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Portugal-Schock: Mutter verlassener Kinder in U-Haft

Nach der Aussetzung in Portugal: Mutter und Stiefvater in U-Haft – und die zwei kleinen Brüder sind jetzt in Pflege.

23.05.2026, 14:19 Uhr

Untersuchungshaft für Mutter und Stiefvater nach mutmaßlicher Aussetzung zweier Kinder in Portugal

Im Fall zweier französischer Kleinkinder, die in Portugal mutmaßlich ausgesetzt wurden, hat ein Richter nach übereinstimmenden Medienberichten Untersuchungshaft gegen die Mutter und den Stiefvater verhängt. Richter António Fialho vom Gericht in Setúbal soll erklärt haben, dass gegen die beiden Franzosen ein dringender Verdacht wegen schwerer Körperverletzung und Aussetzung von Minderjährigen bestehe. Das Paar stammt aus Colmar im Elsass, unweit der deutschen Grenze.

Die 41 Jahre alte Mutter und ihr 55-jähriger Partner stehen im Verdacht, die drei und fünf Jahre alten Brüder am Dienstag an einer einsamen Straße bei Alcácer do Sal südöstlich von Lissabon zurückgelassen zu haben. Ein vorbeifahrender Autofahrer entdeckte die weinenden und orientierungslosen Kinder, kümmerte sich um sie und alarmierte die Polizei. Nach einer landesweiten Fahndung wurden die beiden Verdächtigen am Donnerstag festgenommen.

Nach Angaben mehrerer portugiesischer Medien leben die Jungen inzwischen bei einer französischsprachigen Pflegefamilie. Dort sollen sie bleiben, bis über einen französischen Antrag auf Rückführung entschieden worden ist. Der leibliche Vater soll bereits auf dem Weg nach Portugal sein.

Berichte über angebliche Strategie vor Gericht

Der staatliche Sender RTP und die Zeitung Correio da Manhã berichteten unter Berufung auf Quellen aus der Nationalgarde GNR, Mutter und Stiefvater hätten während eines Gefangenentransports besprochen, vor Gericht psychische Probleme vorzubringen. Ein Beamter, der die beiden auf der Fahrt am Freitag bewacht habe, soll das Gespräch mitgehört haben. Während die Mutter vor Gericht demnach keine Aussage gemacht habe, habe sich der Stiefvater kooperativer gezeigt. Eine offizielle Stellungnahme des Gerichts in Setúbal dazu gab es zunächst nicht.

Lissabon
Die Kinder wurden südöstlich von Lissabon gefunden. (Symbolbild) Quelle: Armando Franca/AP/dpa

Angaben zu den Beschuldigten

Im Internet tritt die Mutter laut Berichten als Sex-Therapeutin auf. Beim Stiefvater soll es sich portugiesischen Medien zufolge um einen ehemaligen französischen Polizisten handeln, der wegen Depressionen den Dienst verlassen habe. RTP meldete zudem, er sei bereits 2010 wegen häuslicher Gewalt gegen seine erste Ehefrau verurteilt worden. Kennengelernt haben soll die Mutter ihn erst vor wenigen Monaten.

Die französische Zeitung Le Parisien schrieb, der frühere Gendarm sei damals wegen Belästigung und Gewalt gegen die Mutter seiner Tochter zu neun Monaten Haft auf Bewährung mit einer zweijährigen Bewährungsfrist verurteilt worden. Außerdem habe er auf Facebook verschwörungsideologische und antisemitische Inhalte verbreitet.

Europäische Haftbefehle aus Frankreich

Wie GNR-Sprecher Oberstleutnant Carlos Canatário im Interview mit RTP sagte, liegen gegen die beiden auch zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich vor. Diese stünden im Zusammenhang mit Kindesentzug sowie der Vernachlässigung eines weiteren, 16-jährigen Sohnes der Mutter.

Deshalb müssen die beiden demnach zusätzlich vor einem Berufungsgericht erscheinen, das über solche internationalen Ersuchen entscheidet. Auch dort könnte Haft angeordnet werden. Bei polizeilichen Vernehmungen hätten sich die Verdächtigen bisher nicht kooperativ gezeigt, sagte Canatário, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Mutter soll Kinder aus Frankreich mitgenommen haben

Nach Informationen der französischen Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace unter Berufung auf den Staatsanwalt von Colmar, Jean Richert, hatte bislang die Mutter das Sorgerecht, während dem Vater ein Besuchsrecht zustand. Der Vater habe die Mutter und die beiden Kinder in Colmar als vermisst gemeldet. Bereits dort war Sorge aufgekommen, weil die Brüder nicht mehr im Kindergarten erschienen waren.

In Frankreich wurde laut Le Parisien inzwischen ebenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Aussetzung Minderjähriger.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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