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Drama am Berg: ARD-Doku kehrt zurück

Abstürze, Notrufe, dramatische Rettungen: Diese Doku zeigt die Bergwacht hautnah – und warum der Berg kein Abenteuerspielplatz ist.

06.05.2026, 05:15 Uhr

Verwackelte Aufnahmen aus dem Helikopter, darunter steile Abhänge und das Zugspitzmassiv im Blick: An Deutschlands höchstem Berg zählt bei einem Einsatz der Bergwacht jede Minute. Was zunächst wie die unkomplizierte Bergung eines leicht verletzten Wanderers und seiner Begleiter wirkt, entwickelt sich schließlich zu einer heiklen Rettungsaktion, bei der auch die Helfer selbst an ihre Grenzen geraten.

Neue Staffel von "In höchster Not – Bergretter im Einsatz"

Die ARD-Dokuserie "In höchster Not – Bergretter im Einsatz" startet am 6. Mai mit ihrer zweiten Staffel in der ARD-Mediathek. Nach Angaben des Senders knüpfen die neuen Folgen an den Erfolg der ersten Staffel an, die seit ihrer Veröffentlichung vor rund einem Jahr fast sieben Millionen Abrufe erreicht hat. Die ersten beiden Episoden sollen zudem am 18. Mai im Ersten gezeigt werden.

Kameras begleiten die Retter direkt im Einsatz

Die Serie setzt erneut auf eine unmittelbare Perspektive: Bergretter tragen teilweise Bodycams sowie 360-Grad-Kameras an Helmen oder Fahrzeugen. So entsteht ein direkter Eindruck von Rettungseinsätzen in Fels, Eis und unwegsamem Gelände. Neben den Bergwachten aus Ramsau und Grainau ist diesmal auch die Bergwacht Bad Reichenhall beteiligt.

Insgesamt zeigen die acht neuen Folgen laut Ankündigung die ganze Bandbreite alpiner Rettungseinsätze. Dazu gehören unter anderem Abstürze in Gletscherspalten, nächtliche Rettungen im Schneesturm, Einsätze bei großer Hitze sowie die Bergung eines Hundes – ein Szenario, das bei der Bergwacht Bayern inzwischen regelmäßig vorkommt.

Auch die Veränderungen in den Bergen spielen eine wichtige Rolle. Unberechenbares Gletschereis und plötzlich wechselndes Wetter erschweren Touren zunehmend. Mit der Erderwärmung verändern sich damit auch die Risiken für Alpinisten.

Aufwendige Produktion mit Blick auf sensible Situationen

Produziert wurde die Reihe von Timeline Production im Auftrag des Bayerischen Rundfunks. Nach BR-Angaben zählt sie zu den aufwendigsten Doku-Formaten für die ARD-Mediathek.

Die Kamerateams, die laut Produktion berg-erfahren waren, begleiteten die Einsätze meist vom Boden aus, da im Hubschrauber in vielen Fällen kein Platz für sie war. Alle in der Serie gezeigten Personen hätten ihre Zustimmung gegeben. Wenn das nicht möglich war, seien Szenen teilweise nur mit unkenntlich gemachten Beteiligten verwendet worden. Besonders tragische Einsätze seien bewusst sehr zurückhaltend dargestellt worden, um Betroffene und Angehörige nicht zusätzlich zu belasten.

Mehr Rettungseinsätze in Bayerns Bergen

Die Serie ist zugleich ein Appell an alle, die mit Beginn der Wandersaison in die Berge aufbrechen: Gute Vorbereitung und Vorsicht bleiben entscheidend. Denn die Bergwacht Bayern verzeichnet bereits seit Jahren steigende Einsatzzahlen.

Wie Sprecher Roland Ampenberger mitteilt, rückten die Retter im vergangenen Jahr zu mehr als 9.000 Einsätzen aus – knapp 1.000 mehr als 2023. Vor allem im Sommer zeigt die Entwicklung seit etwa zehn Jahren deutlich nach oben. Ampenberger mahnt: "Berge sind keine normierten Räume wie wir sie aus dem Tal oder der Stadt kennen."

In Bayern engagieren sich rund 4.000 Bergretter, ausschließlich ehrenamtlich. Ohne sie wäre Hilfe in alpinem Gelände kaum möglich. In der Doku schildern die Einsatzkräfte, dass gerade der Zusammenhalt und die Vielfalt der oft sehr anspruchsvollen Missionen ihren Einsatz besonders machen.

Dramatischer Auftakt am Höllentalferner

Gleich die erste Folge der neuen Staffel widmet sich einem komplizierten Einsatz am Höllentalferner, einem der letzten vier Gletscher in Deutschland. Während der Rettung zieht unerwartet ein Gewitter auf. Blitzschlag, Hagel und Steinschlag bringen Bergsteiger und Retter in Gefahr. Der Hubschrauber kann wegen des Wetters nicht weiterfliegen. Dann stürzt vor den Augen der Einsatzkräfte auch noch ein Alpinist in eine Gletscherspalte.

Hinzu kommt: Zwei weitere Bergsteiger, die Hilfe zunächst noch abgelehnt hatten, bekommen angesichts der Lage Angst und wollen nun ebenfalls ausgeflogen werden. Am Ende müssen sieben Menschen unter schwierigsten Bedingungen in Sicherheit gebracht werden.

Social Media, Trend zum Outdoorsport und Selbstüberschätzung

Wandern, Klettern und Bergtouren boomen. Immer mehr Menschen lassen sich von Tourenbeschreibungen im Internet und von Bildern in sozialen Netzwerken in die Berge locken. Doch wer sich daran unkritisch orientiert, bringt sich womöglich in ernste Gefahr. Mangelnde Kondition, fehlende Erfahrung und eine falsche Einschätzung alpiner Risiken führen laut Bergwacht immer wieder zu Notfällen.

Ampenberger sagt, gerade an bekannten Bergen und Klettersteigen spiele Selbstüberschätzung regelmäßig eine zentrale Rolle bei Rettungseinsätzen. Allein die für die Zugspitze zuständige Bergwacht Grainau kam in der vergangenen Sommersaison auf 97 Einsätze – rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Seine Warnung: "Am Berg gibt es keinen doppelten Boden wie beim Joggen im Stadtpark." Wer aufsteigt, müsse immer auch den Rückweg mitdenken.

"Der Berg ist immer der Chef"

Bereits in der ersten Staffel brachte es ein Bergretter auf einen einfachen Satz: "Der Berg ist kein Spielzeug und auch kein Fitnessgerät." Oft werde das heute unterschätzt. Seine zentrale Botschaft: "Der Berg ist immer der Chef, und er verzeiht keine Fehler."

Trotz aller Warnungen betont die Bergwacht aber auch: Wenn eine Lage kritisch wird, sollte niemand zögern, den Notruf abzusetzen. Denn auch wenn in den Bergen immer etwas passieren kann, genau dafür sind die ehrenamtlichen Rettungskräfte da.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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