscherin Susanne Kohaut vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gibt es mehrere Gründe für den stagnierenden Frauenanteil in Führungspositionen. Ein zentraler Faktor sei das weiterhin traditionelle Rollenverständnis, besonders in Westdeutschland und damit auch in Bayern: Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen blieben häufig vor allem an Frauen hängen, was Karrieren ausbremse.

Hinzu kommt laut Kohaut, dass die Phase der Familiengründung oft mit dem Abschnitt zusammenfällt, in dem berufliche Laufbahnen besonders schnell voranschreiten. Viele Frauen arbeiten wegen familiärer Verpflichtungen zudem in Teilzeit. Das erschwere es, sich für Führungsaufgaben zu empfehlen – auch weil es nach wie vor nur wenige Leitungsstellen mit Teilzeitoption gibt.

Als weitere Ursachen nennt Kohaut verbreitete stereotype Vorstellungen über Geschlechterrollen. Frauen würden noch immer eher empathische und fürsorgliche Eigenschaften zugeschrieben, während Führungsstärke häufiger mit männlich konnotierten Merkmalen wie Durchsetzungsvermögen verbunden werde. Zudem seien Männer auf den oberen Ebenen oft besser vernetzt – etwa in informellen "Boys Clubs".

Bewegung zeigt sich nur in einzelnen Bereichen

Eine auffällige Entwicklung gibt es in IT- und naturwissenschaftlichen Berufen: Dort sank der Anteil männlicher Führungskräfte innerhalb von zehn Jahren von 87 auf 78 Prozent. In diesen Branchen ist inzwischen rund ein Viertel der Beschäftigten weiblich.

Insgesamt waren 2025 rund 7,2 Millionen Menschen in Bayern erwerbstätig. Besonders viele arbeiteten in fertigungstechnischen Berufen, in der Unternehmensführung und -organisation, in unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen sowie im Gesundheitswesen. Dahinter folgten soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe, der Handel sowie Verkehr und Logistik.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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