Prozess in Ansbach nach Schüssen auf Polizeifahrzeuge
Vor dem Landgericht Ansbach müssen sich ab Montag zwei Männer aus der Türkei verantworten, denen die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft. Die beiden sollen im Zuge einer spektakulären Flucht in Mittelfranken mehrfach auf Polizeibeamte geschossen haben. Wegen der Schwere der Vorwürfe beginnt das Verfahren unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen.
Nach Angaben der Anklagebehörde sollen die Beschuldigten Verbindungen zu zwei kriminellen Gruppen haben. Eine davon werde als Untergruppe der sogenannten "Daltons" eingeordnet, die andere soll mit dieser kooperieren. Die "Daltons" gelten als besonders gewaltbereit und sollen auch junge Menschen über das Internet anwerben. In Berlin geht inzwischen eine Spezialeinheit gegen diese und weitere Banden vor, die dort in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt sein sollen.
Den Ermittlungen zufolge hatten die damals 23 und 24 Jahre alten Männer im Januar gemeinsam mit einem weiteren Beteiligten eine Ferienunterkunft nahe dem Brombachsee angemietet. Von dort aus sollen sie Haschisch verkauft haben. Weil die Polizei die Gruppe im Rahmen eines anderen Verfahrens bereits beobachtete, stellten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft fest, dass die Männer mindestens zwei Schusswaffen bei sich hatten. In der Wohnung habe sich damals außerdem der Anführer der "Daltons"-Untergruppe aufgehalten, gegen den ein europäischer Haftbefehl bestanden habe.
Ein Spezialeinsatzkommando sollte die Unterkunft in Absberg im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen durchsuchen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bemerkten die beiden Verdächtigen jedoch den Zugriff und flüchteten mit einem Auto. Der 23-Jährige soll dabei mit dem Wagen ein ziviles Polizeiauto gerammt haben, das die Straße versperrte. Anschließend nahmen zwei zivile Streifenwagen die Verfolgung auf.

Während der rund 20 Kilometer langen Flucht soll der 24-Jährige vom Beifahrersitz aus mindestens sechs Schüsse auf die Polizeifahrzeuge abgegeben haben. Ihr Ende fand die Fahrt schließlich in Weißenburg, wo das Fluchtauto mit einem anderen Wagen kollidierte. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollten die Schüsse auch dazu dienen, dem Anführer der Gruppierung die Flucht zu ermöglichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber