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Caine-Sieger kontert KI-Vorwürfe

KI statt Kreativität? Caine-Preisträger aus Simbabwe wehrt sich gegen schwere Vorwürfe – nun wird der Siegertext geprüft.

15.10.2026, 12:54 Uhr

Caine-Preis-Gewinner weist KI-Vorwürfe zurück

Der diesjährige Gewinner des Caine-Preises für afrikanische Literatur sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, seine ausgezeichnete Kurzgeschichte vollständig von Künstlicher Intelligenz erstellen lassen zu haben. Für die Erzählung „The Blue Fighter“ war der Simbabwer Simbarashe Kundizeza erst in der vergangenen Woche mit dem mit 10.000 US-Dollar dotierten Preis geehrt worden. Die Anschuldigungen weist er jedoch entschieden zurück.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Bericht des US-Magazins The Atlantic. Demnach soll das KI-Erkennungstool Pangram zu dem Ergebnis gekommen sein, dass nahezu der gesamte Text von einer KI verfasst worden sei. Ausgenommen sei demnach lediglich ein in der Geschichte zitierter Abschnitt aus einem Gedicht eines anderen Autors. Wegen dieses Verdachts wird die Erzählung nun überprüft.

Autor verweist auf persönliche Erfahrungen

Kundizeza reagierte auf die Vorwürfe mit einer Stellungnahme auf X. Darin betonte er: „Diese Geschichte ist nicht aus dem Nichts entstanden. Sie hat eine konkrete, dokumentierte Vorgeschichte.“ Nach seinen Angaben beruht die Erzählung auf Erlebnissen seiner Familie in Simbabwe. So greife sie unter anderem die Entscheidung seines Vaters auf, den Beruf als Buchhalter aufzugeben, sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die Familie danach durchleben musste.

Auch weitere Elemente wie Figuren und Schauplatz stützten sich auf Erfahrungen aus seinem eigenen Leben, erklärte Kundizeza. Zudem könne er eine klar nachvollziehbare Chronologie der Entstehung der Geschichte belegen.

Die Organisatoren des Caine-Preises erklärten, dass die Vorwürfe derzeit geprüft würden. In einer Mitteilung des Komitees hieß es, man sei verpflichtet, solchen Hinweisen nachzugehen. Zugleich wolle man einen menschenzentrierten Ansatz verfolgen, der sicherstelle, dass betroffene Autorinnen und Autoren während des Verfahrens unterstützt und umsorgt würden.

Literaturwelt in KI-Vertrauenskrise

The Atlantic schrieb in einem Beitrag auf X: „Ein weiterer renommierter Preis geht an eine Autorin oder einen Autor, der offenbar KI eingesetzt hat, während die Vertrauenskrise in der Literaturwelt weiter zunimmt.“ Der Kommentar verweist auf die zunehmend angespannte Debatte in der Buchbranche darüber, wie weit der Einsatz von KI in literarischen Werken reichen darf.

Bereits im September war der Roman „C’était ça ou mourir“ des kanadisch-haitianischen Schriftstellers Thélyson Orélien unter ähnlichem Verdacht aus dem Wettbewerb um den renommierten französischen Prix Goncourt ausgeschieden. Als Begründung wurden damals Analysen von Textpassagen mit derselben US-Software Pangram angeführt. In den Tagen danach griffen mehrere Medien den Fall auf und nahmen eigene Prüfungen vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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