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28 Jahre weg: Jetzt ist Bushby zurück

28 Jahre ohne Motor unterwegs: Wie Karl Bushby 50.000 Kilometer meisterte, klingt fast unglaublich.

02.11.2026, 13:22 Uhr

Wie ein Held empfangen: Karl Bushby ist nach 28 Jahren zu Fuß nach Hull zurückgekehrt

Fast drei Jahrzehnte nach seinem Aufbruch ist der britische Abenteurer Karl Bushby wieder in seiner Heimatstadt Hull angekommen. Auf dem Queen Victoria Square wurde der 57-Jährige am Mittag von Hunderten Menschen gefeiert. In kurzer Hose und mit grau gewordenem Bart schüttelte er zahlreiche Hände und zeigte sich tief bewegt. „Das ist der absolute Wahnsinn“, sagte Bushby über den Empfang.

Gegenüber Sky News erklärte er, mit einem solchen Willkommen habe er niemals gerechnet. Es sei „überwältigend“, wie viele Menschen gekommen seien, um ihn wieder zu Hause zu begrüßen. Es sei fantastisch gewesen, zurück im Vereinigten Königreich zu sein und die Reise auf diese Weise abzuschließen. Zu seinen Ehren war auf dem Platz sogar eine kleine Bühne aufgebaut worden.

Am Nachmittag kam es dann zum emotionalen Wiedersehen mit seiner Mutter Angela – zum ersten Mal seit knapp 30 Jahren. Sie empfing ihn vor dem Haus, in dem Bushby aufgewachsen ist, und begrüßte ihn mit den Worten: „Wo warst du?“ Bei der Umarmung hatten beide Tränen in den Augen. Dutzende Medienvertreter begleiteten den Moment, die Bilder gingen um die Welt. Vor Reportern und Gratulanten sagte Bushby anschließend mit britischem Humor: „Ich hole mir jetzt eine Tasse Tee.“ Eine Anwohnerin, die 65-jährige Caron, nannte seine Leistung „großartig“. Zugleich werde sein Leben nun anders sein, auch weil sich Hull in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. Als Bushby die Stadt damals verließ, war er noch Ende 20.

Hinter ihm liegen rund 50.000 Kilometer – praktisch ohne motorisierte Hilfsmittel.

Mit „The Beast“ und 500 Dollar

Begonnen hatte die außergewöhnliche Reise am 1. November 1998 in Punta Arenas im Süden Chiles. Für den früheren Soldaten galten von da an zwei feste Regeln: Auf seiner Route durfte er keine Verkehrsmittel nutzen, und nach Hause wollte er erst zurückkehren, wenn die Expedition abgeschlossen war. Laut The Guardian startete er mit einem zweirädrigen Gepäckwagen namens „The Beast“ und lediglich 500 US-Dollar.

Sein Weg führte ihn zunächst durch Süd- und Mittelamerika, weiter über die USA und Kanada bis nach Alaska. Von dort ging es nach Sibirien, durch Asien und schließlich nach Europa. Nach Angaben seines Presseteams kam Bushby seit dem Start auf etwa 50.000 Kilometer und bereiste 29 Länder. Auf der Strecke meisterte er Gebirge, Wüsten, Dschungel, extreme Kälte und gefährliche Gewässer.

Durch das Kaspische Meer und den Ärmelkanal

Für einzelne Etappen musste Bushby sogar tagelang schwimmen. So durchquerte er das Kaspische Meer, um von Kasachstan nach Aserbaidschan zu gelangen. Auch für die Rückkehr auf britischen Boden blieb ihm der Weg durchs Wasser nicht erspart: Mit einer Sondergenehmigung schwamm er Anfang Oktober von Frankreich nach England durch den Ärmelkanal. Schon im September hatte er der BBC in Belgien gesagt, dass er die Reise nicht mehr allzu lange fortsetzen wolle.

Aus zwölf Jahren wurden fast drei Jahrzehnte

Ursprünglich war die Expedition auf zwölf Jahre angelegt. Am Ende dauerte sie jedoch beinahe 28 Jahre. Immer wieder wurde Bushby durch Visa-Probleme, Geldmangel oder politische Hürden gestoppt. In manchen Fällen musste er notgedrungen doch auf Flugzeuge zurückgreifen. Zwischenzeitlich lebte er deshalb in Mexiko oder in den USA. Um seinen eigenen Regeln treu zu bleiben, kehrte er nach solchen Unterbrechungen jeweils zu dem Punkt zurück, an dem er seine offizielle Route verlassen hatte.

Gefahr auf der Strecke: Pandemie, Festnahme und Eisbär

Sein Vorhaben brachte ihn mehrfach in Lebensgefahr. Besonders riskant war 2006 die versuchte Überquerung der Beringstraße, der vereisten und bitterkalten Meerenge zwischen Asien und Amerika. Dabei geriet Bushby nicht nur in die Nähe eines Eisbären, sondern wurde schließlich auch von russischen Grenzbeamten festgenommen. Begleitet wurde er damals vom französisch-amerikanischen Abenteurer Dimitri Kieffer.

Zusätzliche Rückschläge folgten durch den Verlust von Investoren infolge der Weltwirtschaftskrise 2008 sowie später durch die Corona-Pandemie. Auf seiner offiziellen Internetseite dokumentierte Bushby in Tagebucheinträgen immer wieder die Schwierigkeiten, mit denen er im Verlauf der Jahre konfrontiert war.

Hoher persönlicher Preis

Auch privat hatte das Abenteuer seinen Preis. Als Bushby England verließ, ließ er dort einen kleinen Sohn zurück. Inzwischen hat er nach eigenen Angaben sogar eine Enkelin, die er bei seiner Ankunft nun erstmals persönlich kennenlernte. Gemeinsam mit seinem Sohn Adam begrüßte sie Bushby am Haus seiner Mutter. Das Verhältnis zu seinem Sohn sei dennoch gut – auch dank vieler offener Gespräche. Gegenüber dem Guardian sagte Bushby zuletzt, Adam verstehe ihn und gehöre zu seinen größten Unterstützern.

Dokumentation von Werner Herzog

Bushbys außergewöhnliche Geschichte soll bald auch als Dokumentation erscheinen. Der deutsche Regisseur Werner Herzog begleitete seine Rückkehr nach Großbritannien. Am 5. Oktober 2026 empfing Herzog den Abenteurer am Shakespeare Beach bei Dover, nachdem Bushby den Ärmelkanal durchschwommen hatte.

Der Film trägt den Titel „Walk of Life“ und soll zeigen, wie Bushby im Verlauf seiner Expedition an körperliche und psychische Grenzen ging. Herzog begleitete ihn auch auf den letzten Metern in Hull.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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