Bayern baut Drohnenabwehr der Polizei deutlich aus
Nach dem jüngsten Zwischenfall mit einer Drohne am Flughafen Leipzig will Bayern seine Abwehr gegen unbemannte Fluggeräte personell und technisch verstärken. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte am Flughafen Nürnberg an, das Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum der Polizei in Erding schrittweise von derzeit rund 40 auf etwa 100 Kräfte auszubauen. Auch die Polizeieinheiten an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen sollen mehr Personal erhalten.
Für Nürnberg ist bereits ein konkreter Schritt vorgesehen: Zum 1. September sollen 18 zusätzliche Beamtinnen und Beamte ihren Dienst bei der bayerischen Grenzpolizei antreten.
Herrmann begründete den Ausbau mit einer wachsenden Bedrohungslage. Berichte über tatsächliche oder vermeintliche Drohnensichtungen über Flughäfen und militärischen Einrichtungen gingen praktisch täglich ein, sagte er. Angriffe mit Drohnen auf kritische Infrastruktur seien Ausdruck zunehmender Konflikte, hybrider Bedrohungen und neuer Formen politischer Einflussnahme. Solche Vorfälle könnten wirtschaftliche Schäden verursachen und die Bevölkerung verunsichern.
Nach den Worten des Ministers braucht der Freistaat vor allem zweierlei: mehr Geld und zusätzliches Fachwissen in Form geeigneten Personals. Die technischen Möglichkeiten zur Erkennung und Abwehr müssten laufend weiterentwickelt werden. Dafür seien erhebliche Mittel nötig, die Herrmann in die Beratungen zum Nachtragshaushalt 2027 einbringen will.
Zugleich setzt Bayern auf einen breiten fachlichen Austausch. Nach Ansicht Herrmanns ist die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr wichtig, um auch militärische Aspekte zu berücksichtigen. Hinzu kommen Kontakte mit Polizeibehörden anderer Länder sowie mit Fachleuten aus der Wirtschaft.
Das erst im April eingerichtete Zentrum in Erding hat die Aufgabe, den Markt für Drohnentechnik zu beobachten, neue Entwicklungen zu analysieren sowie Systeme für den Polizeieinsatz zu testen. Hintergrund ist, dass sich Drohnentechnologie rasant weiterentwickelt und mögliche Angreifer immer besser ausgestattet sind.
Nach Angaben der Polizei kommen bei der Abwehr unterschiedliche Mittel zum Einsatz. Der Abschuss von Drohnen gilt zwar als theoretische Option, spielt in der Praxis aber bislang kaum eine Rolle, auch wegen möglicher Kollateralschäden durch herabfallende Teile. Stattdessen setzen die Einsatzkräfte auf Ortungstechnik, auch für Nachtlagen, sowie auf Störsender, sogenannte Jammer. Damit können Drohnen je nach Programmierung zur Landung gezwungen oder zur Rückkehr zum Piloten veranlasst werden.
Für schwerwiegendere Fälle stehen zudem Netzwerfer bereit, mit denen Fluggeräte aus der Luft geholt werden können. Dabei stoßen die Systeme je nach Technik an Grenzen: Funkgesteuerte Drohnen lassen sich leichter orten und stören als LTE-gesteuerte Modelle. Gegen letztere hilft vor allem Radar, das jedoch nur das Fluggerät, nicht aber den Piloten erkennt.
Grundsätzlich sehen sich die bayerischen Sicherheitsbehörden dennoch gut aufgestellt. Nach Einschätzung von Experten gibt es gegen jede gängige Drohne geeignete Gegenmaßnahmen, abhängig von der jeweiligen Lage. Die bayerischen Flughäfen sind bereits mit Anti-Drohnen-Technik ausgerüstet. Während Memmingen und Nürnberg in die Zuständigkeit der bayerischen Polizei fallen, ist für München die Bundespolizei zuständig. Polizeidienststellen in der Fläche sollen schrittweise zumindest Basistechnik erhalten. Bei größeren Einsätzen können außerdem Spezialeinsatzkräfte mit eigenen Drohnenfachleuten hinzugezogen werden.
Eine Neuverteilung der Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr hält Herrmann weiterhin weder für nötig noch für praktikabel. Ein Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern sieht er nicht. Es sei schon aus Kostengründen unrealistisch, dass etwa die Bundespolizei den Schutz im gesamten Bundesgebiet übernehme. In Bayern seien die Zuständigkeiten auch an den Flughäfen klar geregelt, nennenswerte Reibungsverluste erkenne er nicht.
Unterstützung bekommt Herrmanns Vorhaben selbst aus der Opposition. Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Christiane Feichtmeier, erklärte, mehr Investitionen in moderne Detektions- und Abwehrtechnik sowie zusätzliche Spezialisten fänden die Zustimmung ihrer Fraktion.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber