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Betäubt, vergewaltigt, gefilmt? Warum schweigt er?

Jahrelang soll er seine Partnerin betäubt, missbraucht und gefilmt haben – ein berühmter Skandal brachte alles ans Licht.

10.09.2026, 11:34 Uhr

Angeklagter schweigt zu Vorwürfen im Vergewaltigungsprozess bei Hannover

Im Verfahren vor dem Landgericht Hannover wegen mehrfacher gefilmter Vergewaltigungen seiner früheren Partnerin hat der angeklagte 39-Jährige vorerst keine Angaben gemacht. Sein Verteidiger Marcin Raminski erklärte zum Prozessauftakt, der Mann mache von seinem Schweigerecht Gebrauch. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll er seine damalige Lebensgefährtin zwischen November 2021 und März 2026 in 103 Fällen betäubt, sexuell missbraucht und die Taten aufgezeichnet haben.

Staatsanwaltschaft: Frau in gemeinsamer Wohnung betäubt

Dem aus Polen stammenden Mann wird vorgeworfen, seiner ebenfalls polnischen Partnerin in der gemeinsamen Wohnung in Ronnenberg bei Hannover Schlafmittel oder Ketamin verabreicht zu haben. Dadurch habe er sie bewusstlos gemacht, um anschließend sexuelle Übergriffe an ihr zu begehen. Zudem soll er zahlreiche Videos davon aufgenommen, teils in Chatgruppen verschickt und im Internet veröffentlicht haben.

Anklage beschreibt 103 einzelne Fälle

Zum Beginn der Verhandlung schilderte die Staatsanwältin die 103 angeklagten Taten einzeln in knapper Form, wofür sie fast eine Stunde benötigte. Nach den Ermittlungen soll der Mann die Frau immer wieder sediert und die Situation ausgenutzt haben, während sie tief schlief und sich nicht bewegen konnte. In einzelnen Fällen habe er mehr als 100 Videos erstellt. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, die Frau heimlich beim Duschen oder Baden gefilmt zu haben. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Erinnerungen an den Fall Gisèle Pelicot

Der Prozess erinnert an den Fall der Französin Gisèle Pelicot. Sie war über viele Jahre von ihrem damaligen Ehemann mit Medikamenten betäubt, missbraucht und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten worden. Im Jahr 2024 wurden neben ihrem Ex-Mann auch 50 Mitangeklagte zu langen Haftstrafen verurteilt.

Ermittlerin: Hinweise kamen auch durch Recherchen zum Pelicot-Komplex

Eine Zeugin vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen sagte aus, dass die Ermittlungen in Niedersachsen unter anderem durch die Bekanntmachung des Pelicot-Falls in Frankreich sowie durch investigative Recherchen in Deutschland angestoßen worden seien. Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt. Dann könnte auch die mutmaßlich geschädigte Frau als Zeugin vernommen werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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