Millionenbetrug beim Wohnungskauf: Münchner Paar verliert Erspartes
Beim geplanten Erwerb einer Eigentumswohnung ist eine Frau aus München gemeinsam mit ihrem Partner Opfer einer bislang ungewöhnlichen Betrugsmasche geworden. Nach Angaben der Polizei überwies die 60-Jährige einen Betrag von mehr als einer Million Euro – doch das Geld landete nicht beim vorgesehenen Empfänger.
Die Überweisung erfolgte im Sommer nach Rücksprache mit ihrer Bank an einen Immobilienmakler. Dort kam der siebenstellige Betrag jedoch nie an. Für das Paar bedeutete der Vorfall den Verlust der gesamten Rücklagen.
Täter gingen planvoll vor
Nach bisherigen Erkenntnissen hatten die bislang unbekannten Betrüger den Coup über längere Zeit vorbereitet. Sie gründeten eine GmbH, deren Name dem der echten Immobilienfirma stark ähnelte. Zudem wurde laut Polizei der E-Mail-Verkehr zwischen Makler und Käuferin gezielt manipuliert.
Demnach fingen die Täter die Zahlungsaufforderung ab und ersetzten in der Nachricht die hinterlegte Bankverbindung durch ihre eigene. Dadurch wurde das Geld auf ein falsches Konto überwiesen.
Geld wurde sofort weiterverteilt
Besonders folgenschwer war laut dem Münchner Kriminaloberkommissar Sebastian Wirth, dass es sich um eine Echtzeitüberweisung handelte. Da die Schlüsselübergabe noch am selben Tag vorgesehen war, stand das Geld den Tätern sofort zur Verfügung. Teile der Summe wurden nach Polizeiangaben unter anderem ins EU-Ausland transferiert.
Solche Fälle seien bislang vor allem aus der Wirtschaft bekannt. Dort läuft die Methode unter dem Begriff Business E-Mail Compromise. Kriminelle verschaffen sich dabei oft über Wochen oder Monate Zugang zu geschäftlichen Kommunikationskanälen, lesen Nachrichten mit und verändern Zahlungsanweisungen. Dass nun Privatpersonen auf diese Weise angegriffen werden, sei neu. Einen vergleichbaren Fall habe man bislang nicht erlebt, so Wirth.
Ein Teil des Geldes konnte gerettet werden
Weil der Betrug rasch gemeldet wurde, gelang es den Ermittlern, einen großen Teil der Summe zu sichern. Knapp 900.000 Euro konnten nach Polizeiangaben eingefroren und der Frau zurückerstattet werden. Das sei trotz des Schadens noch ein „Glück im Unglück“.
Bei Echtzeitüberweisungen sinken die Chancen auf eine Rückholung des Geldes mit zunehmender Zeitspanne drastisch. Wird der Betrug erst später bemerkt, ist das Geld oft kaum noch aufzuspüren.
Polizei rät zu besonderer Vorsicht
Als wichtigen Schutz vor unbefugtem Zugriff auf E-Mail-Konten nennt die Polizei die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA). Sie erschwere Cyberkriminellen das Eindringen erheblich. Ergänzend sollten sichere, möglichst lange und individuelle Passwörter verwendet und der E-Mail-Eingang aufmerksam kontrolliert werden.
Gerade bei hohen Summen empfiehlt die Polizei, Zahlungsanweisungen sehr genau zu prüfen. Beim Kauf einer Immobilie könne außerdem ein Blick in die notarielle Urkunde helfen: Dort ist die IBAN des Verkäufers vermerkt. So lässt sich die Kontoverbindung mit der Zahlungsaufforderung abgleichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber