Polizei sucht nach Messerangreifer nach eskaliertem Dorffest in Egling weiter
Nach den gewalttätigen Vorfällen auf einem Dorffest in Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen läuft die Fahndung nach dem mutmaßlichen Messerangreifer weiter. Nach Angaben der Polizei soll der Unbekannte einen 16-Jährigen mit einem Messer am Arm attackiert und verletzt haben. Zuvor habe er einen 20 Jahre alten Bekannten des Jugendlichen niedergeschlagen und dabei durch einen Schlag gegen den Kopf leicht verletzt.
Die Auseinandersetzung ereignete sich laut Polizei am späten Samstagabend am Ausgang des Festgeländes. Der Verdächtige konnte anschließend unerkannt in der Menge verschwinden. Auf der vom örtlichen Burschenverein organisierten Blauliachd-Party feierten laut Polizei rund 700 Besucher.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd laufen umfangreiche Fahndungsmaßnahmen. Bislang sei der Tatverdächtige jedoch noch nicht identifiziert worden.
16-Jähriger musste in der Nacht operiert werden
Lebensgefahr bestand nach Polizeiangaben für keine der betroffenen Personen. Der 16-Jährige wurde am Arm so schwer verletzt, dass er noch in derselben Nacht operiert werden musste.
Warum die Lage auf dem zunächst friedlichen und seit Jahren stattfindenden Fest derart eskalierte, ist weiterhin unklar. Auch weshalb der Täter ein Messer bei sich hatte, ist bislang nicht bekannt.
Aus der Gemeindeverwaltung Egling hieß es, zunächst müssten die laufenden Ermittlungen abgewartet werden. Erst danach ließen sich mögliche Schlüsse ziehen. Grundsätzlich sei es wünschenswert, dass solche Feste weiterhin stattfinden könnten.
Schlägereien, aufgeheizte Stimmung und mehrere Körperverletzungsanzeigen
Neben der Messerattacke wurden bei weiteren Schlägereien auf dem Festgelände mehrere Menschen verletzt. Nach derzeitigem Stand gibt es laut Polizei keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Messerangreifer auch an diesen Auseinandersetzungen beteiligt war.
Die Polizei war am Samstag gegen 23.45 Uhr alarmiert worden. Beim Eintreffen der Beamten sei die Stimmung bereits stark aufgeheizt gewesen. Bei der Beendigung der Veranstaltung mussten die Einsatzkräfte laut Mitteilung teilweise unmittelbaren Zwang anwenden. Mehrere Feiernde wurden demnach in Gewahrsam genommen oder sogar gefesselt.
Die Ermittler führen inzwischen rund ein halbes Dutzend Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten. Zur Aufklärung werden Videoaufnahmen ausgewertet und Festgäste als mögliche Zeugen vernommen.
Den flüchtigen Mann beschreiben Zeugen als etwa 1,80 bis 1,90 Meter groß, mit schmaler Statur und kurzen dunklen Haaren. Er soll eine graue Fleecejacke und Jeans getragen haben.
Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften im Einsatz
Polizei und Rettungskräfte waren mit einem größeren Aufgebot vor Ort. Im Einsatz waren rund 60 Polizeibeamte, darunter auch Kräfte des Unterstützungskommandos (USK) des Polizeipräsidiums München. Hinzu kamen fünf Rettungswagen, zwei Notärzte, ein Rettungshubschrauber sowie eine polizeiliche Drohne.
Die Feuerwehr Egling unterstützte mit 15 Einsatzkräften beim Ausleuchten des Geländes und bei der Verkehrslenkung.
Laut Polizei war entsprechend den behördlichen Vorgaben ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Es habe Einlasskontrollen gegeben, diese hätten sich jedoch vor allem auf das Alter der Besucher bezogen. Durchsuchungen der Gäste habe es nicht gegeben.
Organisator zeigt sich schockiert
Simon Raß, Vorsitzender des Burschenvereins und Hauptorganisator der Blauliachd-Party, zeigte sich Medienberichten zufolge tief betroffen. Gegenüber der Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“ sagte er, die Veranstaltung sei immer ein gemütliches Fest gewesen.
Ob die Feier jemals wieder stattfinden wird, ist derzeit offen. Raß äußerte laut Bericht, die Blaulicht-Party werde es womöglich nie wieder geben. Mit dem Namen verbinde nun jeder diesen Abend – auch die Organisatoren selbst hätten daran keine guten Erinnerungen mehr.
Quelle: dpa/bearbeitet
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber