Helfer in Schutzanzügen stehen bis zum Bauch im Wasser, während andere den massigen Körper des Buckelwals immer wieder mit nassen Tüchern kühlen. Auch am zweiten Tag läuft die privat organisierte Rettungsaktion für den vor der Ostsee-Insel Poel festsitzenden Meeressäuger mit großem Einsatz weiter.
Am Nachmittag wurde eine große Palette mit Plane in den Hafen von Kirchdorf gebracht. Nach Angaben der Initiative soll der Wal später auf dieser Plane transportiert werden. Wann genau das geschehen kann, blieb zunächst offen. Eine Mitarbeiterin des Teams erklärte, der weitere Ablauf hänge vom Zustand des Tieres ab.
Schwimmgerät in Position beim Wal
Ein Schwimmbagger verließ zur Mittagszeit den Hafen von Kirchdorf und nahm am frühen Nachmittag in der Nähe des Wals Stellung. Das Tier liegt in einer Bucht vor der Insel. Noch im Laufe des Nachmittags könnte damit begonnen werden, den Wal freizuspülen.
Am Morgen hatte das Tier auf einen näher kommenden Taucher mit starken Bewegungen reagiert. In Livestreams war zu sehen, wie der Buckelwal kräftig mit der Schwanzflosse schlug und sich fast um 90 Grad drehte. Nach kurzer Zeit beruhigte er sich wieder und blieb regungslos im Wasser liegen. Später fuhren Helfer erneut mit einem Boot hinaus und legten frische nasse Tücher auf den Rücken des Wals.
Auch Mitarbeiter des Umweltministeriums sowie des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie waren am Vormittag mit einem Polizeischlauchboot vor Ort.
Interesse von Publikum und Medien groß
Bereits am Vormittag liefen im Hafen von Kirchdorf die Vorbereitungen für den neuen Rettungsversuch. An der Kaimauer richteten Helfer eine große Arbeitsplattform ein. Dort standen unter anderem Schläuche, eine Pumpe, ein mobiler Kran und weiteres Arbeitsmaterial bereit. Mehrere kleine Schwimmpontons lagen ebenfalls schon an Land.
Neben mehreren Kamerateams verfolgten zeitweise auch etwa 30 Schaulustige die Arbeiten im Hafen.
Tier steckt seit mehr als zwei Wochen fest
Der geschwächte Buckelwal liegt inzwischen seit 18 Tagen nahezu unverändert in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.
Nach eingehender Prüfung waren Wissenschaftler, Behördenfachleute und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass das Tier vor allem Ruhe brauche. Weitere Eingriffe könnten ihm demnach erhebliche Schäden zufügen. Nach ihrer Einschätzung ist der Wal desorientiert, stark geschwächt und so beeinträchtigt, dass er eine Rückkehr in sein eigentliches Lebensgebiet wohl nicht schaffen würde.
Leiterin eines Robbenzentrums sieht Hoffnung
Das Team der privaten Rettungsinitiative zeigte sich am Freitag dennoch zuversichtlich. Janine Bahr-van Gemmert, Kleintierärztin und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, sagte in Kirchdorf, der Wal habe durchaus eine reale Chance, aus seiner Lage befreit zu werden. Ziel sei es, dem Tier möglichst stressfrei zu helfen.
Die heftigen Bewegungen des Wals am Morgen wertete sie positiv. Dass er sich beim Drehen regelrecht gewälzt habe, spreche aus ihrer Sicht dafür, dass keine schwerwiegenden Verletzungen vorlägen. Außerdem zeige das Tier damit, dass es sich bewegen wolle. Zugleich betonte sie, dass der aktuelle Ort für den Wal völlig ungeeignet sei und er dort nicht in Ruhe sterben könne.
Verzögerung bei der Aktion
Der private Rettungsversuch verzögert sich allerdings. Walter Gunz, Mitgründer von MediaMarkt und gemeinsam mit Unternehmerin Karin Walter-Mommert Finanzier der Aktion, sagte, man liege etwa einen Tag hinter dem Zeitplan.
Ein Teil der am Donnerstag vorgesehenen Arbeiten habe am ersten Tag nicht umgesetzt werden können. Damit sei der ursprüngliche Ablaufplan wohl nicht mehr einzuhalten.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte bei der Vorstellung der privaten Initiative am Mittwoch noch erklärt, der Wal solle am Donnerstag freigespült werden und sich am Freitag auf den Weg Richtung Atlantik machen können.
Geplant ist, den Buckelwal auf einer Plane zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee zu transportieren. Dafür muss die Plane zunächst unter den Körper gebracht werden. Vorgesehen ist, den Wal mithilfe von Luftkissen anzuheben. Zuvor muss allerdings der Schlick um das Tier entfernt werden. Anschließend sollen die Pontons von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion