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Cold-Case-Jäger: So entlarven sie den Täter

Neue DNA, eine alte Bluse, ein gelber Porsche: Kommen Ermittler dem Doppelmörder nach Jahrzehnten endlich auf die Spur?

08.10.2026, 06:35 Uhr

Eine mit Blut verschmierte, hellgrün-weiß karierte Bluse aus dem Polizeilager hat Jahrzehnte nach zwei Tötungsdelikten in Mittelfranken und im Allgäu neue Ermittlungsansätze eröffnet. Die Bluse trug die zwölfjährige Marion Baier, die 1973 getötet wurde. Auf dem Kleidungsstück wurden nun DNA-Spuren gesichert, die auch in einem ähnlich gelagerten Mordfall aus Kempten auftauchten. Seitdem verfolgen die Ermittler in Fürth zahlreiche neue Hinweise – besonders im Fokus steht derzeit ein gelber Porsche.

DNA-Fund bringt Bewegung in alten Mordfall

Patrick Merten von der Kriminalpolizei Fürth leitet die Ermittlungsgruppe, die den Mord an Marion Baier aus Oberasbach erneut untersucht. Schon damals seien viele Spuren geprüft worden, sagt er. Davon zeugen zahlreiche Aktenordner zum Fall. Ein Täter konnte jedoch seinerzeit nicht ermittelt werden. Der entscheidende Fortschritt gelang erst durch moderne DNA-Analysen – eine Methode, die Anfang der 1970er Jahre noch nicht zur Verfügung stand.

Für Kripo-Chef Michael Dietsch war der Fund ein außergewöhnlicher Glücksfall. Dass ein so altes Beweisstück überhaupt noch vorhanden, nicht verunreinigt und dann auch noch genetisches Material liefert, das in der DNA-Datenbank auffällt, sei alles andere als selbstverständlich.

Verbindung zu einem zweiten Verbrechen

Zwar konnte die DNA bislang keiner bestimmten Person zugeordnet werden. Sie wurde jedoch auch an der Leiche der 13-jährigen Sonja Hurler entdeckt, die 1981 in Kempten von einem Unbekannten ermordet worden war. Nach Einschätzung der Ermittler erweitert dieser Zusammenhang den Blick auf den möglichen Täter erheblich.

Kripo Fürth zum Cold Case Marion Baier
Patrick Merten (l), Leiter des Cold Case „Marion Baier“, und Michael Dietsch, Leiter der Kripo Fürth. Quelle: Daniel Löb/dpa

Bereits in beiden Fällen hatte die Polizei Verdächtige überprüft und Alibis kontrolliert. Die erste Hoffnung sei gewesen, in beiden Akten denselben Namen zu finden, berichtet Merten. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Kempten sei deshalb eng. Beide Dienststellen könnten auf elektronische Falldaten zugreifen und Annahmen unmittelbar abgleichen.

Tatsächlich habe es Personen mit Bezug zu beiden Regionen gegeben, etwa Menschen, die im Allgäu aufgewachsen seien und später in Mittelfranken studiert hätten. Einen konkreten Tatverdächtigen habe das bislang aber nicht hervorgebracht. Allein im Fürther Fall gibt es rund 830 Ermittlungsansätze, von denen Mertens Team bereits fast 600 bearbeitet hat.

Hoffnung auf neue Hinweise

Die Ermittler in Fürth und Kempten setzen nun auch auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Nach Einschätzung eines Polizeisprechers aus Kempten war es zur Tatzeit keineswegs üblich, ohne Weiteres zwischen dem Allgäu und Franken zu pendeln. Im Januar wandten sich die Beamten deshalb in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY… ungelöst an die Öffentlichkeit in beiden Regionen. Zusätzlich machten sie an den Jahrestagen mit Plakaten an den Tatorten auf die ungelösten Fälle aufmerksam.

Merten betont, dass jeder Hinweis wichtig sein könne. Möglicherweise sei genau darunter die entscheidende Spur.

Spur führt zu gelbem Porsche

Eine der zentralen Spuren ist ein gelber Porsche. Ein Zeuge hatte in der Nacht des Mordes an Marion Baier berichtet, einen Sportwagen mit Nürnberger Kennzeichen am Straßenrand gesehen zu haben – mit laufendem Motor und eingeschaltetem Fernlicht. Die Straße führte an jener Baustelle vorbei, auf der Arbeiter am frühen Morgen die Leiche des Mädchens fanden.

Nach Angaben des Zeugen soll im Wagen ein Mann gesessen haben, der sich mit einem Mädchen stritt. Schon damals überprüften die Ermittler die Alibis aller Halter gelber Porsches in Nürnberg. Nun soll diese Spur mit Hilfe von DNA-Vergleichen noch einmal möglichst lückenlos abgesichert werden.

Allerdings stößt die Polizei dabei an Grenzen: Die Zulassungsstellen arbeiteten damals noch mit Karteikarten, die heute nicht mehr existieren. Sollte der Zeuge das Kennzeichen in der Dunkelheit falsch gelesen haben und statt eines „N“ für Nürnberg ein anderer Buchstabe auf dem Nummernschild gestanden haben, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, wem ein solcher Porsche damals andernorts gehörte.

Ziel: dem Täter ein Gesicht geben

Ob sich nach so langer Zeit überhaupt noch ein lebender Verdächtiger finden lässt, ist ungewiss. War der Täter damals noch jung, könnte er heute allerdings noch am Leben sein, so Merten. Doch selbst wenn er inzwischen verstorben sein sollte, sei es für die Angehörigen der beiden Mädchen von großer Bedeutung, endlich zu erfahren, wer verantwortlich war. Kripo-Leiter Dietsch formuliert das Ziel so: Dem Täter ein Gesicht zu geben – darum gehe es bei Cold Cases.

Im Fall Marion Baier gehe es außerdem darum, alte Verdächtigungen aus der Welt zu schaffen. Damals seien manche Menschen sogar an ihrem Arbeitsplatz abgeholt worden, um ihre Alibis zu überprüfen – unter anderem wegen Aussagen, sie hätten ein Christophorus-Medaillon besessen.

Ein solches Medaillon war am Tatort in Oberasbach entdeckt worden und wird von den Ermittlern dem Täter zugeschrieben. Zwar hätten DNA-Abgleiche die damals verdächtigten Personen längst ausgeschlossen, sagt Merten. Dennoch sei der Verdacht teilweise bis heute an ihnen hängen geblieben.

Die neuen Ermittlungen senden aus Sicht der Polizei noch eine weitere klare Botschaft: Auch Jahrzehnte nach einem Verbrechen dürfen Täter sich nicht sicher fühlen. Niemand könne sich, selbst nach 50 Jahren, einfach in Sicherheit wiegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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