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Industrie drängt auf Reformen und warnt vor anhaltender Krise

Hohe Kosten und geopolitische Risiken setzen die Industrie unter Druck. Auf der Hannover Messe fordern Verbände eine Reformwende von der Politik. Doch sie sehen auch Chancen für ihren Branchen.

20.04.2026, 08:00 Uhr

Die deutsche Industrie verlangt von der Bundesregierung auf der Hannover Messe tiefgreifende Veränderungen. Statt eines ständigen Reagierens auf akute Probleme brauche es nach Ansicht der Verbände endlich langfristige Reformen, die Wachstum sichern. VDMA-Präsident Bertram Kawlath mahnte zum Messestart, der politische Stillstand bei wichtigen Strukturreformen müsse beendet werden. Auch ZVEI-Präsident Gunther Kegel forderte, dass der Reformstau in Deutschland endlich abgebaut wird.

Kawlath warnte, ohne einen Kurswechsel in Berlin und Brüssel drohten der Industrie bleibende Schäden. Die Belastungsgrenze vieler Unternehmen sei erreicht. Zusätzlichen Druck erzeugten zuletzt vor allem die Folgen des Iran-Kriegs und die Zollpolitik der USA. Der Standort Deutschland sei inzwischen zu teuer und zu unflexibel, sagte Kawlath. Das lasse sich selbst mit großer Leistungsbereitschaft und Innovationskraft kaum noch ausgleichen.

Forderungen an die Politik

Nach Ansicht des VDMA braucht es unter anderem niedrigere Unternehmenssteuern, eine Begrenzung der Sozialabgaben und flexiblere Regeln bei der Wochenarbeitszeit. Auch das Renteneintrittsalter solle sich stärker an der steigenden Lebenserwartung orientieren. Die Politik müsse den Mut haben, spürbare Entscheidungen zu treffen. Bislang seien die Reformansätze zu zaghaft, während gleichzeitig neue Belastungen die Unternehmen zusätzlich unter Druck setzten.

Iran-Krieg belastet die Konjunktur

Bis Ende 2025 hatte sich die Stimmung in vielen Unternehmen schrittweise verbessert. Im ersten Quartal 2026 verschlechterte sich die Lage jedoch erneut. Laut Kawlath sorgen die Risiken des Iran-Kriegs, US-Zölle, dauerhaft hohe Energiepreise, stärkere Inflation und Probleme in den Lieferketten weiterhin für große Unsicherheit.

Trotzdem hält der VDMA für 2026 an der Erwartung einer leichten Erholung fest. Für den Maschinen- und Anlagenbau rechnet der Verband mit einem Produktionsplus von rund einem Prozent. Der ZVEI geht für die Elektro- und Digitalindustrie sogar von zwei Prozent Wachstum aus – allerdings nur, wenn sich die Lage im Iran bis zur Jahresmitte entspannt.

Verteidigungsausgaben als Impuls

Zuversicht wecken in der Industrie die geplanten hohen Investitionen in die Verteidigung. Zwar produzierten Maschinen- und Anlagenbauer selbst keine Waffen, könnten aber als Zulieferer und Ausrüster dazu beitragen, die Fertigung auszubauen, so Kawlath. Derzeit entfielen schätzungsweise zwei bis fünf Prozent des Branchenumsatzes auf diesen Bereich. Innerhalb von drei bis fünf Jahren könnte sich dieser Anteil nach Einschätzung des Verbands verdoppeln.

KI und humanoide Roboter als Zukunftsthemen

Zusätzliche Wachstumschancen sieht die Branche bei Künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern. ZVEI-Chef Kegel sprach von einer technologischen Aufbruchsstimmung. Die Industrie stehe vor dem nächsten großen Entwicklungsschub, bei dem humanoide Roboter eine wichtige Rolle spielen könnten. Kawlath betonte, dass sich jetzt entscheide, ob Europa beim Aufbau eines neuen industriellen Ökosystems selbst prägend sei oder vor allem Technologien anderer nutze.

Hannover Messe mit mehr als 3.000 Ausstellern

Auf der Hannover Messe präsentieren bis Freitag mehr als 3.000 Aussteller aus Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft ihre Neuheiten. Im Mittelpunkt stehen Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals gibt es zudem einen eigenen Schwerpunkt zum Thema Verteidigung.

Mit dabei sind auch große Technologiekonzerne wie Microsoft, SAP und Siemens, daneben zahlreiche mittelständische Unternehmen und Start-ups. Im Jahr 2025 hatte die weltweit bedeutendste Industriemesse rund 127.000 Besucher angezogen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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