Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ sorgt weiter international für Besorgnis. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bislang fünf Infektionen bestätigt, hinzu kommen weitere Verdachtsfälle. Drei Menschen starben bereits: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland.
In der Uniklinik Düsseldorf wird eine Kontaktperson aus Deutschland vorsorglich weiter beobachtet. Nach Angaben der Klinik konnte das Hantavirus in umfangreichen Laboruntersuchungen bislang nicht nachgewiesen werden. Auch die virologischen Befunde deuteten derzeit nicht auf eine Infektion hin. Die Person befinde sich in stabiler klinischer Verfassung.
Weil die Inkubationszeit des Erregers jedoch stark schwanken kann und Symptome erst nach mehreren Wochen auftreten können, sind laut Klinik weitere Kontrollen und eine klinische Beobachtung nötig. Die Schutzmaßnahmen in der Uniklinik bleiben deshalb vorsorglich in Kraft.
Die WHO hatte am Donnerstag berichtet, dass es sich laut niederländischen Behörden um eine 65-jährige Deutsche handelt. Die Uniklinik selbst machte zu Alter und Geschlecht keine Angaben. Nach WHO-Angaben zeigt die Frau keine Symptome. Sie hatte an Bord der „Hondius“ engen Kontakt zu einer Person, die später an einer Hantavirus-Infektion starb.
Die Kontaktperson war am späten Mittwochabend mit einem Spezialtransport-Konvoi zur Untersuchung in die Düsseldorfer Uniklinik gebracht worden. Zuvor hatten Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf sie am Flughafen in Amsterdam übernommen.
WHO spricht von einer ernsten Lage
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Situation in Genf als „ernst“. Zugleich stuft die WHO das Risiko für die allgemeine Öffentlichkeit weiterhin als gering ein. Notfallkoordinatorin Maria van Kerkhove betonte, es handle sich nicht um den Beginn einer Pandemie. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angemessen.
Unterdessen teilten die niederländischen Gesundheitsbehörden mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt zu der später verstorbenen niederländischen Passagierin hatte, nicht infiziert ist. Ein Test fiel negativ aus, was auch von der WHO bestätigt wurde.
Die Flugbegleiterin hatte sich in Johannesburg um die ältere Niederländerin gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der „Hondius“ mit einem KLM-Flug nach Amsterdam zurückreisen wollte. Wegen ihres Gesundheitszustands wurde sie jedoch nicht mitgenommen; einen Tag später starb sie im Krankenhaus. Ihr Mann war zuvor bereits auf dem Schiff an dem Virus gestorben. Die Stewardess selbst war am Mittwoch mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden.
Experte: Mensch-zu-Mensch-Übertragung nur selten
Der Virologe Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut erklärte, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei Hantaviren nur beim sogenannten Andes-Typ möglich sei. Auch dann sei dieses Risiko nach bisherigen Erkenntnissen sehr gering. Solche Übertragungen seien weltweit nur in wenigen Fällen dokumentiert worden, etwa 1995 und 2018 in Argentinien.
Bei anderen Hantavirus-Typen sei der Mensch ein „Fehlwirt“: Er könne sich infizieren, das Virus aber nicht weitergeben. Nach Einschätzung der WHO handelt es sich bei den Fällen auf der „Hondius“ um den Andes-Typ. Dieser wurde bislang ausschließlich in den argentinischen Provinzen Chubut, Río Negro und Neuquén sowie im Süden Chiles nachgewiesen.
Schiff ist auf dem Weg nach Teneriffa
Nach WHO-Angaben zeigt derzeit niemand an Bord sichtbare Symptome. Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff ist von den Kapverden aus in Richtung Teneriffa unterwegs. Dort sollen die knapp 150 verbliebenen Menschen an Bord vollständig untersucht und getestet werden. Wie anschließend ihre Heimreise organisiert wird, ist weiter offen.
Bereits am 24. April hatten 29 Passagiere das Schiff auf der britischen Insel St. Helena im Südatlantik verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war der erste bestätigte Hantavirus-Fall noch nicht bekannt; die Bestätigung erfolgte erst gut zehn Tage später.
Suche nach dem Ursprung in Argentinien
Die Ursache der Infektionen soll nun in Argentinien untersucht werden. In Ushuaia im äußersten Süden des Landes, wo die „Hondius“ am 1. April abgelegt hatte, wollen Forscher Nagetiere fangen und auf das Virus testen. Das teilte die Regierung in Buenos Aires mit.
Hantaviren werden in der Regel durch infizierte Nagetiere wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Ehepaar, bei dem zuerst Symptome auftraten und das später starb, hatte sich laut argentinischen Behörden bereits seit 2025 in der Region aufgehalten.
In Deutschland vor allem der Puumala-Typ
Nach Angaben von Experte Eiden zirkuliert in Deutschland vor allem der Puumala-Typ aus der Familie der Hantaviren. Dieser werde über Ausscheidungen infizierter Rötelmäuse auf Menschen übertragen. Wer etwa in Kellern, Garagen oder auf Dachböden auf Staub mit möglichen Nager-Ausscheidungen trifft, sollte diesen nur mit Atemmaske entfernen und Kot mit Handschuhen beseitigen.
Viele Infektionen verlaufen demnach ohne Symptome und bleiben unbemerkt. Schwere Krankheitsverläufe seien in Deutschland eher selten und träten meist bei bereits vorerkrankten Menschen auf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion