Carolin Kebekus fordert von Papst Leo XIV. vor allem eine konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. In einer neuen ARD-Dokumentation über den seit rund einem Jahr amtierenden Papst sagt die Entertainerin, der Vatikan müsse wenigstens hier Entschlossenheit zeigen, Archive öffnen und Verantwortung übernehmen. Das sei für sie gelebte Nächstenliebe: sich um das zu kümmern, was die Kirche selbst angerichtet habe.
Allzu große Erwartungen verbindet Kebekus mit Leo XIV. allerdings nicht. Wörtlich sagt sie in der Doku: „Ich erwarte eigentlich gar nichts von ihm.“ Die Komikerin beschäftigt sich in ihren Programmen seit Jahren immer wieder mit Kirche, Glaube und Bibel.
Sehnsucht nach einer moralischen Instanz
Der Film zeichnet Leo XIV. zugleich als Papst, der öffentlich klar Position bezieht, zügig auftritt und auch mächtigen Politikern wie US-Präsident Donald Trump Paroli bietet. Klimaaktivistin Luisa Neubauer sagt, viele Menschen sehnten sich in unsicheren und aufgewühlten Zeiten nach so etwas wie einem Weltgewissen.
Die Dokumentation von Johannes Winkler, für die der BR federführend verantwortlich ist, läuft an diesem Sonntag, 3. Mai, um 13.15 Uhr in der ARD. In der Mediathek ist sie bereits verfügbar.
Zwischen Friedensappellen und Reformfragen
Neben Kebekus und Neubauer kommen unter anderem der Münchner Kardinal Reinhard Marx, CSU-Politiker Manfred Weber und der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow zu Wort.
Nach außen erscheint Leo XIV. als moralische Autorität, die zu Frieden und mehr Umweltschutz mahnt. Marx beschreibt ihn als nachdenklichen Mann und Brückenbauer.
Offen bleibt jedoch, wie reformbereit der Papst innerhalb der Kirche tatsächlich ist. Die Doku fragt, ob Leo Veränderungen wirklich vorantreibt oder eher konservative Kräfte schont. Dabei wird auch die aktuelle Debatte über die Segnung homosexueller Paare gestreift.
Kirche, Rechte und Kritik an KI
Thematisiert wird außerdem das Spannungsverhältnis zu rechtsnationalen Strömungen, die sich zwar auf Kirche und Christentum berufen, mit den Friedensappellen und dem Eintreten des Papstes für Nächstenliebe aber wenig anfangen können. Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli spricht in diesem Zusammenhang von einer neuen Tech-Rechten, die bewusst christliche Sprache nutze, zugleich aber behaupte, die eigentliche Rettung liege in Technologie und Künstlicher Intelligenz. Leo XIV. äußert sich dagegen immer wieder kritisch über den Einfluss von KI.
Kebekus bringt eine Päpstin ins Spiel
Mit Blick auf die Zukunft sagt Neubauer, wenn es das Papstamt nun einmal gebe, müsse man es wenigstens mit vollem Einsatz ausfüllen. Gerade dadurch entstehe für dieses eigentlich überholte Amt überhaupt noch Legitimität.
Kebekus geht noch weiter: Ihrer Ansicht nach wäre es Zeit für eine Frau an der Spitze der katholischen Kirche. Nach geltendem Kirchenrecht ist eine Päpstin allerdings ausgeschlossen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion