Hessen

45 Euro pro Stunde: Deutschland fast EU-Spitze

Arbeiten in Deutschland wird immer teurer: Im EU-Vergleich liegt das Land weit vorn. Wie groß ist der Abstand zu den Nachbarn?

29.04.2026, 09:13 Uhr

Die Arbeitskosten in Deutschland haben 2025 erneut spürbar zugelegt und liegen im europäischen Vergleich weiter auf hohem Niveau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kostete eine geleistete Arbeitsstunde in Produktion und Dienstleistungsbereichen im Schnitt 45,00 Euro. Damit lagen die Kosten hierzulande 29 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 34,90 Euro. Gegenüber 2024 stiegen sie um 3,6 Prozent und damit etwas schwächer als im EU-Mittel, das bei 4,1 Prozent lag.

Im europaweiten Vergleich zählt Deutschland damit weiterhin zur Spitzengruppe. Höhere Arbeitskosten wurden 2025 nur in Luxemburg (56,80 Euro), Dänemark (51,70 Euro), den Niederlanden (47,90 Euro) und Österreich (46,30 Euro) verzeichnet. Für Belgien lagen noch keine aktuellen Werte vor; 2024 hatte das Land noch Rang drei belegt. Am unteren Ende der EU-Skala stand Bulgarien mit 12,00 Euro pro Stunde, gefolgt von Rumänien (13,60 Euro) und Ungarn (15,20 Euro).

Besonders starke Zuwächse in Osteuropa

Nach Einschätzung von Ulrike Stein, Arbeitsmarktexpertin am IMK der Hans-Böckler-Stiftung, fiel der Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland 2025 sowohl im Vergleich zum Euroraum als auch zur EU insgesamt unterdurchschnittlich aus. Während sich die Kosten im privaten Dienstleistungssektor etwa im Rahmen des Durchschnitts bewegten, sei der Zuwachs im verarbeitenden Gewerbe deutlich schwächer gewesen.

Die kräftigsten Anstiege meldeten 2025 Bulgarien mit plus 13,1 Prozent, Kroatien mit 11,6 Prozent und Polen mit 10,5 Prozent. Deutlich moderater fiel die Entwicklung in Frankreich (+2,0 Prozent), Dänemark (+3,0 Prozent) und Italien (+3,2 Prozent) aus. In Malta gingen die Arbeitskosten sogar leicht zurück.

Zu den Arbeitskosten zählen nicht nur die Bruttolöhne und -gehälter, sondern auch zusätzliche Aufwendungen wie die Sozialbeiträge der Arbeitgeber. In den Bruttoverdiensten enthalten sind unter anderem die Bezahlung der geleisteten Arbeitszeit, Sonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen, die Vergütung für Urlaubs- und andere Ausfalltage sowie Sachleistungen. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird dabei nicht einbezogen.

Arbeitsstunde seit 2020 deutlich teurer

Mittelfristig hat sich die Arbeitsstunde in Deutschland seit 2020 laut Statistischem Bundesamt um 22,3 Prozent verteuert. Besonders stark fiel der Anstieg im Gastgewerbe aus, wo die Arbeitskosten in diesem Zeitraum um 30 Prozent zulegten.

Der Abstand zum EU-Durchschnitt hat sich dabei kaum verändert. Schon 2020 lagen die Arbeitskosten in Deutschland mit 30 Prozent über dem EU-Mittel fast so deutlich darüber wie 2025 mit 29 Prozent. Aus Sicht von Arbeitsmarktexpertin Stein hat sich an der Wettbewerbsposition Deutschlands bei den Lohnkosten damit nur wenig geändert.

Wirtschaftsverbände verlangen seit längerem Reformen, um Arbeit in Deutschland günstiger zu machen. Zuletzt kritisierte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung BDA, die von der Bundesregierung geplante Entlastungsprämie. Diese soll Unternehmen steuerfreie Zahlungen von 1.000 Euro an Beschäftigte ermöglichen. Kampeter forderte stattdessen spürbare Entlastungen für Arbeitgeber statt zusätzlicher Belastungen bei den Arbeitskosten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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