Vor dem Landgericht Rostock ist der Prozess gegen eine 30 Jahre alte Frau im Fall des getöteten achtjährigen Fabian fortgesetzt worden. Die Angeklagte soll den Jungen im Oktober 2025 getötet haben. Am aktuellen Verhandlungstag wurde zunächst die Mutter des Kindes als Zeugin gehört.
Die 31-Jährige beschrieb ihren Sohn unter Tränen als liebevoll, aufmerksam und sehr zuverlässig. Er habe sich oft rückversichert, ob er alles richtig gemacht habe. "Ich kann einfach nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn war", sagte sie vor Gericht. Ihren Sohn nannte sie während ihrer Aussage durchgängig "Fabi". Auch Erzieher hätten ihn als besonders verschmust beschrieben. Menschen, denen er vertraut habe, habe er oft umarmt.
Die Angeklagte war die frühere Freundin von Fabians Vater und kannte dadurch auch die Mutter. Während ihrer Aussage wandte sich die Mutter direkt an die nur wenige Meter entfernt sitzende 30-Jährige und sagte, sie könne die Tat nicht verstehen. Daraufhin unterbrach der Vorsitzende Richter die Verhandlung für zehn Minuten.
Ausführlich sprach die Mutter auch über die familiäre Vorgeschichte. Sie hatte sich nach ihren Angaben Ende 2018 vom Vater des Jungen getrennt. Dennoch habe dieser sich liebevoll um Fabian gekümmert. Im Jahr 2021 begann der Vater eine Beziehung mit der jetzigen Angeklagten. Fabian hielt sich deshalb zeitweise auch bei ihr auf. Nachdem der Junge laut Aussage der Mutter einmal gesehen habe, wie der Vater die Frau geschlagen habe, habe er nicht mehr dorthin gewollt.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen Mord aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen vor. Nach Darstellung der Anklage standen Konflikte in der Beziehung zum Vater des Kindes im Mittelpunkt. Demnach soll die Frau gezielt gehandelt haben, um mit dem Tod des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung aus dem Weg zu räumen. Der Vater habe die Partnerschaft nicht fortsetzen wollen, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte. Laut Anklage dauerte die Beziehung zwischen ihm und der Angeklagten bis August 2025 etwa vier Jahre.
Fabian war am 10. Oktober 2025 als vermisst gemeldet worden. Vier Tage später wurde seine Leiche an einem Teich bei Klein Upahl entdeckt, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow. Die Angeklagte sitzt seit dem 7. November in Untersuchungshaft und hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion