Die Fischerei mit Grundschleppnetzen verursacht nach einer neuen Studie erhebliche Schäden an Meeresökosystemen, verschärft die Klimabelastung und kommt die Gesellschaft in Europa teuer zu stehen. Forschende aus den USA und Kanada berichten im Fachjournal Ocean & Coastal Management, dass diese Fangmethode jährlich soziale Kosten von bis zu 16 Milliarden Euro verursachen könnte. Damit lägen die Folgekosten um ein Vielfaches über den wirtschaftlichen Erträgen dieser Fischerei.
Den Angaben zufolge ist vor allem die Freisetzung von im Meeresboden gespeichertem Kohlenstoff für die hohen Kosten verantwortlich. Für ihre Analyse untersuchten die Wissenschaftler Daten von mehr als 4.900 Fangschiffen unter europäischer Flagge. Diese waren zwischen 2016 und 2021 im Schnitt 5,5 Millionen Stunden pro Jahr in den Gewässern der EU sowie vor Großbritannien, Norwegen und Island im Einsatz.
Während der Nettogewinn der Branche auf rund 180 Millionen Euro jährlich geschätzt wird, beziffert die Studie die Belastung für die Allgemeinheit auf etwa 2 bis 16 Milliarden Euro pro Jahr. Die große Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Annahmen dazu, welche gesellschaftlichen Kosten pro Tonne CO2 angesetzt werden.
Fischerei auch in Schutzgebieten
Laut Untersuchung wurden durch das Aufwühlen des Meeresbodens in den Jahren 2016 bis 2021 jährlich rund 112 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspreche fast einem Drittel der weltweiten Emissionen, die durch Grundschleppnetz-Fischerei am Meeresboden entstehen. Das Team um Katherine Millage von der Umweltorganisation Pristine Seas schätzt diese global auf bis zu 370 Millionen Tonnen pro Jahr.
Besonders kritisch sehen die Autoren die ökologischen Folgen. Demnach fanden in Europa rund 23 Prozent der Grundschleppnetz-Aktivitäten in Meeresschutzgebieten statt. In Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien lag der Anteil sogar bei mehr als einem Viertel.
Forderung nach Verbot in Schutzgebieten
Die eingesetzten Netze, die teils Ausmaße von bis zu zwölf Boeing-747-Flugzeugen erreichen sollen, ziehen über den Boden und zerstören dabei sensible Lebensräume. Nach Einschätzung der Forschenden leidet dadurch die Fähigkeit von Fischbeständen und anderen Meeresorganismen, sich zu erholen, massiv. Trotz des großen Eingriffs trägt diese Fangmethode den Angaben zufolge nur etwa zwei Prozent zum in Europa verzehrten tierischen Protein bei.
Die Autoren sprechen sich deshalb zunächst für ein Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten aus. Auch eine generelle Reduzierung dieser Fischerei um die Hälfte könnte ihrer Einschätzung nach den Nutzen für die Gesellschaft erhöhen und übernutzten Meeren bei der Erholung helfen. Griechenland und Schweden haben bereits angekündigt, die Methode in ihren Schutzgebieten bis 2030 zu untersagen. Das entspricht auch den Zielen des Aktionsplans der EU-Kommission.
Hoher Beifang in den Netzen
Hinzu kommt nach Angaben des Forschungsteams, dass bis zu 75 Prozent der in solchen Netzen gefangenen Meerestiere als Beifang gelten. Dazu können auch Delfine und Wale gehören, die auf der Jagd nach Fischen in die Netze geraten.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation schätzt, dass weltweit jedes Jahr mehr als 300.000 Wale und Delfine in Fischernetzen verenden. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf verschiedene Netztypen. Auch ein Buckelwal, der in der deutschen Ostsee mehrfach strandete, soll Berichten zufolge in einem Netz hängen geblieben sein, vermutlich in einem Stellnetz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion