Die Emmy Awards werden am 14. September vergeben, in Mitteleuropa in der Nacht zum 15. September. Ausgezeichnet werden die besten Serien, die als US-Produktionen oder US-Koproduktionen gelten, ebenso wie die kreativen Köpfe hinter ihnen. Hier ein Überblick über die Nominierten in den wichtigsten Serienkategorien – Drama und Comedy.
Nominierte als beste Dramaserie
Pluribus – Glück ist ansteckend (Apple TV)
Diese Serie erzählt ihr Szenario ruhig und nachdenklich, für manche vielleicht sogar sehr langsam. Im Zentrum steht eine Frau, die zu den wenigen Menschen zählt, die gegen ein rätselhaftes Virus immun sind. Dieses Virus lässt die Menschheit in einer Art kollektivem Bewusstsein aufgehen. Showrunner Vince Gilligan, bekannt durch Breaking Bad und Better Call Saul, liefert hier weniger klassische Spannung als ein fast philosophisches Fernseherlebnis. Besonders stark sind Rhea Seehorn als mürrische Carol Sturka und Karolina Wydra als geheimnisvolle Zosia.
The Pitt (Apple TV)
Die Krankenhausserie begleitet eine Schicht in der Notaufnahme nahezu in Echtzeit. Eine Folge entspricht ungefähr einer Stunde Dienst – das erzeugt dauerhaft Druck und hohe Intensität. Neben der präzisen Darstellung medizinischer Abläufe überzeugt vor allem das Ensemble. Im Mittelpunkt steht Chefarzt Robby, gespielt von Noah Wyle, der nach Jahren im Ausnahmezustand immer stärker unter der Belastung leidet. Schon 2025 war die Serie bei den Emmys äußerst erfolgreich, und auch mit der zweiten Staffel zählt sie wieder zu den größten Favoriten.

Diplomatische Beziehungen (Netflix)
Politische Machtspiele, persönliche Abgründe und internationale Intrigen treiben diesen Netflix-Thriller an. Für die starke dritte Staffel gab es gleich sieben Nominierungen, darunter die für die beste Dramaserie. Auch mehrere Darstellerinnen und Darsteller wurden bedacht: Keri Russell, Rufus Sewell sowie Allison Janney und Bradley Whitford. Erzählt wird von der Diplomatin Kate Wyler, die mitten in einer globalen Krise überraschend US-Botschafterin in Großbritannien wird. Ausgerechnet durch Täuschung und politische Ränkespiele geraten die beiden Länder zunehmend gegeneinander. Die vierte Staffel startet am 15. Oktober.
The Gilded Age (HBO, in Deutschland bei Sky/Wow)
Das opulente Historiendrama führt ins New York des späten 19. Jahrhunderts. Dort prallen alteingesessene Familien und neureiche Aufsteiger aufeinander. Reichtum kann zwar Paläste und Luxus finanzieren, gesellschaftliche Anerkennung aber nicht automatisch kaufen. Die Serie von Downton Abbey-Schöpfer Julian Fellowes ist auch 2026 wieder im Emmy-Rennen. Neben der Nominierung als beste Dramaserie hoffen auch Carrie Coon und Regisseurin Salli Richardson-Whitfield auf Auszeichnungen. Staffel 4 soll im November erscheinen.
A Knight of the Seven Kingdoms (HBO Max)
Nach dem Ende von Game of Thrones im Jahr 2019 wurde das Fantasy-Universum um weitere Serien erweitert. A Knight of the Seven Kingdoms gehört dazu und schlägt einen etwas leichteren Ton an als das oft brutale Original. Die Handlung spielt rund 90 Jahre vor den bekannten Ereignissen und folgt Ser Duncan dem Großen und seinem jungen Knappen Egg bei ihren Abenteuern rund um ein Turnier. Die sechs Folgen sind überraschend humorvoll und basieren auf George R. R. Martins Heckenritter-Geschichten. Damit eignet sich die Serie auch gut als Einstieg in die Welt von Westeros.
Paradise (Hulu, in Deutschland bei Disney+)
Ein junger US-Präsident wird ermordet, und sein Leibwächter gerät sofort unter Verdacht. Auf diesem Ausgangspunkt baut die Politthrillerserie auf. Sterling K. Brown spielt Xavier Collins, der versucht, die Hintergründe des Verbrechens aufzudecken und eine größere Verschwörung freizulegen. Gelobt werden vor allem das starke Ensemble und die vielen überraschenden Wendungen. Entwickelt wurde die Serie von Dan Fogelman, der schon bei This is Us Drama und Tempo wirkungsvoll kombiniert hat.
Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb (Apple TV)
Wer beim MI5 versagt, landet im Slough House – einer Art Abstellgleis für gescheiterte Agenten. Dort kommandiert Jackson Lamb, grandios schlecht gelaunt gespielt von Gary Oldman, eine Gruppe unfreiwilliger Außenseiter. Trotzdem geraten diese immer wieder in heikle Spionageoperationen. Die Serie verbindet klassische Agentenstorys mit trockenem britischem Humor und politischem Zynismus. Für die Emmys 2026 gab es neun Nominierungen, darunter für die beste Dramaserie sowie für Gary Oldman und Jack Lowden. Staffel 6 startet am 16. September.
Your Friends and Neighbors (Apple TV)
Jon Hamm spielt in dieser Serie einen Hedgefonds-Manager, dessen Leben auseinanderfällt. Andrew Cooper kämpft mit Scheidung, Problemen mit seinen Kindern und schließlich auch noch mit dem Verlust seines Jobs. Um den luxuriösen Lebensstil seiner Familie weiter finanzieren zu können, beginnt er, in den Häusern seiner wohlhabenden Nachbarschaft zu stehlen. Dabei entdeckt er, dass sich hinter den perfekten Fassaden seines Vororts dunkle Geheimnisse, Affären und gefährliche Wahrheiten verbergen. Bislang sind zwei Staffeln erschienen.
Nominierte als beste Comedyserie
Abbott Elementary (ABC in den USA, in Deutschland bei Disney+)
Defekte Toiletten, marode Schulgebäude und trotzdem jede Menge Herzblut: In dieser Mockumentary kämpfen Lehrkräfte an einer chronisch unterfinanzierten Schule in Philadelphia um einen funktionierenden Alltag. Entwickelt wurde die Serie von Quinta Brunson, die auch die optimistische Lehrerin Janine Teagues verkörpert. Abbott Elementary ist humorvoll, verharmlost die Probleme des Schulsystems aber nicht. Vor allem die Dialoge und die pointierte Situationskomik machen die Sitcom seit fünf Staffeln so beliebt.
The Bear: King of the Kitchen (FX, Disney+)
Die Serie über Spitzenkoch Carmy und sein chaotisch eingespieltes Küchenteam ist aus dem Emmy-Rennen kaum noch wegzudenken. Aus dem kleinen Sandwichladen, den Carmy nach dem Tod seines Bruders übernommen hatte, ist inzwischen ein ambitioniertes Gourmetrestaurant geworden, das nicht nur von einem Michelin-Stern träumt, sondern ums Überleben kämpft. Diesmal ist die vierte Staffel nominiert, die schon im Juni 2025 verfügbar war. Weil sie sich stark auf die emotionalen Geschichten der Figuren konzentriert und Humor eher zweitrangig ist, wird die Einordnung als Comedy jedoch auch diskutiert. Die fünfte und letzte Staffel geht erst im kommenden Jahr ins Rennen.
Hacks (HBO Max in den USA, in Deutschland vor allem bei RTL+)
Im Mittelpunkt stehen die erfahrene Stand-up-Größe Deborah Vance und die jüngere Autorin Ava Daniels, die frischen Wind in Deborahs Karriere bringen soll. Gerade der Altersunterschied sorgt immer wieder für Reibung, Schlagabtausch und überraschend viel Wärme. Über die ersten vier Staffeln hinweg entwickelt sich aus dem ständigen Konflikt eine enge Verbindung. Die fünfte und zugleich letzte Staffel bringt die Geschichte mit viel Gefühl zu Ende und erzielte mit 24 Nominierungen einen Rekord für eine Comedy-Staffel. In Deutschland steht sie allerdings noch aus.
Only Margo / Originaltitel: Margo’s Got Money Troubles (Apple TV)
Elle Fanning und Michelle Pfeiffer spielen in dieser gefeierten Serie die Hauptrollen. Erzählt wird von einer jungen alleinerziehenden Mutter, die zu ungewöhnlichen Mitteln greift, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Produktion bewegt sich zwischen Komödie und Drama und wurde besonders für ihren einfühlsamen Blick auf unperfekte Menschen gelobt. Neben Fanning und Pfeiffer überzeugt auch Nick Offerman als Margos Vater. Gerade weil die Figuren Ecken und Schwächen haben, wirken sie besonders nahbar.
Nobody Wants This (Netflix)
Eine Sex-Podcasterin verliebt sich in einen Rabbiner – daraus macht die Serie eine moderne romantische Komödie. Zwar ist die Grundidee eines ungleichen Paares nicht neu, doch mit Kristen Bell und Adam Brody funktioniert sie ausgesprochen gut. Die Serie übersetzt das klassische Rom-Com-Prinzip in die Gegenwart und verzichtet weitgehend auf überholte Rollenmuster. In zwei Staffeln erzählt Nobody Wants This eine Liebesgeschichte, die charmant, zeitgemäß und erfreulich frei von toxischen Klischees wirkt.
Only Murders in the Building (Disney+)
Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez ermitteln als Podcast-Trio in ihrem Wohnhaus Arconia, in dem sich immer wieder rätselhafte Todesfälle ereignen. Die Serie verbindet True-Crime-Faszination mit Slapstick, cleveren Wendungen und skurrilen Nebenfiguren. Gerade das ungewöhnliche Zusammenspiel der drei Hauptdarsteller trägt den Reiz der Serie. Dazu kommen regelmäßig prominente Gastauftritte. Seit Staffel 3 gehört auch Meryl Streep zum Cast, in Staffel 5 waren unter anderem Renée Zellweger und Christoph Waltz dabei.
Shrinking (Apple TV)
Jason Segel verkörpert den Therapeuten Jimmy, der nach dem Tod seiner Frau versucht, sein Leben und die Beziehung zu seiner Tochter wieder in den Griff zu bekommen. Unterstützung erhält er von Nachbarn und Kolleginnen und Kollegen, darunter Harrison Ford als sein Chef, der mit einer Parkinson-Diagnose lebt. Shrinking ist emotional, oft warmherzig und gelegentlich herrlich albern, nimmt die Probleme seiner Figuren aber stets ernst. Die nun nominierte dritte Staffel bringt mehrere Handlungsstränge zu einem Abschluss, dennoch ist bereits eine vierte geplant.
Widow’s Bay (Apple TV)
Mit 19 Nominierungen für die erste Staffel ist diese Horror-Komödie eine der größten Überraschungen des Jahres. Schauplatz ist eine fiktive Insel an der US-Ostküste. Bürgermeister Tom Loftis möchte dem etwas heruntergekommenen Ort ein besseres Image verpassen, doch einige Bewohner sind überzeugt, dass ein Fluch auf der Insel liegt. Als ein Zeitungsbericht plötzlich Touristen anlockt, zeigt sich rasch, dass dort tatsächlich nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Die Serie punktet vor allem mit ihrer Mischung aus Witz und Grusel: Eben noch sorgt sie mit exzentrischen Inselbewohnern für Lacher, im nächsten Moment liefert sie düstere Schockeffekte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber