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Alarm: Mehr Kinder verunglücken im Verkehr

Alarmierende Wende im Straßenverkehr: Deutlich mehr Kinder verunglücken – 74 starben 2025. Was hinter dem Anstieg steckt.

10.08.2026, 08:45 Uhr

Im vergangenen Jahr wurde im Straßenverkehr im Schnitt etwa alle 18 Minuten ein Kind verletzt oder getötet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2025 insgesamt rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren in Unfälle verwickelt.

Zahl der verunglückten Kinder steigt

Damit lag die Zahl der betroffenen Kinder um sieben Prozent höher als 2024, als 27.260 Kinder im Straßenverkehr zu Schaden kamen. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei den Todesfällen aus: Die Zahl der getöteten Kinder erhöhte sich von 53 auf 74. Nachdem die Unfallzahlen in den Corona-Jahren 2020 und 2021 spürbar zurückgegangen waren, zeigt sich seitdem wieder eine zunehmende Entwicklung.

Am häufigsten waren Kinder, die 2025 verunglückten, mit dem Fahrrad unterwegs. Ihr Anteil lag bei 34 Prozent. Weitere 31 Prozent saßen zum Unfallzeitpunkt in einem Auto, 20 Prozent waren zu Fuß unterwegs und acht Prozent nutzten einen E-Scooter.

Deutlich mehr tödliche Unfälle im Auto

Bei den tödlich verunglückten Kindern nahm vor allem die Zahl der Mitfahrer in Pkw zu. Sie stieg binnen eines Jahres von 21 auf 31. Auch bei Kindern auf Fahrrädern gab es einen merklichen Anstieg der Todesfälle – von 8 auf 13. Bei E-Scootern erhöhte sich die Zahl von 0 auf 4.

Unterschiede nach Alter

Besonders junge Kinder unter sechs Jahren verunglückten häufig als Mitfahrer im Auto. In dieser Altersgruppe geschahen 55 Prozent der Unfälle im Pkw. Bei Schulkindern war dagegen das Fahrrad das häufigste Verkehrsmittel bei Unfällen; 39 Prozent der verunglückten Sechs- bis 14-Jährigen waren damit unterwegs.

Die Zahl der Todesopfer stieg in allen Altersgruppen. Bei den unter Sechsjährigen nahm sie von 18 auf 30 zu. Bei den Sechs- bis Neunjährigen erhöhte sich die Zahl von 15 auf 17, bei den Zehn- bis 14-Jährigen von 20 auf 27.

Hinweise auf Gefahren auf dem Schulweg

Wo genau die Unfälle passierten, weist die Statistik nicht aus. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der Schulweg ein besonderer Risikobereich ist: Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren verunglücken montags bis freitags besonders häufig zwischen 7 und 8 Uhr.

Die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, bezeichnet den Schulweg als einen klaren Unfallschwerpunkt. Zugleich warnt sie davor, Kinder deshalb regelmäßig mit dem Auto zur Schule zu bringen. Das sogenannte Elterntaxi helfe ihnen nicht dabei, sich sicher im Verkehr zu bewegen.

Unfallforscherin fordert mehr Training

Nach Einschätzung der Unfallforschung sind die Anforderungen im Straßenverkehr für Kinder hoch: dichter Verkehr, verdeckte Sicht, fehlende Radwege und eine leichte Ablenkbarkeit erschweren die sichere Teilnahme. Kinder müssten das Verhalten im Straßenverkehr daher aktiv üben.

Gefordert seien dabei nicht nur die Eltern, sondern auch die Schulen. Nach Ansicht von Zeidler reicht der Fahrradführerschein in der Grundschule nicht aus. Sie spricht sich für eine vertiefte Mobilitätsbildung zu Beginn der weiterführenden Schule aus – einschließlich eines gezielten E-Scooter-Trainings ab 14 Jahren.

E-Scooter werden oft unterschätzt

Gerade bei E-Scootern sehen Fachleute eine wachsende Gefahr. Hier wurde der stärkste Anstieg bei den Unfallzahlen registriert. Vier Kinder unter 15 Jahren kamen 2025 bei einem Unfall mit einem Elektroroller ums Leben. Dabei dürfen E-Scooter eigentlich erst ab 14 Jahren gefahren und erst ab 18 Jahren gemietet werden.

Nach Einschätzung der Unfallforschung werden die Roller oft als Freizeitgerät unterschätzt. Vielen Jugendlichen sei nicht bewusst, wie anspruchsvoll die Nutzung ist, wie wichtig ein Helm sein kann und welche Regeln gelten.

Hinzu kommt: In der offiziellen Statistik erscheinen nur Unfälle, die der Polizei gemeldet wurden. Leichtere oder nicht gemeldete Fälle, etwa nach einem Arzt- oder Krankenhausbesuch, bleiben außen vor. Die tatsächliche Zahl verunglückter Kinder dürfte deshalb noch höher liegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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