Fußball

Bayern: Die Wahrheit zu Musialas Karriereende-Gerüchten

Trotz neurologischer Störung? Beim FC Bayern wächst die Hoffnung, dass Jamal Musiala überraschend auf Top-Niveau weitermacht.

19.08.2026, 10:11 Uhr

Fußball-Deutschland sorgt sich um Jamal Musiala. Nach seinem zweiten Zusammenbruch auf dem Feld innerhalb von vier Tagen hat der Bayern-Profi seine Diagnose selbst öffentlich gemacht: Bei ihm wurden nach eigenen Angaben „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ festgestellt, die auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen seien.

Beim FC Bayern rechnet man trotz der Diagnose weiterhin damit, dass Musiala seine Karriere fortsetzen kann. Nach Vereinsangaben gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass der Nationalspieler künftig nicht mehr auf Weltklasseniveau Fußball spielen könnte. Offen bleibt jedoch zunächst, wie es kurzfristig für den Offensivspieler weitergeht.

Musiala war zuerst im Testspiel gegen RB Leipzig zusammengesackt, drei Tage später dann erneut in Heidenheim. In beiden Fällen wurde der 23-Jährige kurz auf dem Platz behandelt und konnte anschließend selbstständig vom Feld gehen.

Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle

Absencen gelten als Form epileptischer Anfälle. Betroffene erleben dabei meist nur wenige Sekunden dauernde Blackouts. Auf dem Platz wirkte Musiala in diesen Momenten kurz weggetreten.

Nach Einschätzung des Neurologen Peter Berlit drohen bei Absencen im Unterschied zu anderen epileptischen Anfällen in der Regel keine Folgeschäden am Gehirn. Musiala selbst hatte betont: „Das Wichtigste zuerst – mir geht es gut!“ Über die Anfälle hinaus bestehe kein weiteres gesundheitliches Risiko.

Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, sieht zudem gute Behandlungschancen. Nach seinen Angaben können etwa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen medikamentös geheilt werden. Das gelte grundsätzlich auch für Profisportler: Treten keine Anfälle mehr auf, seien sie voll einsatzfähig.

Verein verweist auf medizinische Abstimmung

Aus dem Verein hieß es, Musialas Einsätze in den beiden Partien seien medizinisch umfassend abgestimmt und unbedenklich gewesen. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen bestätigte, dass der Club in enger Abstimmung mit dem Neurologen und den behandelnden Ärzten stand, die grünes Licht für Einsätze gegeben hätten.

Zugleich zeigten sich die Münchner überrascht von der schnellen Wiederholung der Vorfälle. Uli Hoeneß sagte im RTL/Sky-Interview, man sei im Moment „ziemlich sprachlos“. Man habe sich auf eine solche Situation nicht vorbereiten können und müsse erst lernen, damit umzugehen. Gleichzeitig versicherte der Ehrenpräsident eine „bedingungslose Unterstützung für Jamal in jeder Hinsicht“.

Hoeneß sprach zudem von einem „Drama“, vor allem für Musiala selbst. Man habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit der Häufung dieser Probleme in so kurzer Zeit.

Bayern wusste schon länger von der Erkrankung

Nach Aussagen aus der Clubspitze war Musialas gesundheitliche Situation intern schon länger bekannt. Dreesen sagte, der Verein sei nicht erst seit kurzem informiert. Auch Hoeneß hatte erklärt, man wisse bereits länger über die Probleme Bescheid. Der Vorfall gegen Leipzig sei jedoch der erste gewesen, der auf dem Platz und damit öffentlich sichtbar wurde.

Ob es zuvor bereits ähnliche Episoden im Training oder außerhalb der Öffentlichkeit gab, blieb offen. Ebenso ist unklar, wie lange Musiala bereits unter solchen Absencen leidet.

Sportliche Perspektive vorerst offen

Eine konkrete Prognose für die kommenden Tage gibt es bislang nicht. Unklar ist daher, ob Musiala am Samstag im Supercup bei Borussia Dortmund oder wenige Tage später zum Bundesliga-Auftakt gegen den VfB Stuttgart zur Verfügung stehen kann. Trainer Vincent Kompany äußerte sich dazu bislang nicht konkret.

Auch mit Blick auf die Nationalmannschaft bleibt die Lage offen. Der Deutsche Fußball-Bund reagierte zunächst nicht auf die beiden Vorfälle. Das nächste Spiel in der Nations League steigt am 24. September in den Niederlanden, eine Woche zuvor will Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader nominieren.

Viel Zuspruch von Mitspielern und Weggefährten

Auf Musialas Instagram-Beitrag folgten zahlreiche aufmunternde Reaktionen aus dem Fußball. Unter anderem meldeten sich Thomas Müller, Manuel Neuer, Dayot Upamecano, Florian Wirtz, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic, Nathaniel Brown und Nick Woltemade. Auch Bayern-Profis wie Luis Diaz und Konrad Laimer schickten Unterstützung.

Harry Kane sprach von einer belastenden Situation. Die Bilder der beiden Vorfälle seien nicht schön gewesen, sagte der Engländer über seinen „Teamkollegen und Freund“. Musiala wolle nun vor allem so schnell wie möglich wieder normal auf den Platz zurückkehren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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