Im neu aufgerollten Prozess um den gewaltsamen Tod eines Mädchens in Unterfranken vor mehr als 32 Jahren wird eine Schöffin ersetzt. Wie eine Sprecherin des Landgerichts Würzburg mitteilte, wurde ein entsprechender Ablehnungsantrag des Angeklagten als begründet angesehen. Ihren Platz übernimmt nun die Ersatzschöffin, die seit Beginn der Hauptverhandlung anwesend ist.
Ein Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen zwei Richter der Kammer blieb dagegen ohne Erfolg. Das Gericht stufte ihn als unbegründet ein. Die Verhandlung soll am 6. August fortgesetzt werden.
Tod auf einem Reiterhof
Dem heute 49 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, die 13-jährige Schülerin Sabine aus sexuellen Motiven getötet zu haben. Das Mädchen starb am 15. Dezember 1993 auf einem abgelegenen Reiterhof im Karlstadter Ortsteil Wiesenfeld im Landkreis Main-Spessart.
Zum Prozessbeginn Mitte Mai hatte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert. Da er zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war, findet das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Die Anklage gegen den Deutschen wurde bereits im Dezember 2021 erhoben. Im vergangenen Herbst hatte der Bundesgerichtshof das frühere Urteil des Landgerichts aufgehoben. Damals war der Mann wegen Mordes zu sechseinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Deshalb muss der Fall nun erneut verhandelt werden.
Verwandte der Schöffin spielte offenbar eine Rolle
Nach Gerichtsangaben soll eine enge Verwandte der nun ersetzten Schöffin in der Vergangenheit versucht haben, in dem Fall Einfluss zu nehmen. Nähere Einzelheiten wurden dazu nicht bekannt.
Im abgelehnten Befangenheitsantrag gegen zwei Richter hatte die Verteidigung zudem kritisiert, dass nicht von Beginn an offengelegt worden sei, dass die Schöffin bis 1976 in Wiesenfeld lebte. Die Tat, um die es in dem Verfahren geht, geschah dort allerdings erst 1993.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber