Im vergangenen Jahr suchten rund 970 Anrufer aus Bayern Hilfe beim „Hilfetelefon Gewalt an Männern“. Wie das Sozialministerium in München zum sechsjährigen Bestehen des Angebots mitteilte, finden Betroffene dort anonym, kostenlos und vertraulich Unterstützung – etwa bei psychischer Gewalt, Misshandlung, Mobbing oder Übergriffen in Beziehungen.
Nach Angaben des Ministeriums sind auch Männer in vielen Lebensbereichen von Gewalt betroffen, etwa in der Kindheit, im öffentlichen Raum, in Einrichtungen oder in Partnerschaften. Schätzungen zufolge sind etwa 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt männlich. Dennoch bleibt vieles unsichtbar.
Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) erklärte, viele Männer ertrügen Demütigungen, Drohungen oder körperliche Angriffe oft über Jahre hinweg, ohne darüber zu sprechen. Ein Grund sei häufig Scham, weil sich das Bild vom angeblich stets starken Mann hartnäckig halte. Scharf warb dafür, das Schweigen zu beenden: Ein Leben ohne Gewalt sei möglich.
Gewalt häufig im nahen persönlichen Umfeld
Die Auswertung des Hilfetelefons zeigt, dass Betroffene im Jahr 2025 in 61 Prozent der Fälle Gewalt durch die (Ex-)Partnerin oder den (Ex-)Partner erlebt haben. In mehr als zwei Dritteln der Fälle wurde laut Ministerium ausschließlich eine Frau als Täterin genannt.
Am häufigsten wünschten sich die Anrufer psychosoziale Beratung; das traf auf 50 Prozent der Gespräche zu. Ebenfalls groß war der Bedarf an Unterstützung bei akuten Gewaltsituationen (41 Prozent) sowie beim Schutz vor weiterer Gewalt (34 Prozent).
Zahl der Anrufe bundesweit deutlich gestiegen
Das Hilfetelefon ist unter der Nummer 0800 123 99 00 erreichbar und wurde am 22. März 2020 eingerichtet. Während im Startjahr noch 1.480 Menschen anriefen, waren es im vergangenen Jahr bereits 4.051 Anrufer aus ganz Deutschland.
Nach Ministeriumsangaben sind mehr als zwei Drittel der Anrufenden selbst direkt von Gewalt betroffen. Die Vorfälle spielen sich dabei meist in Partnerschaften oder im engen sozialen Umfeld ab. Knapp ein Viertel der Kontakte stammt aus dem Umfeld der Betroffenen oder von Fachberatungsstellen.
Beratung per Telefon und online
Das Männerhilfetelefon wird von Augsburg aus organisiert. Finanziert wird es neben Bayern und Nordrhein-Westfalen auch von Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz.
Zusätzlich zur telefonischen Beratung gibt es Hilfe auch online unter www.maennerhilfetelefon.de. In Bayern bestehen außerdem spezialisierte Beratungsangebote in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion