Die frühere Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) befürchtet, dass Frauen in der Kommunalpolitik wieder schlechtere Chancen haben. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen verwies sie darauf, dass es in Bayern inzwischen keine Großstadt mehr mit einer Frau an der Spitze gebe. Auch zahlreiche Landrätinnen und Bewerberinnen für das Amt seien zuletzt gescheitert. Aus ihrer Sicht steckt dahinter ein Muster. Noch 2020 sei es selbstverständlich gewesen, dass eine Frau das Oberbürgermeisteramt ausfüllen könne – dieses Bild habe sich in den vergangenen sechs Jahren jedoch spürbar verändert.
Kritik an unterschiedlicher Bewertung von Frauen
Weber sagte, Frauen würden in politischen Ämtern anders beurteilt als Männer. Bei ihr werde etwa thematisiert, welche Kleidung sie trage oder wie sie auftrete. Bei ihrem Nachfolger Florian Freund erwarte sie solche Kommentare nicht. Ebenso würden Führungsentscheidungen eines Mannes in der Verwaltung eher als normal angesehen.
Weber hatte das Rathaus seit 2020 geführt. Bei der Stichwahl im März unterlag sie jedoch deutlich dem SPD-Kandidaten Florian Freund. Er erreichte rund 56,6 Prozent, Weber kam auf 43,4 Prozent.
Abschied ohne Verbitterung
Trotz der Niederlage wolle sie ihr Amt ohne Groll verlassen, sagte Weber. Wer ein solches Amt übernehme, müsse immer damit rechnen, abgewählt zu werden. Natürlich sei das ein tiefer Einschnitt und keineswegs angenehm, doch sie gehe innerlich versöhnt.
Zugleich betonte sie, dass sie sich schon immer ein Leben außerhalb der Politik habe vorstellen können. Deshalb blicke sie trotz Wehmut auch mit Offenheit auf den neuen Abschnitt ihres Lebens.
Die Tage nach der Wahl waren hart
Die erste Woche nach der Abwahl sei allerdings sehr schwer gewesen. Am Wahlabend habe sie der Ausgang völlig überrascht; sie habe mit diesem Ergebnis nicht gerechnet.
Künftig wird Weber dem Augsburger Stadtrat angehören – ein eher ungewöhnlicher Schritt für eine abgewählte Oberbürgermeisterin. Sie begründete das damit, dass sie den Bürgerinnen und Bürgern nicht den Eindruck vermitteln wolle, sich nach der Niederlage beleidigt zurückzuziehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion