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Fall Fabian: Darum geht der Mordprozess weiter

Im Fall des getöteten Fabian sagen erstmals Zeugen aus – im Fokus: die Ex-Freundin seines Vaters. Was kommt jetzt ans Licht?

30.04.2026, 09:50 Uhr

Vor dem Landgericht Rostock ist der Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow mit den Aussagen beider Eltern fortgesetzt worden. Sowohl die Mutter als auch der von ihr getrennt lebende Vater schilderten den Jungen stundenlang als liebevoll, zuverlässig und aufgeschlossen. Die 30 Jahre alte Angeklagte soll Fabian laut Anklage am 10. Oktober 2025 heimtückisch ermordet haben.

Die 31-jährige Mutter beschrieb ihren Sohn unter Tränen als besonders aufmerksam und verlässlich. Er habe sich immer wieder rückversichert, ob er alles richtig gemacht habe. „Ich kann einfach nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn war“, sagte sie vor Gericht. Während ihrer Aussage nannte sie ihren Sohn durchgängig „Fabi“. Auch Erzieher hätten ihn als sehr kuschlig beschrieben. Menschen, denen er vertraut habe, habe er oft umarmt.

Die Angeklagte, die selbst einen etwas jüngeren Sohn hat, war mit Fabians Vater bis August 2025 rund vier Jahre lang liiert. Nach Angaben der Eltern hielt sich Fabian häufig tagelang bei dem Paar auf. Abgeholt wurde er teils vom Vater, teils von der Angeklagten mit dem Auto in Güstrow. Zur Abstimmung tauschten die Erwachsenen auch WhatsApp-Nachrichten aus.

Nach Aussage des Vaters habe Fabian in der Angeklagten zeitweise sogar eine Mutterfigur gesehen und sie öfter „Mama“ genannt. Die Mutter wandte sich während ihrer Vernehmung direkt an die nur wenige Meter entfernt sitzende 30-Jährige und sagte, dass sie die Tat nicht verstehen könne. Der Vorsitzende Richter unterbrach die Sitzung daraufhin für zehn Minuten.

Beziehungsprobleme als mögliches Tatmotiv

Ausführlich schilderten die Eltern auch die familiäre Vorgeschichte. Die Mutter erklärte, sie habe sich Ende 2018 vom Vater getrennt, dennoch habe dieser sich liebevoll um Fabian gekümmert. Im Jahr 2021 begann der Vater die Beziehung mit der jetzigen Angeklagten. Nachdem Fabian laut Aussage der Mutter einmal gesehen habe, wie sein Vater die Frau geschlagen habe, habe er nicht mehr dorthin gewollt. In der Folge sei der Kontakt zunächst abgebrochen.

Der Vater sagte dagegen, Fabian sei später weiterhin gern zur Angeklagten gegangen, um Zeit mit ihr und ihrem Sohn zu verbringen. Nur mit ihm selbst habe der Junge keine Zeit verbringen wollen. Auch bei Fabians Einschulung sei er nicht erwünscht gewesen. Nach seinen Angaben dauerte der Kontaktabbruch rund eineinhalb Jahre, erst im August 2025 sei der Kontakt wieder aufgenommen worden.

Ein wiederkehrendes Thema am Verhandlungstag war zudem die Frage, ob der Vater in der Beziehung gegenüber der Angeklagten gewalttätig gewesen sei. In vor Gericht verlesenen Chats soll die 30-Jährige von einem gebrochenen Arm und in einem weiteren Fall von fast gebrochenen Rippen durch den 35-Jährigen gesprochen haben. Der Vater wies diese Vorwürfe entschieden zurück.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Mord aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen vor. Nach Darstellung der Anklage spielten Konflikte in der Beziehung zum Vater des Kindes eine zentrale Rolle. Demnach soll die Frau gezielt gehandelt haben, um mit dem Tod des Jungen einen Streitpunkt in der Partnerschaft aus dem Weg zu räumen. Der Vater habe die Beziehung nicht fortsetzen wollen, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte.

Fabians Mutter sagte zudem, dass sie inzwischen keinen Kontakt mehr zum Vater habe. Sein Verhalten tue ihr nicht gut. Sie komme nicht damit zurecht, wie er mit dem Verlust von „Fabi“ umgehe. So habe er die Angeklagte sogar in der JVA besucht. „Damit komme ich nicht zurecht. Ich will keinen Kontakt mehr“, sagte die 31-Jährige. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist dieser Besuch dokumentiert.

Während des zweiten Verhandlungstages zeigte die Angeklagte bei der Aussage des Vaters mehrfach ein Lächeln. Das geschah unter anderem, als Richter Holger Schütt den 35-Jährigen fragte, wie er die Angeklagte beschreiben würde. Der Vater nannte sie einfühlsam, empathisch, liebevoll und charakterstark – aber auch eifersüchtig. Bei der Aussage der Mutter hatte die Angeklagte dagegen weitgehend ohne erkennbare Regung zugehört.

Leere Wohnung, Vermisstenanzeige und tagelange Suche

In der Verhandlung wurde außerdem ein kurzer Audio-Mitschnitt abgespielt, der ein Gespräch zwischen der Angeklagten und Fabians Vater aus dem Dezember vergangenen Jahres zeigen soll. Die 30-Jährige sitzt seit dem 7. November in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen hat sie sich bislang nicht eingelassen und will dies nach Angaben ihrer Verteidiger zunächst auch nicht tun.

Unter Tränen schilderte die Mutter auch den Tag des Verschwindens ihres Sohnes. Fabian war am 10. Oktober krankheitsbedingt nicht zur Schule gegangen. Die Mutter sei zur Arbeit gegangen und danach direkt nach Hause gefahren. Als sie gegen 15.30 Uhr dort angekommen sei, habe sie eine leere Wohnung vorgefunden. Gemeinsam mit Freunden habe sie überall nach „Fabi“ gesucht. Am Abend erstattete sie schließlich bei der Polizei eine Vermisstenanzeige.

Die Polizei habe sie kurz darauf gebeten, zu Hause zu bleiben, falls sich ihr Sohn doch noch melde. „Ich kam mir so hilflos vor: Nichts machen zu können und abzuwarten und zu hoffen“, sagte sie vor Gericht.

Tagelang suchten Einsatzkräfte mit Hundestaffeln und einem Hubschrauber nach dem Grundschüler. Vier Tage nach seinem Verschwinden, am 14. Oktober, wurde sein Leichnam an einem Teich bei Klein Upahl entdeckt, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Achtjährige mit sechs Messerstichen getötet.

Für den dritten Verhandlungstag am 5. Mai ist der Vater erneut als Zeuge geladen. Er gilt als ein Schlüsselzeuge. Richter Schütt sagte an ihn gerichtet, das Gericht wolle klären, was geschehen sei und das Dunkel um die Tat aufhellen. Bis zum 2. Juli sind noch 15 weitere Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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