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Hantavirus-Alarm: Passagiere sitzen vorerst fest

Wochenlang auf der «Hondius» gefangen: Jetzt platzt sogar das geplante Kreuzfahrt-Ende – wegen eines mutmaßlichen Virusausbruchs.

05.05.2026, 04:52 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht nach den Hantavirus-Fällen auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff „Hondius“ inzwischen davon aus, dass es an Bord auch zu Übertragungen von Mensch zu Mensch gekommen ist. Das sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove bei einer Pressekonferenz in Genf.

Das Schiff mit knapp 150 Menschen an Bord war im Süden Argentiniens gestartet und ankert weiter vor Kap Verde. Die Passagiere dürfen bislang nicht an Land und sollen vorerst in ihren Kabinen bleiben.

Vermutlich Anden-Typ des Hantavirus

Nach Einschätzung der WHO handelt es sich wahrscheinlich um den Anden-Typ des Hantavirus. Üblicherweise werden Hantaviren über Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen. Bei diesem Virustyp sind nach WHO-Angaben jedoch in seltenen Fällen auch Infektionen zwischen Menschen bei engem Kontakt möglich.

Als mögliche Situationen nannte Van Kerkhove enge Kontakte an Bord, etwa in Kabinen. Die WHO betont zugleich, dass das Risiko für die allgemeine Öffentlichkeit weiterhin niedrig sei. Es handle sich nicht um ein Virus, das sich wie Grippe oder Covid ausbreite.

Spur führt zu verstorbenem niederländischen Ehepaar

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem inzwischen verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging. Beide könnten sich noch vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben. Laut WHO hatten viele Teilnehmer der Expeditionsreise dort Wildtierbeobachtungen und ähnliche Aktivitäten unternommen.

Gleichzeitig schloss Van Kerkhove nicht aus, dass einzelne Infektionen auch mit Nagern auf afrikanischen Inseln zusammenhängen könnten, die das Schiff auf seiner Route angelaufen hatte. Ratten an Bord habe es nach Angaben des Betreibers jedoch nicht gegeben.

Drei Tote, sieben Erkrankungsfälle

Bislang starben auf der Reise drei Passagiere: das ältere niederländische Ehepaar sowie eine deutsche Person. Nach Angaben des Betreibers Oceanwide Expeditions handelte es sich dabei um eine Frau. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus.

Allerdings wurde das Hantavirus bisher nur in einem kleineren Teil der Fälle labordiagnostisch gesichert nachgewiesen. Weitere Laboruntersuchungen zu den übrigen Fällen und zum genauen Virustyp laufen noch.

Drei Erkrankte sollen evakuiert werden

Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums sollen nun drei Erkrankte von Bord geholt und in die Niederlande ausgeflogen werden. Unter ihnen sei ein Niederländer. Die Evakuierung solle so schnell wie möglich erfolgen. Genauere Details nannten die Behörden zunächst nicht.

Die Niederlande koordinieren die Evakuierung federführend, weil die „Hondius“ unter niederländischer Flagge fährt. Nach Angaben des Ministeriums arbeiten die niederländischen Behörden dabei eng mit der Reederei, den kapverdischen Behörden und den Herkunftsländern von Passagieren zusammen.

Der Reiseveranstalter erklärte zudem, zwei Crew-Mitglieder benötigten dringend medizinische Hilfe. Weitere neue Verdachtsfälle gebe es über die bereits bekannten Erkrankungen hinaus bislang nicht.

Unklarheit über die weitere Route

Wie es für die übrigen Passagiere weitergeht, ist vorerst offen. Nach Angaben von Van Kerkhove gab es Gespräche mit spanischen Behörden über eine mögliche Weiterfahrt auf die Kanarischen Inseln. Das spanische Gesundheitsministerium widersprach dieser Darstellung jedoch auf X.

Demnach ist zunächst für Montagnachmittag eine Überprüfung der Menschen an Bord vorgesehen. Auf dieser Grundlage sollen anschließend Entscheidungen über Rückführungen und die weitere Route des Schiffes getroffen werden.

Van Kerkhove wandte sich zudem direkt an die Menschen auf der „Hondius“ und sagte, die WHO wisse, dass viele von ihnen Angst hätten. Man setze sich weiterhin für ihre medizinische Versorgung und ihre Heimreise ein.

Hantaviren werden meist über Nager übertragen

Wie auch das Robert Koch-Institut erklärt, scheiden infizierte Nager Hantaviren über Kot, Urin oder Speichel aus. Menschen infizieren sich häufig durch aufgewirbelten Staub oder durch Bisse. Ein Ausbruch auf einem Schiff gilt daher als ungewöhnlich.

Während die Ursache und die genauen Übertragungswege weiter untersucht werden, bleibt die Lage an Bord der „Hondius“ unter Beobachtung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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