Chinas Ausfuhren nach Deutschland haben im Juni erneut deutlich zugelegt. Nach Angaben der Pekinger Zollbehörde lagen sie in US-Dollar gerechnet um 27,2 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Die chinesischen Importe aus Deutschland stiegen im gleichen Zeitraum dagegen nur um 3,1 Prozent und damit wesentlich langsamer als der gesamte Außenhandel.
Auch im ersten Halbjahr zeigte sich dieses Ungleichgewicht klar. Während Chinas Exporte nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent zulegten, erhöhten sich die Einfuhren aus Deutschland lediglich um 1,8 Prozent. Insgesamt exportierte China in den ersten sechs Monaten Waren im Wert von 67,5 Milliarden Dollar (rund 59,3 Milliarden Euro) nach Deutschland. Die Importe aus der Bundesrepublik beliefen sich auf 45,2 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich für Deutschland ein Handelsdefizit gegenüber China von 22,3 Milliarden Dollar.
Kräfteverhältnis im Handel verschiebt sich
Über viele Jahre hatte Deutschland stark vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas profitiert. Vor allem Autos, Maschinen und spezialisierte Technik fanden dort großen Absatz. Inzwischen verändert sich das Bild jedoch spürbar. Chinesische Firmen bringen zunehmend selbst technologisch anspruchsvolle Produkte zu vergleichsweise günstigen Preisen auf die Weltmärkte. Das löst auch in Deutschland und Europa eine politische Debatte darüber aus, wie auf die wachsende Konkurrenz aus China reagiert werden soll.
Besonders stark ist der Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Chinesische Hersteller gewinnen vor allem bei Elektroautos Marktanteile und treten immer stärker auch bei komplexen Maschinen und Industrieanlagen auf. Gleichzeitig ist Deutschland bei wichtigen Gütern wie Batterien und pharmazeutischen Vorprodukten in hohem Maß auf Lieferungen aus China angewiesen.
Es spricht vieles dafür, dass sich dieser Wettbewerb weiter verschärfen wird. Die chinesische Führung unterstützt gezielt Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Robotik, Quantentechnologie, Wasserstoff und Biotechnologie. Genau diese Felder spielen auch in der deutschen Hightech-Strategie eine zentrale Rolle.
Chinas Außenhandel wächst auch in anderen Regionen kräftig
Nicht nur im Handel mit Deutschland, sondern insgesamt legte Chinas Außenhandel im Juni deutlich zu. Anders als im Handel mit Deutschland stiegen dabei auch die Importe kräftig. Die Exporte in alle Länder zusammen erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27 Prozent, die Importe sogar um 36 Prozent.
In die Europäische Union exportierte China 18,5 Prozent mehr Waren als ein Jahr zuvor, während die Einfuhren aus der EU um 9,2 Prozent zunahmen. Im Handel mit den USA erhöhten sich die chinesischen Exporte um 13,9 Prozent, die Importe aus den Vereinigten Staaten um 25,9 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelte sich der Handel mit Russland und den südostasiatischen Asean-Staaten. Die Ausfuhren dorthin kletterten um 38 beziehungsweise 34,6 Prozent. Neu hinzu kommen auch starke Zuwächse bei den Importen: Diese stiegen im Handel mit Russland um 38,6 Prozent und mit den Asean-Staaten um 26,8 Prozent.
Peking zeigt sich zuversichtlich – deutsche Wirtschaft warnt
Die chinesische Zollbehörde blickt optimistisch auf die weitere Entwicklung des Außenhandels. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte der stellvertretende Behördenleiter Wang Jun, man habe das Vertrauen und die Fähigkeit, die gute Dynamik im Außenhandel aufrechtzuerhalten. Als wichtige Wachstumstreiber nannte er die weltweite Nachfrage nach Produkten für künstliche Intelligenz, Rechenzentren, grüne Technologien und Industrieausrüstung.
Kritischer fällt die Einschätzung der Deutschen Handelskammer in Nordchina aus. Deren geschäftsführendes Vorstandsmitglied Oliver Oehms sagte, die Zahlen zeigten, dass die chinesische Regierung weiterhin stark auf Exporte als Wachstumsmotor setze, statt die schwache Binnennachfrage und die geringe Investitionsbereitschaft zu stärken. Dadurch könnte sich der zuletzt leicht verbesserte Ausblick vieler deutscher Unternehmen mit China-Geschäft wieder eintrüben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber