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Mordfall Fabian: Zeugen sahen Angeklagte an der Leiche

Brisante Wende im Fall Fabian: War die Angeklagte schon zweimal am Fundort, bevor sie die Polizei alarmierte?

16.06.2026, 10:52 Uhr

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian hat ein weiterer Zeuge die wegen Mordes angeklagte Frau schwer belastet. Nach seiner Aussage war sie bereits einen Tag vor dem offiziellen Auffinden der Kinderleiche am späteren Fundort. Vor dem Landgericht Rostock schilderte der Mann am zwölften Verhandlungstag, die Frau habe ihm am Abend des 13. Oktober 2025 eine Nachricht geschickt und ihn gebeten, mit ihr zu einem Tümpel bei Klein Upahl zu fahren.

Beide seien dann mit seinem Auto zu der Stelle gefahren und kurz vor Mitternacht angekommen. Den Tümpel habe die Angeklagte als „Schweinesuhle“ bezeichnet. „Dann habe ich den Jungen da halt liegen sehen“, sagte der Zeuge.

Die Frau habe ihn aufgefordert, den leblosen Körper anzuleuchten. Danach habe sie erklärt: „Das ist zu 100 Prozent Fabian.“ Eine emotionale Reaktion habe sie nicht gezeigt. Am Tümpel habe sie zudem gesagt, dass der Leichnam gebrannt habe oder angezündet worden sei.

Laut dem Zeugen hielten sich beide nur ungefähr eine Minute an dem Tümpel auf, bevor sie in das wenige Kilometer entfernte Dorf im Landkreis Rostock zurückfuhren, in dem sie als Nachbarn wohnten. Auf der Rückfahrt habe die Angeklagte gelacht und ihm erklärt, sie könne nicht mehr weinen, deshalb schlage das bei ihr oft in Lachen um.

„Das glaubt uns kein Schwein“

Nach Darstellung des Zeugen fragte die Angeklagte noch, ob die Polizei verständigt werden sollte. Er habe darauf geantwortet: „Was willst Du der Polizei denn erzählen? Das glaubt uns kein Schwein.“ Erst am nächsten Morgen habe man dann darüber gesprochen.

Bereits in der Vorwoche hatte ein anderer Zeuge ausgesagt, dass er am selben Abend, nur wenige Stunden zuvor, ebenfalls mit der Beschuldigten an dem Tümpel gewesen sei. Die Frau selbst informierte die Polizei jedoch erst am 14. Oktober. Dabei gab sie an, die Leiche des Kindes zufällig bei einem Spaziergang mit ihrem Hund entdeckt zu haben. Begleitet wurde sie dabei von einer Bekannten.

Alibi abgesprochen?

Breiten Raum nahm vor Gericht auch eine mögliche Absprache zwischen der Angeklagten und dem Zeugen über den Tagesablauf am 10. Oktober ein. Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal wurde ein abgehörtes Telefonat vom 21. Oktober abgespielt, in dem beide nach Gerichtsangaben Absprachen für ein Alibi trafen.

Demnach habe die Angeklagte befürchtet, sie werde „abgeholt“, falls der Zeuge bei der Polizei etwas sage, das nicht passe. Sie habe Angst geäußert, man wolle ihr etwas anhängen. Der Mann beschrieb sie als manipulativ und mitunter aufbrausend. Wenn man länger mit ihr spreche, gebe es keine Widerworte: „Da wird schön zugestimmt. Wenn Widerworte kommen, dann gibt es eine Explosion.“

Der Zeuge selbst sagte, er könne sich an den Tagesablauf am Freitag, dem 10. Oktober, nicht mehr konkret erinnern. Er sei „heilfroh“, dass die Angeklagte ihm dabei geholfen habe. Damals habe er aussagen sollen, dass er am Vormittag mit ihr zusammen gewesen sei und anschließend mit ihrem Hund einen Spaziergang gemacht habe. Laut Anklage starb Fabian am 10. Oktober zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr an dem Tümpel.

Fabian auch Streitthema mit dem Vater

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 30-jährige Deutsche den Jungen mit sechs Messerstichen getötet und seinen Körper anschließend angezündet hat. Die Angeklagte sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft und hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Nach Aussage des Zeugen ist die Frau mit Fabians Vater liiert, mit dem sie eine jahrelange On-off-Beziehung geführt habe. Zwischen beiden habe es häufig Streit gegeben, bei dem sie sich angeschrien und beleidigt hätten. Auch Fabian selbst sei dabei ein Konfliktthema gewesen.

Der unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geführte Prozess stößt weiter auf großes öffentliches Interesse. Mehr als 130 Besucher sowie zahlreiche Medienvertreter verfolgten die Verhandlung im großen Saal. Am Donnerstag soll die Bekannte gehört werden, die am 14. Oktober mit der Angeklagten spazieren gegangen sein und als Dritte am Fundort gewesen sein soll. Außerdem sind drei Polizeibeamte als Zeugen geladen, die zur Auffindesituation von Fabians Leiche aussagen sollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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