Allgemein

Mega-Madonna in Polen soll Pilger magisch anziehen

Mitten in Polen entsteht Europas XXL-Maria – bezahlt von einem Superreichen. Frömmigkeit, Größenwahn oder einfach nur Kitsch?

08.08.2026, 10:09 Uhr

Riesige Marienstatue ragt über kleines polnisches Dorf

Konotopie ist ein winziger Ort in Polen mit gerade einmal rund 120 Einwohnern, etwa drei Autostunden westlich von Warschau. Straßennamen gibt es dort nicht einmal. Umso auffälliger ist das neue Wahrzeichen des Dorfes: Mitten zwischen Weizen- und Gerstenfeldern steht nun eine gewaltige Marienfigur.

Das Bauwerk erreicht insgesamt mehr als 55 Meter. Die eigentliche Statue ist 40,6 Meter hoch, dazu kommt ein 15 Meter hoher Sockel in Form einer Krone. Damit übertrifft das Monument sogar die bekannte Christusstatue in Rio de Janeiro, die inklusive Sockel 38 Meter misst.

Polnische Medien bezeichnen das Bauwerk bereits als die größte Marienstatue Europas. Weltweit gibt es allerdings noch größere Darstellungen der Gottesmutter, etwa die 96 Meter hohe Marienfigur von Montemaria auf den Philippinen.

Einweihung am 15. August vorgesehen

Offiziell eingeweiht werden soll die Statue mit dem Namen „Pomnik Matki Boskiej“ am 15. August, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt. Zu dem Festgottesdienst werden zahlreiche Gläubige erwartet.

Vor Ort laufen derzeit noch letzte Arbeiten. In der Nähe des Monumentes steht ein kleiner Bauernhof mit Ziehbrunnen, im Wind hängt Wäsche, und aus einer Werkstatt dringt das Kreischen einer Bandsäge. Für den 30-jährigen Michal, der dort mit seiner Frau Patrycja und Sohn Antoni lebt, ist die riesige Figur ein Grund zur Freude: Er bezeichnet sie als schön und als Attraktion für katholische Bewohner.

Nicht jeder im Dorf sieht das so. Der 71-jährige Rentner Janusz Kozlowski, unterwegs mit seinem E-Bike über einen Feldweg, meint zwar, die Statue gefalle ihm grundsätzlich. Das Geld hätte seiner Ansicht nach aber sinnvoller eingesetzt werden können, zum Beispiel für die Behandlung kranker Kinder.

Gigantische Marienstatue in Polens Provinz
Das Bauwerk hat eine Gesamthöhe von mehr als 55 Metern. Quelle: Doris Heimann/dpa

Finanziert von einem reichen Unternehmer

Möglich wurde das Projekt durch einen privaten Geldgeber: den Unternehmer Roman Karkosik. Der 75-Jährige gehört zu den vermögendsten Menschen Polens, machte sein Geld in der Autozulieferindustrie und ist zudem als Börseninvestor bekannt.

Karkosik lebt mit seiner Frau Grazyna auf einem restaurierten Schloss aus dem 18. Jahrhundert im nahen Kikol, nur zwei Kilometer von Konotopie entfernt. Von dort aus ist die Marienstatue auf dem benachbarten Hügel gut zu erkennen.

Gegenüber der Financial Times erklärte Karkosik lediglich, er habe das Denkmal aus Dankbarkeit gegenüber Maria errichten lassen. In der Umgebung wird vermutet, dass persönliche gesundheitliche Gründe dabei eine Rolle gespielt haben könnten. Über die genauen Kosten schweigt der Stifter. Das Fachportal Architektura Murator schätzt die Ausgaben auf umgerechnet etwa 23 Millionen Euro.

Größer als die Christusfigur von Swiebodzin

Der Bildhauer Adam Jakub Matejkowski, der mit der Umsetzung beauftragt wurde, sagte der polnischen Forbes-Ausgabe, Karkosik habe einen klaren Wunsch gehabt: Die Marienstatue sollte höher werden als die bekannte Christusfigur in Swiebodzin.

Swiebodzin, unweit der deutschen Grenze, gilt bislang als Polens bekanntester Standort einer monumentalen christlichen Statue. Die dortige Jesusfigur, 2010 enthüllt und von der Strecke Berlin–Warschau aus gut sichtbar, orientiert sich am Vorbild in Rio. Sie ist mit Krone 36 Meter hoch und wurde damals aus Spenden finanziert.

Experte erwartet starken Pilgerandrang

Polen ist stark katholisch geprägt. Der Publizist und Kirchenkenner Marcin Kedzierski warnt jedoch davor, aus solchen Großprojekten direkte Rückschlüsse auf die Religiosität des ganzen Landes zu ziehen. Zwar gebe es in Polen eine gewisse Vorliebe für große Sakralbauten, doch oft spiegele das eher den Geschmack einzelner Personen wider. Die Motive seien vergleichbar mit jenen früherer kirchlicher Bauherren, die im Mittelalter monumentale Kirchen errichten ließen.

Nach Kedzierskis Einschätzung lässt sich der polnische Katholizismus grob in drei Gruppen einteilen: Ältere Menschen über 60 seien meist stark konservativ, Menschen mittleren Alters eher liberaler. Unter den Jüngsten sinke zwar die Zahl der Gläubigen, doch die, die sich zum Glauben bekennen, verträten häufig ähnlich konservative Ansichten wie ihre Großeltern. Gerade bei diesen beiden Gruppen dürfte die neue Statue gut ankommen.

Auch Bürgermeister Mieczyslaw Grebicki zeigt sich begeistert. Für Konotopie sei das Monument eine große Auszeichnung, sagt er. Schon jetzt kämen viele Besucher in den kleinen Ort, zumal die Statue von der Fernstraße zwischen Warschau und Bydgoszcz gut zu sehen ist. Kedzierski rechnet ebenfalls mit wachsender Anziehungskraft: Die Marienstatue von Konotopie dürfte sich bald zu einem festen Ziel für Pilger in Polen entwickeln.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen