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Die verblüffende Chronologie des Ostsee-Buckelwals

Seit seinem spektakulären Auftauchen Anfang März lässt ein Buckelwal in der Ostsee niemanden los – und überrascht die Menschen immer wieder aufs Neue. Steht ihm jetzt der dramatische letzte Akt bevor?

29.04.2026, 04:00 Uhr

Erste Hinweise auf den Buckelwal gab es bereits Anfang März. Seitdem sorgt das Tier in der Ostsee für große Aufmerksamkeit. Die wichtigsten Stationen im Überblick:

Erste Sichtungen und Einsätze

3. März: Auftauchen im Hafen von Wismar

Der Wal wird im Wismarer Hafen entdeckt und zieht zahlreiche Schaulustige an. Einsatzkräfte entfernen Teile von Netzmaterial, das sich an dem Tier verfangen hat, jedoch nicht vollständig. Auch Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Am Abend schwimmt der Wal zurück in Richtung Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum nimmt zunächst an, dass es sich um einen Finnwal handelt.

4. März: Erneute Sichtung in der Lübecker Bucht

Westlich von Wismar, bei Brook, taucht der Wal wieder auf. Sea Shepherd versucht erneut, restliche Leinen vom Tier zu lösen. Vom größeren Schiff „Triton“ aus gelingt das jedoch nicht.

7. März: Netzreste vor Boltenhagen entfernt

Nach einer Meldung aus Scharbeutz sucht Sea Shepherd erneut in der Lübecker Bucht und findet den Wal am Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus können weitere Netzteile entfernt werden.

8. März: Meldungen aus mehreren Küstenorten

Auch weiter östlich wird der Wal gesehen. Beim Deutschen Meeresmuseum gehen Hinweise aus Westmecklenburg, aus Graal-Müritz sowie später aus Wustrow und Ahrenshoop ein.

10. März: Verfangen in einem Fischernetz

Vor Steinbeck in Nordwestmecklenburg gerät das Tier laut Wasserschutzpolizei in ein Fischernetz. Ein Fischer aus der Region zieht das Netz ein und schneidet es dabei durch. Danach schwimmt der Wal wieder aufs offene Meer hinaus.

14. und 15. März: Weitere Sichtungen

Am Wochenende wird der Wal erneut vor der Küste Nordwestmecklenburgs beobachtet, unter anderem bei Warnkenhagen, Steinbeck und Boltenhagen.

19. März: Wal schwimmt in die Trave

Am Abend sieht Sea Shepherd von der „Triton“ aus, wie das Tier vor Travemünde in die Trave einbiegt.

20. März: Weitere Leinenstücke entfernt

Nach Sichtungen bei Haffkrug und Scharbeutz informiert die Wasserschutzpolizei Sea Shepherd. Von einem Schlauchboot aus gelingt es mit Spezialwerkzeug, einen Teil der verbliebenen Leine zu entfernen. Später zieht der Wal mit weiteren Netzresten am Körper wieder in Richtung offene See.

Erste Strandung vor Timmendorfer Strand

23. März: Fest auf einer Sandbank

Vor Timmendorfer Strand wird der Wal auf einer Sandbank im flachen Wasser entdeckt. Nun herrscht Einigkeit darüber, dass es sich um einen Buckelwal handelt. In den folgenden Tagen starten umfangreiche Rettungsversuche, unter anderem wird mit Baggern eine Rinne ausgehoben.

27. März: Der Wal ist wieder frei

Nachdem sich das Tier bereits am Abend des 26. März bewegt hatte, ist es am Morgen des 27. März nicht mehr im Uferbereich. Stattdessen schwimmt es wieder in der Lübecker Bucht.

Zweite Strandung in der Wismarbucht

28. März: Erneut auf einer Sandbank

Südlich der Insel Walfisch bleibt der Buckelwal auf einer Sandbank in der Wismarbucht liegen.

Dritte Strandung in der Wismarbucht

29. März: Kurze Bewegung bei höherem Wasserstand

In der Nacht setzt sich das Tier bei steigendem Wasserstand noch einmal in Bewegung, kommt aber schon wenige Meter weiter erneut im Flachwasser zum Liegen.

30. März: Aufbruch in die falsche Richtung

Am späten Abend schwimmt der Wal wieder los. Zuvor hatten Fachleute versucht, ihn mit Lärm zum Weiterziehen zu bewegen. Laut Umweltministerium in Schwerin schwimmt das Tier danach jedoch nicht seewärts, sondern zunächst in die falsche Richtung. Es wird am Hafen von Wismar gesehen und später in Richtung Seebrücke.

Vierte Strandung vor der Insel Poel

31. März: Wieder im flachen Wasser

Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet. Später bleibt er im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht vor der Insel Poel, erneut im Flachwasser liegen.

1. April: Rettungsversuche werden beendet

Die Verantwortlichen erklären, dass vorerst keine weiteren Befreiungsaktionen geplant sind. Experten halten den Wal für stark geschwächt und wollen ihm Ruhe verschaffen.

2. April: Vorbereitung auf eine mögliche Bergung

Ein Vermessungsboot beginnt damit, das Gebiet rund um den Wal zu untersuchen, um eine spätere Bergung des Kadavers planen zu können.

Gutachten zum Zustand des Tieres

7. April: Experten sprechen von einem schwer kranken Tier

Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellen Fachleute die Ergebnisse eines Gutachtens vor. Der Minister bezeichnet den Zustand des Wals als „schwerstkrank“. Genannt werden unter anderem eine sich deutlich verschlechternde Haut sowie mögliche Organschäden durch das lange Liegen im Flachwasser. Eine Rettung könne wegen des enormen Stresses tödlich enden.

11. April: Letzter Mobilisierungsversuch ohne Erfolg

Noch einmal wird versucht, den Wal zum Aufbruch zu bewegen. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt, doch das Tier reagiert nicht.

Behörden erlauben privaten Rettungsanlauf

15. April: Überraschende Wende

Auf einer Pressekonferenz kündigt Backhaus an, dass die Behörden das Rettungskonzept einer privaten Initiative dulden. Vorgesehen ist, den Wal lebend in Richtung Nordsee und notfalls weiter in den Atlantik zu transportieren. Der Plan sieht zunächst vor, das Tier mit Luftkissen anzuheben und auf einer Plane zwischen Pontons zu bewegen.

Frühere Konzepte waren von den Behörden noch zurückgewiesen worden. Fachleute hatten gewarnt, dass zusätzliche Rettungsaktionen dem Wal noch mehr Stress und Leid zufügen könnten. Ihre Empfehlung lautete zuvor, das Tier in Ruhe sterben zu lassen.

Vorbereitungen für den privaten Einsatz

16. April: Schweres Gerät trifft ein

Die von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz finanzierte Aktion beginnt. Ein Konvoi mit Mobilkränen, Schwimmpontons und Rohren erreicht den Hafen von Kirchdorf.

17. April: Heftige Reaktion des Wals

Ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform nähert sich dem Tier. Nachdem ein Taucher Kontakt aufgenommen hat, reagiert der Buckelwal mit kräftigen Bewegungen. Er schlägt mit Schwanz- und Brustflossen und dreht sich beinahe um 90 Grad. Nach einigen Minuten beruhigt er sich wieder und verharrt still im Wasser.

18. April: Erste Arbeiten am Tier

Zu sehen sind Tücher auf dem Wal, eine schwimmende Arbeitsplattform und offenbar erste Spülversuche in seiner Nähe. Mehrere Helfer versuchen außerdem erneut, in das Maul des Tieres zu blicken, um mögliche Netzreste zu finden und zu entfernen. Das gelingt jedoch nicht.

Der Wal bewegt sich erneut – und bleibt wieder stecken

20. April: Eigenständig losgeschwommen

Nach drei Wochen setzt sich der Wal am Morgen aus eigener Kraft in Bewegung. Mitglieder des Teams versuchen von Booten aus, ihn in Richtung offene Ostsee zu lenken. Nach rund zwei Stunden und mehreren Richtungswechseln bleibt das Tier jedoch erneut im flachen Wasser liegen – diesmal am Übergang vom Kirchsee zur Wismarbucht. Von dort hätte es eigentlich direkt in die Ostsee gelangen können.

27. April: Barge erreicht Wismar

Eine sogenannte Barge trifft in Wismar ein. Der 50 Meter lange und 13 Meter breite Lastkahn war über das Wochenende durch den Nord-Ostsee-Kanal zur Wismarbucht gebracht worden. Mit diesem Becken soll der Wal in Richtung Nordsee transportiert werden. Das ursprünglich vorgesehene Ponton-Konzept ist inzwischen verworfen.

28. April: Transport Richtung Nordsee beginnt

Ein Schlepper übernimmt die Barge mit dem Buckelwal. Das Tier war zuvor durch eine eigens ausgebaggerte Rinne zu dem Lastkahn gebracht worden. Der motorlose Kahn soll nun von dem Schlepper in Richtung Nordsee gezogen und von einem weiteren Schiff begleitet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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