Wirtschaft

Warum die Digitalwirtschaft Autos längst abhängt

15 Millionen Jobs hängen an der Digitalwirtschaft – und ausgerechnet der Mittelstand, nicht Tech-Riesen, treibt den Boom an.

16.09.2026, 05:00 Uhr

Die Digitalwirtschaft zählt inzwischen zu den wichtigsten Stützen der deutschen Wirtschaft und übertrifft traditionelle Branchen deutlich. Das geht aus einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) gemeinsam mit dem Mannheimer Institut ISTARI.AI hervor. Demnach erzeugt der Sektor in Deutschland jährlich eine Bruttowertschöpfung von 481,5 Milliarden Euro. Das entspricht 11,91 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

Größerer Beitrag als die Autoindustrie

Nach den Ergebnissen ist die Digitalwirtschaft damit mehr als doppelt so bedeutend wie der deutsche Automobilbau. Dessen Anteil an der Bruttowertschöpfung liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamts gewöhnlich bei etwa 4,5 bis 5 Prozent. Werden neben den digitalen Kernbranchen auch Unternehmen aus klassischen Wirtschaftszweigen berücksichtigt, die ihre Geschäftsmodelle stark digitalisiert haben, steigt die digital geprägte Wertschöpfung sogar auf mehr als 1,01 Billionen Euro. Das entspricht über einem Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung.

Untersuchung von 1,4 Millionen Firmen

Für die Analyse werteten die Forscher die Internetauftritte und Geschäftsaktivitäten von rund 1,4 Millionen Unternehmen aus. Ziel war es, Firmen nicht nur nach teils überholten Branchenklassifikationen, sondern nach ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit einzuordnen.

Demnach umfasst die Digitalwirtschaft etwa 229.000 Unternehmen. Davon gehören rund 63.000 Betriebe mit rein digitalen Angeboten wie Software oder Plattformlösungen zur digitalen Kernwirtschaft. Sie kommen zusammen auf eine Wertschöpfung von rund 192 Milliarden Euro.

Hinzu kommen etwa 166.000 Unternehmen mit digital geprägten Geschäftsmodellen, etwa im reinen Online-Handel. Diese erwirtschaften knapp 289 Milliarden Euro. Werden außerdem 124.000 digital transformierte Unternehmen aus klassischen Branchen eingerechnet, betreibt nahezu jedes vierte Unternehmen in Deutschland digitale Wertschöpfung.

Mittelstand dominiert den Sektor

Die Studie zeichnet zudem ein anderes Bild der Branche als häufig angenommen. Demnach wird die Digitalwirtschaft nicht vor allem von großen US-Konzernen geprägt. Rund 95 Prozent der erfassten Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe. Der Sektor ist also stark mittelständisch geprägt.

Auch für den Arbeitsmarkt spielt die Branche eine große Rolle: Die digitale Kernwirtschaft und digital getriebene Geschäftsmodelle sichern laut Studie rund neun Millionen Arbeitsplätze. Werden die digitalisierten Unternehmen aus traditionellen Branchen einbezogen, steigt die Zahl auf mehr als 15 Millionen Beschäftigte.

BVDW fordert neue politische Prioritäten

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse verlangt BVDW-Präsident Dirk Freytag ein Umdenken in der Politik. Digitalpolitik müsse als Teil der Wirtschaftspolitik verstanden werden, weil digitale Wertschöpfung entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei. Nötig seien bessere Bedingungen für Datennutzung, Skalierung und Investitionen, damit das wirtschaftliche Potenzial der Branche stärker genutzt werden könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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