Bei dem verheerenden Brand in einem Lokal in Bangkok sind nach Behördenangaben mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien neun Männer und 18 Frauen. Zudem wurden 71 Menschen verletzt, mehr als 20 von ihnen schwer. Auch der Besitzer des Pubs soll zu den Schwerverletzten gehören. Berichten zufolge werden außerdem noch weitere Menschen vermisst, die sich möglicherweise in dem Lokal aufgehalten hatten.
Das Feuer war in der Nacht zum Montag gegen Mitternacht Ortszeit im Pub Rong Beer Na Ladprao im Stadtteil Chatuchak ausgebrochen, unweit des bei Touristen beliebten Chatuchak-Wochenendmarktes. Das einstöckige Lokal mit einer Fläche von rund 160 Quadratmetern ist für Livemusik bekannt. Einsatzkräfte brachten die Flammen erst nach knapp einer Dreiviertelstunde unter Kontrolle.
Viele Opfer starben an Rauchvergiftungen
Nach Angaben der Behörden starben viele Menschen an schweren Rauchvergiftungen; weitere erlitten Verbrennungen. Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt sagte, das Feuer habe sich auch deshalb so schnell ausgebreitet, weil im Innenraum leicht entflammbare Decken- und Dekorationsmaterialien verbaut gewesen seien. Ministerpräsident Anutin Charnvirakul sprach ebenfalls von zahlreichen Opfern mit schwerer Rauchgasvergiftung.
Am Morgen nach der Katastrophe bot sich vor dem Pub ein Bild der Verwüstung: zersprungene Fensterscheiben, scharf aus den Rahmen ragende Glassplitter, verkohlte Instrumente, ein Mischpult, mehrere Feuerlöscher und zurückgelassene Plastiksandalen lagen vor und in dem Gebäude. Im Inneren waren unter anderem ein verbranntes Schlagzeug und vom Löschschaum weiß überzogene Flaschen zu sehen. Noch in der Nacht waren vor dem Eingang die Leichen der Opfer, mit weißen Tüchern bedeckt, nebeneinander abgelegt worden.
Suche nach der Brandursache läuft
Zur Ursache der Katastrophe wird weiter ermittelt. Nach Angaben des Gouverneurs prüfen die Behörden unter anderem, ob Notausgänge versperrt waren und ob das Lokal die Brandschutzauflagen erfüllt hat. Polizisten und Forensiker sicherten am Montag mit Gesichtsmasken Spuren in dem ausgebrannten Gebäude. Ein Feuerwehrmann erklärte zudem, der Rauchgeruch liege zwar weiter in der Luft, eine akute Gefahr gehe davon aber nicht mehr aus.
Nach Schilderungen von Musikern, die am Sonntagabend dort aufgetreten waren, soll zunächst Rauch aus einem Sicherungskasten nahe der Bühne aufgestiegen sein. Kurz darauf sei der Strom ausgefallen, dann habe es eine Explosion gegeben. Der Katastrophenschutz hält inzwischen auch einen Kurzschluss in einer Klimaanlage an der Decke für eine mögliche Ursache.
Flucht Richtung Toiletten wurde zur Falle
Sicher ist nach bisherigen Erkenntnissen, dass sich dichter Qualm und Flammen innerhalb von Sekunden im Lokal ausbreiteten. Viele Gäste flüchteten offenbar in Panik in den hinteren Teil des Gebäudes in Richtung der Toiletten. Dort habe es keinen Fluchtweg gegeben. Später wurden dort die meisten Opfer gefunden.
Nach Angaben des Gouverneurs brachen in diesem Bereich mehrere Menschen zusammen und blockierten dadurch weiteren Gästen den Fluchtweg. Andere Besucher rannten schreiend durch die Vordertür ins Freie, während bereits gewaltige Flammen aus dem Eingangsbereich schlugen. Berichten zufolge kam auch mindestens ein Mitglied der Live-Band ums Leben.
Gebäude vollständig ausgebrannt
Nachdem der Brand unter Kontrolle gebracht worden war, blieb ein vollständig ausgebranntes Lokal zurück – mit verkohlten Tischen und Stühlen, stark verrußten Wänden und zerborstenen Fenstern. Die Behörden sperrten das Areal mit roten Bändern ab. Angehörige wurden aufgefordert, sich zu melden und DNA-Proben abzugeben, damit Opfer identifiziert werden können. Berichten zufolge konnte zunächst nur die Identität von zehn Toten zweifelsfrei festgestellt werden.
Ob sich unter den Opfern auch Ausländer oder Touristen befinden, blieb zunächst unklar. Die Gegend gilt wegen des riesigen Wochenendmarktes als beliebt bei Besuchern aus aller Welt.
Räucherstäbchen statt Blumen
Am Unglücksort selbst blieb es am Montag vergleichsweise still. Zahlreiche Reporter versammelten sich vor dem Pub, doch größere Menschenmengen oder öffentliche Trauerbekundungen blieben aus. In einem nahe gelegenen Schrein zündeten mehrere Frauen Räucherstäbchen an und beteten für die Opfer.
Nur wenige Meter entfernt lief der Alltag bereits wieder an: Garküchen und Streetfood-Stände öffneten, und im benachbarten Einkaufszentrum Union Mall waren wieder viele Menschen unterwegs. An die Tragödie erinnerten vor allem die Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr – und der beißende Geruch von verbranntem Plastik und Holz, der weiter in der Luft lag.
Erinnerungen an frühere Brandkatastrophen
Das Unglück weckt in Thailand Erinnerungen an mehrere schwere Brände in Unterhaltungsstätten. 2009 starben bei einer Silvesterfeier im Club Santika im Stadtteil Ekkamai 67 Menschen, zahlreiche weitere wurden verletzt. Damals hatten Funken eines Feuerwerks während einer Bühnenshow den Brand ausgelöst.
Auch an das Feuer im Mountain-B-Club in der Provinz Chonburi im Jahr 2022 werden nun Erinnerungen wach. Bei dem Brand in dem Nachtclub, rund 150 Kilometer südöstlich von Bangkok, kamen mehr als 20 Menschen ums Leben. Auch dort hatten sich die Flammen wegen leicht entflammbaren Schalldämmmaterials besonders schnell ausgebreitet.
Nach Angaben aus Pattaya ordnete Bürgermeister Poramet Ngampichet als Reaktion auf die Katastrophe umfassende Sicherheitsinspektionen aller Unterhaltungsbetriebe in der Touristenstadt an. Er erklärte, der Vorfall habe die gesamte thailändische Nation tief erschüttert. In Berichten wurde zudem an eine Brandkatastrophe bei einer Silvesterfeier im schweizerischen Crans-Montana erinnert, bei der vor rund sechseinhalb Monaten 41 Menschen ums Leben gekommen sein sollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber