In Italien können Autofahrer seit Montag einen Teil ihrer Maut zurückfordern, wenn sie auf gebührenpflichtigen Autobahnen wegen Baustellen deutlich länger unterwegs sind als normalerweise. Die Regelung gilt damit noch vor dem Start der großen Sommerreisewelle. Wird die übliche Fahrzeit klar überschritten, müssen die Betreiber je nach Verzögerung einen Teil oder sogar die gesamte Maut erstatten.
Gerade für viele deutsche Urlauber ist das relevant: Jedes Jahr fahren zahlreiche Reisende über Italiens Autobahnen nach Südtirol, in die Toskana oder weiter in den Süden. Wer allerdings aus dem Ausland kommt, hat es bei der Rückforderung nicht gerade leicht.
Erstattung über App beantragen
Beantragt werden soll die Entschädigung über eine App, an die die Betreiber der privaten italienischen Autobahnen angeschlossen sind. Bereits auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern kann es eine Rückzahlung geben, wenn die Fahrt mindestens zehn Minuten länger dauert als üblich. Auf längeren Abschnitten steigt die notwendige Verspätung entsprechend an. Liegt der Zeitverlust bei mehr als zwei Stunden, wird nach den Vorgaben der Verkehrsbehörde in der Regel die komplette Maut zurückgezahlt.
Ausländische Fahrer brauchen eine italienische Steuernummer
Grundsätzlich gilt die neue Regelung auch für Menschen aus dem Ausland. Für die Registrierung in der App wird jedoch eine italienische Steuernummer benötigt. Diese können zwar auch Nicht-Italiener bekommen, das Verfahren gilt aber als umständlich. Unterstützung könnten etwa die deutsche Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft in Berlin bieten. Der ADAC kritisiert, Italien gehöre ohnehin zu den Ländern mit den höchsten Autobahnkosten Europas, außerdem sei das System unnötig kompliziert.

Eine Auszahlung erfolgt nur, wenn der Erstattungsbetrag über einem Euro liegt. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l’Italia nennt als Beispiel: Wer auf einer 90-Kilometer-Strecke wegen einer Baustelle 40 Minuten länger braucht als üblich, soll 75 Prozent der Maut zurückbekommen. Bei einer Verzögerung von einer Stunde würde die Gebühr vollständig erstattet. Keine Rückzahlung ist vorgesehen bei Notfall-Baustellen, Unfällen oder wetterbedingten Behinderungen. Das neue Verfahren soll bis Dezember vollständig funktionieren.
Verbraucherschützer äußern Zweifel
Vorangetrieben wurde die Neuregelung von der rechten Regierung in Rom. Verkehrsminister Matteo Salvini spricht von einem Wendepunkt bei der Durchsetzung der Rechte von Autofahrern. Italiens Verbraucherschützer sehen das deutlich skeptischer. Sie bezweifeln, dass das Modell in der Praxis reibungslos funktioniert, und kritisieren, dass es weiterhin lange keine wirksamen Sanktionen gegen Betreiber geben werde, die schlechten Service bieten. Zudem befürchten sie, dass Unternehmen die Kosten für Erstattungen später über höhere Mautgebühren wieder hereinholen könnten.
Hohe Maut im europäischen Vergleich
Italien verfügt insgesamt über rund 7.000 Kilometer Autobahn. Anders als in Deutschland ist die Nutzung dort auf dem größten Teil des Netzes kostenpflichtig. Nach Angaben von Verbraucherschutzorganisationen zählen Italien und Frankreich zu den teuersten Ländern Europas: Im Schnitt fallen pro gefahrenem Kilometer zwischen sieben und neun Cent an. Andere Staaten wie Österreich oder die Schweiz setzen dagegen auf Vignetten, also zeitlich begrenzte Pauschalen.
Italien verweist auf älteste Autobahn der Welt
Außerdem reklamiert Italien für sich, die älteste Autobahn der Welt zu besitzen. Die rund 50 Kilometer lange Verbindung zwischen Mailand und Varese wurde bereits 1924 eröffnet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion