Hessische Chemiebranche blickt wegen Nahost-Krieg noch pessimistischer auf 2025
Nach einem ohnehin schwierigen Jahr rechnet die hessische Chemieindustrie mit weiteren Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten. Nach Angaben des Branchenverbands VCI Hessen und des Arbeitgeberverbands HessenChemie gehen viele Unternehmen in den kommenden Monaten von einer stagnierenden oder sogar rückläufigen Geschäftsentwicklung aus. Als Hauptgründe nennen die Verbände den Konflikt mit dem Iran sowie die deutlich gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe.
Eine aktuelle Umfrage der Verbände zeigt ein düsteres Bild: 80 Prozent der Unternehmen erwarten eine gleichbleibende oder sinkende Produktion. 72 Prozent rechnen mit fallenden Umsätzen, und 92 Prozent sehen keine Aussicht auf bessere Gewinne. Zudem geht mehr als die Hälfte der Firmen davon aus, dass die Investitionen in Hessen zurückgehen werden.
Die Branche steht schon seit Jahren unter Druck. Hohe Energiepreise, Überkapazitäten auf dem Weltmarkt und die schwache Konjunktur setzen der Chemie zu. Da die Industrie stark auf Öl und Gas angewiesen ist, trifft sie der jüngste Preisanstieg besonders hart. Diese Rohstoffe werden nicht nur als Energiequelle gebraucht, sondern auch als Basis für Produkte wie Kunststoffe, Düngemittel, Arzneien, Lösungsmittel und Kosmetika.
Pharma legt zu, Chemiesparte verliert deutlich
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen zählt mit mehr als 55.000 Beschäftigten zu den wichtigsten Industriezweigen des Landes. Im Jahr 2025 erwirtschaftete sie insgesamt 30,9 Milliarden Euro Umsatz und lag damit 1,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Während die Pharmabranche ihren Umsatz leicht auf knapp 18,4 Milliarden Euro steigern konnte und dabei auch von vorgezogenen Bestellungen im Zuge des Zollstreits mit den USA profitierte, entwickelte sich die klassische Chemiesparte deutlich schwächer. Dort sank die Produktion um mehr als vier Prozent, der Umsatz ging um über sechs Prozent auf 12,5 Milliarden Euro zurück. Seit 2021 ist die Chemieproduktion in Hessen damit insgesamt um 31 Prozent geschrumpft.
Die Verbände mahnen deshalb politische Gegenmaßnahmen an. Oliver Coenenberg, Vorstandsvorsitzender von HessenChemie, kritisierte insbesondere die hohen Sozialabgaben, die inzwischen bei 42,3 Prozent lägen und weiter stiegen. Das schade der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Aus Sicht der Branche braucht es Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege. Zusätzliche finanzielle Belastungen für die Arzneimittelhersteller, wie sie von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geplant seien, lehnen die Verbände ab. Neue Kosten würden den Pharmastandort Hessen weiter schwächen. Außerdem fordern sie weniger Bürokratie und niedrigere Energiekosten. Ein Industriestrompreis könne dabei nur der Anfang sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion